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- 01.08.2003 -

 

 

 

 

 


 

Japan setzt aufs Sonnenfeuer: Bewerbung um Kernfusionsreaktor ITER

Während die deutsche Regierung die Bewerbung um den Bau des geplanten internationalen Kernfusions-Testreaktors ablehnte, ist Japan umso eifriger um den Zuschlag für ITER bemüht.

Von Lars Nicolaysen, dpa

Rokkasho (dpa) - Toshihide Tsunematsu zeigt mit der Hand in die Ferne. «Stellen Sie sich vor, dort drüben befindet sich das Gebäude mit der Reaktionskammer, da hinten die Kühlwassertürme.» Wo sich derzeit unter dem Himmel der nordjapanischen Gemeinde Rokkasho noch grüne Wiesen und Bäume im Wind wiegen, erstreckt sich in der Vorstellung des japanischen Atom-Wissenschaftlers schon bald das Gelände für eines der größten und ehrgeizigsten Forschungsprojekte der Welt: den geplanten internationalen Kernfusions-Testreaktor ITER.

Während die deutsche Regierung die Bewerbung um den Bau des Testreaktors ablehnte und die Grünen gar auf den Rückzug Deutschlands aus der milliardenschweren Kernfusions-Forschung drängen, ist Japan umso eifriger um den Zuschlag für ITER bemüht. «Für uns als rohstoffarmes Land hat das Projekt allerhöchste Bedeutung», sagt Satoru Ohtake, Direktor für Fusionsenergie in Japans Wissenschafts- und Technologieministerium.

 


© dpa

Detail des japanischen Kernfusion-Forschungszentrums Naka in der Provinz Ibaraki

 

Bei der Kernfusion wird nach dem Vorbild der Sonne Wasserstoff zu Helium verschmolzen. Bei der Fusion von einem Gramm Wasserstoff werde so viel Energie frei wie bei der Verbrennung von acht Tonnen Erdöl, erläutert Ohtake. Damit ist die Ausbeute rund vier mal so hoch wie bei der Spaltung von Urankernen in herkömmlichen Kernkraftwerken. Das Sonnenfeuer zündet allerdings erst bei einer Temperatur von mehreren hundert Millionen Grad Celsius. ITER (Internationaler Thermonuklearer Experimental-Reaktor) soll als erster Fusionsreaktor netto Energie liefern, also - zumindest kurzzeitig - mehr Leistung freisetzen als hineingepumpt werden muss.

Bereits 1985 hatten die USA und die Sowjetunion eine Zusammenarbeit auf diesem Gebiet beschlossen. Heute sind die USA, Russland, Japan, die EU, China, Kanada und Südkorea an dem Projekt beteiligt. Um den ITER-Standort konkurrieren Kanada, Frankreich, Spanien und Japan. Nachdem eine Entscheidung zwei Mal verschoben wurde, soll sie nun zum Ende dieses Jahres fallen.

Insgesamt werden die Kosten für das ITER-Projekt auf umgerechnet 10 Milliarden Euro veranschlagt. Davon entfallen auf den zehn Jahre dauernden Bau laut Ohtake rund 500 Milliarden Yen (4 Milliarden Euro). Sollte Japan den Zuschlag erhalten, müsste das Land ein Viertel der Baukosten tragen, den Rest teilen sich die Partner. Die auf rund 20 Jahre angelegte Betriebsdauer für den Testreaktor verschlingt noch einmal 4,5 Milliarden Euro, zuzüglich der Entwicklungs- und Nebenkosten. Ein erstes Kraftwerk sei dann hoffentlich in 25 bis 35 Jahren zu realisieren, erklärt Ohtake.

Japan rechnet sich gute Chancen aus, den Zuschlag zum Bau von ITER zu bekommen. Das dafür vorgesehene Gelände in Rokkasho in der nördlichen Provinz Aomori biete von der Logistik bis zur Versorgung mit Strom und Kühlwasser beste Voraussetzungen, sagt Toshihide Tsunematsu, für ITER mit zuständiger Direktor am Fusionsforschungsinstitut Naka. Der Bürgermeister des von idyllischer Natur umgebenen Rokkasho, Kenji Furukawa, frohlockt bereits und will sein Dorf zu einem «dynamischen» Standort für internationale Forschung und Entwicklung machen. Derzeit befindet sich dort eine umstrittene Wiederaufbereitungsanlage für Atombrennstäbe im Bau.

Auch in anderer Hinsicht bietet Japan gute Bedingungen für das ITER-Projekt. Anders als Deutschland setzt die zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt wesentlich mehr Hoffnungen in die Kerntechnik. Japan verfügt über 52 Atommeiler, die ein Drittel des Stroms liefern. Ein Skandal um die Vertuschung von Reparaturen in Meilern des größten Atombetreibers des Landes, TEPCO, sowie der schwerste Atomunfall in der Geschichte Japans in einer Uranverarbeitungsanlage in Tokaimura mit zwei Toten 1999 haben jedoch das Vertrauen der Bevölkerung in die Sicherheit der atomaren Anlagen des Landes schwer erschüttert.

Eine Alternative soll in Zukunft die Kernfusion bieten. «Fusionsenergie ist eine umweltfreundliche Energiequelle des 21. Jahrhunderts», zeigt sich Ohtake überzeugt. Außerdem sei sie deutlich sicherer als die Kernspaltung. Zwar falle auch dabei schwach radioaktiver Müll an, der jedoch leicht zu beseitigen sei. In Rokkasho lagert bereits schwach strahlender Müll - versiegelt und vergraben in der grünen Natur.

 

 Mehr Informationen:

ITER

Max-Planck-Institut für Plasmaphysik

Programm Kernfusion des FZ Karlsruhe

 

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