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H2: Wasserstoff wird zum bedeutenden
Energieträger - in ferner Zukunft
Die Lösung künftiger
Energieprobleme ist farb- und geruchlos, leicht brennbar und hinterlässt
als Abgas unbedenklichen Wasserdampf.
Von Thilo Resenhoeft, dpa
Hamburg (dpa) - Das viel gepriesene
Gas Wasserstoff könnte zum zentralen Energieträger werden,
wenn Kohle, Gas und Öl einmal verfeuert sind. Je nach Lesart
wird das in 50, 100 oder noch mehr Jahren der Fall sein. Visionäre
Pläne sehen Wasserstoff-Autos, Mini-Brennstoffzellen- Kraftwerke
im Keller oder Wasserstoff-Supertanker auf dem Weg von Afrika
ins energiehungrige Europa voraus. Derzeit fehlt aber sowohl der
politische als auch der wirtschaftliche Druck für einen Durchbruch
der Wasserstofftechnik.
Vielfach gerät in Vergessenheit,
dass Wasserstoff keine Energiequelle ist: Das Gas (chemisch: H2)
kann Energie allenfalls speichern und transportieren. Erst wenn
es in großem Maßstab mit Hilfe von Wind-, Gezeiten-
oder Sonnenkraft gewonnen wird, ließe sich von umweltfreundlicher
Energie sprechen. Zur Nutzung muss der reine Wasserstoff erst
aufwendig aus anderen Verbindungen herausgelöst werden. Die
dafür nötige Energie ist anschließend zum Teil
im H2-Gas gespeichert. An anderer Stelle wird es mit Sauerstoff
wieder zu Wasser verbrannt und setzt dabei die in ihm gespeicherte
Energie wieder frei.
Wasser-, Wind und Sonnenkraft
sind einige der stets erneuerbaren Energien, die sich im Wasserstoff
speichern lassen. Die Wasserstofftechnik ist damit stets nur so
umweltfreundlich wie die Energie, die zu seiner Gewinnung und
seinem Transport diente. Die Rückwandlung vom Gas zum Strom
übernehmen Brennstoffzellen, an deren Membranen H2 kontrolliert
mit dem Sauerstoff der Luft zu Wasser reagiert und dabei Energie
frei setzt.

© dpa
Die Solarkollektoren
eines "Wasserstoff-Projektes" auf dem ehemaligen
Sickerfeld der Kläranlage im vorpommerschen Barth
"schauen" vor ihrer endgültigen Justierung
im November 2002 noch in den Himmel. Die zweiachsig nachgeführten
Kollektoren mit einer Gesamtfläche von 898,5 Quadratmetern
sollen den Strom zur Aufspaltung von Wasser in Wasserstoff
und Sauerstoff liefern. Das in Mecklenburg-Vorpommern
bislang einzigartige Projekt soll für den Wasserstoff
zum Antrieb eines mit Brennstoffzellen betriebenen Busses
sorgen, der anfallende Sauerstoff wird zur Intensivierung
der Klärung genutzt.
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Technisch wäre es bereits
heute möglich, den Energiebedarf weltweit umweltfreundlich
mit Wasserstoff zu decken, meint Professor Jochen Lehmann von
der Fachhochschule Stralsund. Solange fossile Energieträger
allerdings noch kostengünstig und in großen Mengen
verfügbar seien, sei es schwierig, die Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technik
durchzusetzen.
In kleinem Maßstab hat
der Industriegaskonzern Linde (Wiesbaden) damit begonnen. Das
Unternehmen verflüssigt Wasserstoff für die öffentliche
H2-Tankstelle am Münchner Flughafen, eine von vier in Deutschland.
«Der Preis liegt bei 55 Cent je Liter», sagt Unternehmenssprecher
Stefan Metz. Da Wasserstoff aber nur rund ein Viertel des Energiegehaltes
von Benzin enthalte, steige dieser Preis tatsächlich aufs
Doppelte von Benzin.
Der Startschuss für den
weltweit ersten Großflottentest mit Brennstoffzellen-Bussen
fiel im Mai in Madrid. Bis zum Jahresende sollen 30 emissionsfreie
Busse in zehn europäischen Großstädten verkehren.
Die EU unterstützt das auf zwei Jahre angelegte Projekt «Cute»
(Sauberer Stadtverkehr für Europa) mit 21 Millionen Euro.
Thomas Weber, Vorstandsmitglied der DaimlerChrysler AG sagte,
ohne eine nennenswerte Erhöhung der Stückzahlen auf
eine sechsstellige Zahl allein bei seinem Unternehmen könne
kein attraktiver Preis erzielt werden. Laut DaimlerChrysler sind
die im Cute-Projekt eingesetzten Brennstoffzellen-Busse Mercedes-Benz
Citaro mit einem Stückpreis von 1,25 Millionen Euro fünf
Mal teurer als herkömmliche Stadtbusse.
Der Heizungsbauer Vaillant testet
etwa 30 größere Brennstoffzellen-Anlagen in Sechs-
bis Zehnfamilienhäusern. Sie liefern Strom und Wärme
aus Erdgas, dem der Wasserstoff entrissen wird. So will die Firma
eine dezentrale Energieversorgung möglich machen. Es werde
aber noch etliche Generationen dauern, bis Wasserstoff zu einer
praktikablen Alternative werde, berichtet Firmensprecher Stefan
Jakubik.
Große Visionen rings um
das Gas gibt es zuhauf. Bereits Jules Verne schrieb 1874 in seinem
Roman «Die geheimnisvolle Insel», dass Wasserstoff
und Sauerstoff einst zur unerschöpflichen Quelle von Wärme
und Licht werden würden. Andere möchten Solarenergie
in der Sahara gewinnen, um damit Meerwasser zu spalten und den
Wasserstoff mit Pipelines ins energiehungrige Europa zu leiten.
Doch auch in Deutschland gebe
es Wind-, Wasser- und Sonnenkraft, um Energie zur Wasserstoffgewinnung
zu schaffen, sagt hingegen Ulrich Schmidtchen, Vorstandsmitglied
des Deutschen Wasserstoff-Verbandes (DWV). Unter dessen 46 Firmenmitgliedern
sind Opel, BWM, DaimlerChrysler, Mannesmann und die Zürich
Agrippina Versicherung AG. Kommerziell erhältlich sind laut
Schmidtchen in Deutschland derzeit schon einige koffergroße
Brennstoffzellen zur Versorgung von Laptops oder Campern.
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