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- 29.07.2003 -

 

 

 

 

 


 

Knochen: Beim Wachstum gilt "Form Follows Function"

Bislang ging man davon aus, dass die Knochenform genetisch vorgegeben ist. Doch offenbar könnten Knochen auch "nach Bedarf" wachsen.

(jkm) - Die Form von Knochen und Muschel- oder Schneckenschalen ist erstaunlich gut an die mechanischen Anforderungen angepasst. Darmstädter und Bochumer Forscher haben nun ermittelt, dass diese Anpassung weniger stark durch die Gene bestimmt sein könnte, als bislang angenommen. Die Form der Stützelemente ergibt sich demnach praktisch von selbst, wenn sie nur dort wachsen, wo sie auch beansprucht werden.

Knochen sind mechanische Meisterwerke, die mit einem Minimum an Materialaufwand enorme Stabilität erreichen. Die Mediziner, Biologen und Maschinenbauer um Torsten Rossmann von der Technischen Universität Darmstadt und Ulrich Witzel von der Ruhr-Universität Bochum untersuchten nun, ob die ausgefeilten Strukturen auch als bloße Reaktion auf Belastungen ihre endgültige Form finden könnten.

Die Forscher begannen mit Computermodellen, in denen Skelettelemente durch viele kleine "Bausteine" dargestellt wurden. Diese so genannte Finite-Elemente-Methode ist im Maschinenbau weit verbreitet. Geleitet durch wenige Grundannahmen über Lagerung und Krafteinleitung suchten sie dann, die bestmögliche Form zu finden. Tatsächlich wiesen die im Rechner gewachsenen Knochen verblüffende Ähnlichkeit mit ihren realen Pendants auf. So ließen sich etwa die Form der menschlichen Nase, der Überaugenwulst des Neandertalers oder die lange Schnauze des Krokodils auf der Basis mechanischer Zwänge und der Reaktion durch Anlagerung weiteren Knochenmaterials erzeugen.

Rossmann, Witzel und ihre Kollegen sehen damit das "wissenschaftliche Credo, dass die Form etwa eines Schädels oder einer Muschelschale rein genetisch determiniert ist, in Frage gestellt." Ihrer Ansicht nach könnten weitere Untersuchungen Vorhersagen über die Entstehung natürlicher Strukturen erlauben, beispielsweise im Falle ausgestorbener Tiere, deren Weichteile nicht im Fossilienmaterial erhalten geblieben sind. Zudem könnten die Ergebnisse bei der naturnahen Gestaltung von Prothesen Anwendung finden.

 

 Mehr Informationen:

Biotechnik-Zentrum, Darmstadt

Knochen beim Menschen

 

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