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- 28.07.2003 -

 

 

 

 

 

 

 


 

Soziale Kontakte:

Jazz-Musiker und Delfine sind eifrige Netzwerker

Jazz-Musiker und Delfine haben etwas gemeinsam: Sie knüpfen enge Netzwerke zu Ihresgleichen.

(jkm) - In der Jazz-Szene war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts jeder US-amerikanische Musiker über genau 2,79 Kontakte mit jedem anderen Jazzer verbunden. Das geht aus der Auswertung des umfangreichen "Red Hot Jazz Archivs" hervor. Delfine pflegen vergleichbare soziale Netze weltweit. Bei ihnen liegen zwischen zwei beliebigen Tieren im Schnitt fünf Kontakte, sagt ein britischer Biologe.

Über 1.000 Musiker sind im "Red Hot Jazz Archiv" verzeichnet. Zwischen 1912 und 1940 spielten diese Musiker in insgesamt 198 verschiedenen Bands. Pablo Gleiser und Leon Danon von der Universität Barcelona haben die Strukturen der Szene jetzt rekonstruiert. In einem noch unveröffentlichten Beitrag für die Fachzeitschrift "Condensed Matter" weisen die Forscher den Mitgliedern der Gemeinschaft erstaunlich enge Beziehungen nach. Im Schnitt benötigte demnach jeder Jazzer nur 2,79 Kontakte, um jeden beliebigen Berufskollegen zu erreichen, berichtet die Online-Ausgabe von "Nature". Besonders kontaktfreudig zeigte sich Blind Willie Dunn, der zu Lebzeiten mit 415 Kollegen spielte, obwohl er nur 30 Jahre alt wurde.

In der Regel ist das menschliche Netzwerk weniger eng verzweigt. In seinem 1990 veröffentlichten Theaterstück "Six Degrees of Separation" behauptet der Autor John Guare, wir Menschen seien mit jedem beliebigen anderen Menschen auf der Welt über nur sechs Kontakte in Beziehung zu setzen. Mit diesem Stück hat er den Netzwerk-Gedanken populär gemacht und Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen zu Experimenten inspiriert. Die Idee geht allerdings auf den Psychologen Stanley Milgram zurück, der bereits im Jahr 1967 das vermutete soziale Netzwerk auf die Probe stellte.

Milgram schickte zufällig ausgewählten Personen Pakete und bat sie mit recht ungenauen Angaben, die Sendungen an einen Börsenmakler weiterzuleiten. Die Angeschriebenen kannten den Makler nicht persönlich; sie sollten die Pakete auch nur an weitere Personen übergeben, die ihrerseits dem Ziel näher stehen könnten. Tatsächlich erreichten einige der Pakete ihr Ziel und hatten für ihre Reise durchschnittlich sechs Boten benötigt. Seitdem stellten zahlreiche Forscher vergleichbare Versuche an, die nahe legen, dass sechs Kontakte die Basis von jedem losen menschlichen Netzwerk sein könnten.

Damit wären Menschen weniger kommunikativ als Delfine, die für ihr Netz nur fünf Kontakte benötigen. Dies schreibt David Lusseau von der Universität Aberdeen in einer Online-Veröffentlichung der "Proceedings of the Royal Society Series B". Lusseau hatte sieben Jahre lang 60 Delfine vor der Küste Neuseelands beobachtet. Die Tiere erwiesen sich als sehr kontaktfreudig und damit extrem stark vernetzt, nur selten fiel ein Delfin als Außenseiter auf. Der rege Austausch kommt der Gemeinschaft zugute, meint Lusseau, selbst den Wegfall eines Drittels seiner Mitglieder könne ein solches Netzwerk unbeschadet überstehen.

 


© ArtToday

Jazz-Musiker: eifrige Netzwerker

 

 Mehr Informationen:

nature science update

The Red Hot Jazz Archive

Experiment der ZEIT

Zahnwale

 

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