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- 08.07.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Kampf dem Fett bei Kindern: Künast will cooles Image für Kohlrabi

Jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche in Deutschland sind zu dick. Mit einer groß angelegten Kampagne will Verbraucherministerin Künast dem Übergewicht der Jugend verstärkt zu Leibe rücken.

Von Nadine Schwede, dpa

Berlin (dpa) - Der Blick ist gebannt auf den Computer- oder Fernsehbildschirm gerichtet, die Hand findet automatisch ihren Weg. Sie pendelt gekonnt zwischen Chipstüte und Mund hin und her. Das Problem ist schier erdrückend: Jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche in Deutschland sind zu dick. Zu wenig Bewegung, zu fettes und süßes Essen - Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne) will der Fettleibigkeit beim deutschen Nachwuchs nun verstärkt zu Leibe rücken.

In einer groß angelegten Kampagne, die am Dienstag mit dem Kongress «Kinder und Ernährung» in Berlin gestartet wurde, sollen Eltern, Lehrer, Lebensmittelhersteller und Wissenschaftler an einem Tisch zusammenkommen. Ihr Ziel: Verhindern, dass aus dicken Kindern dicke Erwachsene werden, die dem Gesundheitswesen hohe Kosten aufbürden. Denn Übergewichtige haben oft Gesundheitsschwächen: Die Gelenke und Diabetes machen vielen dicken Menschen zu schaffen. Herz- Kreislauf-Probleme erhöhen das Risiko für einen Schlaganfall.

Künast will eine «neue Esskultur» etablieren. Dabei soll der Nachwuchs lernen, dass gesundes Essen nicht am Kiosk in kleinen bunten Riegeln zu kaufen ist. Viele Kinder wissen nach den Worten Künasts nicht einmal mehr, wie sie sich eine Möhre schälen oder ein Brot schmieren sollen. «Sie wissen, wie Dampfmaschinen funktionieren, aber nicht was ihr Körper dringend braucht», sagte die Ministerin.

Das dürfte den Vorsitzenden der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Berthold Koletzko, wenig wundern. Nach seinen Worten geben die Verbraucher für die schnelle Pizza und das eingeschweißte Sandwich immer mehr Geld aus.

Künast erwartet jetzt auch von der Lebensmittelwirtschaft und der Werbebranche Lösungen für die Probleme mit dem Fett. «Viele Kinderlebensmittel sind eigentlich Kindersüßigkeiten», sagte sie. Der Nachwuchs will den Kinderjoghurt, -kekse und -getränke wegen der bunten Verpackung haben, die Eltern dagegen lassen sich von den Hinweisen auf Zusatzstoffe wie Vitamine oder Mineralien zum Kauf verleiten. Dabei könnten die Kinder ohne Probleme auch das normale Essen für Erwachsene bestens vertragen. «Es wäre doch mal eine Herausforderung, der rohen Möhre oder dem Kohlrabi ein richtig cooles Image zu verpassen», forderte Künast die Werbetreibenden auf.

Trotz aller Notwendigkeiten für eine gesündere Ernährung ist aber auch mangelnde Bewegung ein wichtiger Grund für Übergewicht bei Kindern. Anstatt auf Bäume zu klettern oder auf dem Spiel- und Sportplatz zu toben, hocken viele nur noch vorm Computer oder Fernseher. In den vergangenen 25 Jahren sei die Bewegung im Alltag immer weniger geworden, sagte etwa Helmut Heseker von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Im Sportunterricht muss es seiner Meinung nach mehr Angebote geben, bei denen auch die dickeren Kinder Erfolgserlebnisse hätten. «Oft sitzen doch die dicken Kinder auf der Bank, weil sie den Umschwung am Reck sowieso nicht hinkriegen.» Im Kampf gegen das Fett empfiehlt Heseker den Kindern Radfahren und Rudern. Das seien gute Sportarten, die Kraft und Ausdauer stärkten.

 


© ArtToday

Jedes fünfte Kind in Deutschland ist zu dick.


 Mehr Informationen:

Verbraucherministerium

Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin

 

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