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Schweiz: Gletscherschmelze wird zur Gefahr
für Bergsteiger
Die andauernde Hitze in diesem
Sommmer sowie der Klimawandel bringen die Umwelt im Schweizer
Hochgebirge gehörig durcheinander. Die Gefahr für Mensch
und Umwelt wächst.
Von Sabine Dobel, dpa
Genf (dpa) - Steinschlag, Eislawinen,
rutschende Geröllmassen - die andauernde Hitze bringt die
Umwelt im Hochgebirge gehörig durcheinander. Das bedeutet
auch für Bergsteiger neue Gefahren. Felswände, die von
ewigem Eis bisher gehalten wurden, werden plötzlich instabil.
Gletscher, die firnbedeckt gut begehbar sind, zeigen blankes Eis.
«Wir haben fast jeden Tag Unfälle, das sind oft auch
Alpinisten, die im Gehen mit Steigeisen nicht so geübt sind»,
resümiert der Präsident des Schweizer Bergführerverbandes,
Toni Fux.
Rund 30 Tote hat es nach Angaben
des Bergführerpräsidenten in diesem Jahr in den Schweizer
Bergen schon gegeben - das seien doppelt so viele wie in der Saison
des vergangenen Jahres. Gemäß Zählung der Schweizer
Nachrichtenagentur sda sind seit Jahresbeginn in der Schweiz und
Liechtenstein beim Bergsteigen und Bergwandern sogar schon 50
Menschen ums Leben gekommen. Allein am Dienstag starben drei Liebhaber
der Bewegung in freier Natur: Zwei Bergsteiger aus Japan stürzten
am Weisshorn im Schweizer Kanton Wallis in den Tod, ein 73- jähriger
Wanderer starb in Grindelwald im Kanton Bern.
Allerdings spielt bei den hohen
Opferzahlen auch das außergewöhnlich schöne Wetter
eine Rolle, das besonders viele Bergsteiger auf die Gipfel lockt.
Fux: «Letztes Jahr waren einfach weniger Leute in den Bergen.»
Vor zwei Wochen brachen vom Matterhorn
in 3400 Meter Höhe Felsen ab. Dutzende Bergsteiger mussten
vorsorglich aus der Abbruchgegend zum Teil mit Hubschraubern geborgen
werden. Erstmals seit der Erstbesteigung vor knapp 140 Jahren
wurde der 4478 Meter hohe Berg gesperrt. Am Oberen Grindelwaldgletscher
stürzte abgebrochenes Eis in den Fluss Lütschine, wo
es Flutwellen auslöste.

© ArtToday
Blick auf
die Bergwelt der Schweizer Alpen bei Zermatt: Umweltexperten
sind beunruhigt.
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Die Ereignisse beunruhigen die
Umweltexperten. Die so genannte Permafrostzone, in der der Boden
ständig gefroren bleibt, verschiebt sich in immer größere
Höhen. «Man kann sagen, dass die Permafrostzone jetzt
schon deutlich höher liegt - mit der Wirkung, dass die Hänge
instabil werden», erläutert der stellvertretende Geschäftsführer
der Internationalen Alpenschutzkommission Cipra, Michel Revaz.
Die Forschung über Permafrost
ist noch sehr neu. Wissenschaftler haben aber in ersten Untersuchungen
herausgefunden, dass die Dauerfrostzone in einigen Gebieten um
100 Meter höher liegt als vor rund 30 Jahren. In der Schweiz
sind rund fünf Prozent der Landesfläche mit Permafrost
bedeckt - doppelt so viel wie mit Gletschern.
«Seit zehn Jahren ist klar,
dass es eine Klimaerwärmung gibt», sagt Revaz. Hinzu
kämen immer extremere Unwetter. «Wir haben zum Beispiel
sehr starke Niederschläge in sehr wenigen Stunden.»
Der Boden kann das Wasser nicht aufnehmen, weicht auf und geht
schließlich als Mure ab. Dies birgt nicht nur Gefahren für
Alpinisten, sondern auch für Ortschaften und Straßen.
Auch die Bauwerke, die in der
Zone des ewigen Frostes früher auf den seinerzeit eisharten
Boden gesetzt wurden, geraten ins Ungleichgewicht. Berghütten
und Pfeiler von Bergbahnen sacken Millimeter für Millimeter
in den weicher werdenden Boden.
Einige Eis- und Gletscherforscher
sehen in weiterer Zukunft auch Trinkwasserprobleme auf Orte in
den Tälern zukommen. «Ein erheblicher Teil des Trinkwassers
aus den Alpen hängt direkt von den Gletschern ab»,
warnt Revaz. «Sie sind eine Reserve für die Trockensaison
und spielen deswegen nicht nur für die Alpen, sondern auch
für viele andere Europäer eine wichtige Rolle.»
Auch für die Winter befürchten Umweltexperten mit dem
Klimawandel neue Probleme. Zwar ist nicht unbedingt mehr Schnee
zu erwarten. Die Winter scheinen sich jedoch mehr ins Frühjahr
hinein zu verschieben. Das bedeutet mehr Nass- Schnee und damit
mehr Lawinen.
Hochwasser und Muren im Herbst
sowie im Frühjahr, Steinschlag und Felsstürze im Sommer,
Lawinen im Winter - doch gerade Einheimische in den gefährdeten
Zonen äußern sich gelassen: «Bei uns gibt es
keine Gefahr», hört man oft. «Das alles hat es
immer schon gegeben.»
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