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- 31.07.2003 -

 

 

 

 

 

 

 


 

Schweiz: Gletscherschmelze wird zur Gefahr für Bergsteiger

Die andauernde Hitze in diesem Sommmer sowie der Klimawandel bringen die Umwelt im Schweizer Hochgebirge gehörig durcheinander. Die Gefahr für Mensch und Umwelt wächst.

Von Sabine Dobel, dpa

Genf (dpa) - Steinschlag, Eislawinen, rutschende Geröllmassen - die andauernde Hitze bringt die Umwelt im Hochgebirge gehörig durcheinander. Das bedeutet auch für Bergsteiger neue Gefahren. Felswände, die von ewigem Eis bisher gehalten wurden, werden plötzlich instabil. Gletscher, die firnbedeckt gut begehbar sind, zeigen blankes Eis. «Wir haben fast jeden Tag Unfälle, das sind oft auch Alpinisten, die im Gehen mit Steigeisen nicht so geübt sind», resümiert der Präsident des Schweizer Bergführerverbandes, Toni Fux.

Rund 30 Tote hat es nach Angaben des Bergführerpräsidenten in diesem Jahr in den Schweizer Bergen schon gegeben - das seien doppelt so viele wie in der Saison des vergangenen Jahres. Gemäß Zählung der Schweizer Nachrichtenagentur sda sind seit Jahresbeginn in der Schweiz und Liechtenstein beim Bergsteigen und Bergwandern sogar schon 50 Menschen ums Leben gekommen. Allein am Dienstag starben drei Liebhaber der Bewegung in freier Natur: Zwei Bergsteiger aus Japan stürzten am Weisshorn im Schweizer Kanton Wallis in den Tod, ein 73- jähriger Wanderer starb in Grindelwald im Kanton Bern.

Allerdings spielt bei den hohen Opferzahlen auch das außergewöhnlich schöne Wetter eine Rolle, das besonders viele Bergsteiger auf die Gipfel lockt. Fux: «Letztes Jahr waren einfach weniger Leute in den Bergen.»

Vor zwei Wochen brachen vom Matterhorn in 3400 Meter Höhe Felsen ab. Dutzende Bergsteiger mussten vorsorglich aus der Abbruchgegend zum Teil mit Hubschraubern geborgen werden. Erstmals seit der Erstbesteigung vor knapp 140 Jahren wurde der 4478 Meter hohe Berg gesperrt. Am Oberen Grindelwaldgletscher stürzte abgebrochenes Eis in den Fluss Lütschine, wo es Flutwellen auslöste.

 


© ArtToday

Blick auf die Bergwelt der Schweizer Alpen bei Zermatt: Umweltexperten sind beunruhigt.

 

Die Ereignisse beunruhigen die Umweltexperten. Die so genannte Permafrostzone, in der der Boden ständig gefroren bleibt, verschiebt sich in immer größere Höhen. «Man kann sagen, dass die Permafrostzone jetzt schon deutlich höher liegt - mit der Wirkung, dass die Hänge instabil werden», erläutert der stellvertretende Geschäftsführer der Internationalen Alpenschutzkommission Cipra, Michel Revaz.

Die Forschung über Permafrost ist noch sehr neu. Wissenschaftler haben aber in ersten Untersuchungen herausgefunden, dass die Dauerfrostzone in einigen Gebieten um 100 Meter höher liegt als vor rund 30 Jahren. In der Schweiz sind rund fünf Prozent der Landesfläche mit Permafrost bedeckt - doppelt so viel wie mit Gletschern.

«Seit zehn Jahren ist klar, dass es eine Klimaerwärmung gibt», sagt Revaz. Hinzu kämen immer extremere Unwetter. «Wir haben zum Beispiel sehr starke Niederschläge in sehr wenigen Stunden.» Der Boden kann das Wasser nicht aufnehmen, weicht auf und geht schließlich als Mure ab. Dies birgt nicht nur Gefahren für Alpinisten, sondern auch für Ortschaften und Straßen.

Auch die Bauwerke, die in der Zone des ewigen Frostes früher auf den seinerzeit eisharten Boden gesetzt wurden, geraten ins Ungleichgewicht. Berghütten und Pfeiler von Bergbahnen sacken Millimeter für Millimeter in den weicher werdenden Boden.

Einige Eis- und Gletscherforscher sehen in weiterer Zukunft auch Trinkwasserprobleme auf Orte in den Tälern zukommen. «Ein erheblicher Teil des Trinkwassers aus den Alpen hängt direkt von den Gletschern ab», warnt Revaz. «Sie sind eine Reserve für die Trockensaison und spielen deswegen nicht nur für die Alpen, sondern auch für viele andere Europäer eine wichtige Rolle.» Auch für die Winter befürchten Umweltexperten mit dem Klimawandel neue Probleme. Zwar ist nicht unbedingt mehr Schnee zu erwarten. Die Winter scheinen sich jedoch mehr ins Frühjahr hinein zu verschieben. Das bedeutet mehr Nass- Schnee und damit mehr Lawinen.

Hochwasser und Muren im Herbst sowie im Frühjahr, Steinschlag und Felsstürze im Sommer, Lawinen im Winter - doch gerade Einheimische in den gefährdeten Zonen äußern sich gelassen: «Bei uns gibt es keine Gefahr», hört man oft. «Das alles hat es immer schon gegeben.»

 

 Mehr Informationen:

Das Gletscherarchiv

MPI für Meteorologie: Schmelzen die Gletscher und die Polkappen?

vista verde: Klima

 

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