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Soziale Kontakte:
Jazz-Musiker und Delfine sind eifrige
Netzwerker
Jazz-Musiker und Delfine haben
etwas gemeinsam: Sie knüpfen enge Netzwerke zu Ihresgleichen.
(jkm) - In der Jazz-Szene war
in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts jeder US-amerikanische
Musiker über genau 2,79 Kontakte mit jedem anderen Jazzer
verbunden. Das geht aus der Auswertung des umfangreichen "Red
Hot Jazz Archivs" hervor. Delfine pflegen vergleichbare soziale
Netze weltweit. Bei ihnen liegen zwischen zwei beliebigen Tieren
im Schnitt fünf Kontakte, sagt ein britischer Biologe.
Über 1.000 Musiker sind im
"Red Hot Jazz Archiv" verzeichnet. Zwischen 1912 und
1940 spielten diese Musiker in insgesamt 198 verschiedenen Bands.
Pablo Gleiser und Leon Danon von der Universität Barcelona
haben die Strukturen der Szene jetzt rekonstruiert. In einem noch
unveröffentlichten Beitrag für die Fachzeitschrift "Condensed
Matter" weisen die Forscher den Mitgliedern der Gemeinschaft
erstaunlich enge Beziehungen nach. Im Schnitt benötigte demnach
jeder Jazzer nur 2,79 Kontakte, um jeden beliebigen Berufskollegen
zu erreichen, berichtet die Online-Ausgabe von "Nature".
Besonders kontaktfreudig zeigte sich Blind Willie Dunn, der zu
Lebzeiten mit 415 Kollegen spielte, obwohl er nur 30 Jahre alt
wurde.
In der Regel ist das menschliche
Netzwerk weniger eng verzweigt. In seinem 1990 veröffentlichten
Theaterstück "Six Degrees of Separation" behauptet
der Autor John Guare, wir Menschen seien mit jedem beliebigen
anderen Menschen auf der Welt über nur sechs Kontakte in
Beziehung zu setzen. Mit diesem Stück hat er den Netzwerk-Gedanken
populär gemacht und Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen
zu Experimenten inspiriert. Die Idee geht allerdings auf den Psychologen
Stanley Milgram zurück, der bereits im Jahr 1967 das vermutete
soziale Netzwerk auf die Probe stellte.
Milgram schickte zufällig
ausgewählten Personen Pakete und bat sie mit recht ungenauen
Angaben, die Sendungen an einen Börsenmakler weiterzuleiten.
Die Angeschriebenen kannten den Makler nicht persönlich;
sie sollten die Pakete auch nur an weitere Personen übergeben,
die ihrerseits dem Ziel näher stehen könnten. Tatsächlich
erreichten einige der Pakete ihr Ziel und hatten für ihre
Reise durchschnittlich sechs Boten benötigt. Seitdem stellten
zahlreiche Forscher vergleichbare Versuche an, die nahe legen,
dass sechs Kontakte die Basis von jedem losen menschlichen Netzwerk
sein könnten.
Damit wären Menschen weniger
kommunikativ als Delfine, die für ihr Netz nur fünf
Kontakte benötigen. Dies schreibt David Lusseau von der Universität
Aberdeen in einer Online-Veröffentlichung der "Proceedings
of the Royal Society Series B". Lusseau hatte sieben Jahre
lang 60 Delfine vor der Küste Neuseelands beobachtet. Die
Tiere erwiesen sich als sehr kontaktfreudig und damit extrem stark
vernetzt, nur selten fiel ein Delfin als Außenseiter auf.
Der rege Austausch kommt der Gemeinschaft zugute, meint Lusseau,
selbst den Wegfall eines Drittels seiner Mitglieder könne
ein solches Netzwerk unbeschadet überstehen.
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