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Kampf dem Fett bei Kindern: Künast
will cooles Image für Kohlrabi
Jedes fünfte Kind und
jeder dritte Jugendliche in Deutschland sind zu dick. Mit einer
groß angelegten Kampagne will Verbraucherministerin Künast
dem Übergewicht der Jugend verstärkt zu Leibe rücken.
Von Nadine Schwede, dpa
Berlin (dpa) - Der Blick ist
gebannt auf den Computer- oder Fernsehbildschirm gerichtet, die
Hand findet automatisch ihren Weg. Sie pendelt gekonnt zwischen
Chipstüte und Mund hin und her. Das Problem ist schier erdrückend:
Jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche in Deutschland
sind zu dick. Zu wenig Bewegung, zu fettes und süßes
Essen - Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne)
will der Fettleibigkeit beim deutschen Nachwuchs nun verstärkt
zu Leibe rücken.
In einer groß angelegten
Kampagne, die am Dienstag mit dem Kongress «Kinder und Ernährung»
in Berlin gestartet wurde, sollen Eltern, Lehrer, Lebensmittelhersteller
und Wissenschaftler an einem Tisch zusammenkommen. Ihr Ziel: Verhindern,
dass aus dicken Kindern dicke Erwachsene werden, die dem Gesundheitswesen
hohe Kosten aufbürden. Denn Übergewichtige haben oft
Gesundheitsschwächen: Die Gelenke und Diabetes machen vielen
dicken Menschen zu schaffen. Herz- Kreislauf-Probleme erhöhen
das Risiko für einen Schlaganfall.
Künast will eine «neue
Esskultur» etablieren. Dabei soll der Nachwuchs lernen,
dass gesundes Essen nicht am Kiosk in kleinen bunten Riegeln zu
kaufen ist. Viele Kinder wissen nach den Worten Künasts nicht
einmal mehr, wie sie sich eine Möhre schälen oder ein
Brot schmieren sollen. «Sie wissen, wie Dampfmaschinen funktionieren,
aber nicht was ihr Körper dringend braucht», sagte
die Ministerin.
Das dürfte den Vorsitzenden
der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für
Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Berthold Koletzko, wenig wundern.
Nach seinen Worten geben die Verbraucher für die schnelle
Pizza und das eingeschweißte Sandwich immer mehr Geld aus.
Künast erwartet jetzt auch
von der Lebensmittelwirtschaft und der Werbebranche Lösungen
für die Probleme mit dem Fett. «Viele Kinderlebensmittel
sind eigentlich Kindersüßigkeiten», sagte sie.
Der Nachwuchs will den Kinderjoghurt, -kekse und -getränke
wegen der bunten Verpackung haben, die Eltern dagegen lassen sich
von den Hinweisen auf Zusatzstoffe wie Vitamine oder Mineralien
zum Kauf verleiten. Dabei könnten die Kinder ohne Probleme
auch das normale Essen für Erwachsene bestens vertragen.
«Es wäre doch mal eine Herausforderung, der rohen Möhre
oder dem Kohlrabi ein richtig cooles Image zu verpassen»,
forderte Künast die Werbetreibenden auf.
Trotz aller Notwendigkeiten für
eine gesündere Ernährung ist aber auch mangelnde Bewegung
ein wichtiger Grund für Übergewicht bei Kindern. Anstatt
auf Bäume zu klettern oder auf dem Spiel- und Sportplatz
zu toben, hocken viele nur noch vorm Computer oder Fernseher.
In den vergangenen 25 Jahren sei die Bewegung im Alltag immer
weniger geworden, sagte etwa Helmut Heseker von der Deutschen
Gesellschaft für Ernährung.
Im Sportunterricht muss es seiner
Meinung nach mehr Angebote geben, bei denen auch die dickeren
Kinder Erfolgserlebnisse hätten. «Oft sitzen doch die
dicken Kinder auf der Bank, weil sie den Umschwung am Reck sowieso
nicht hinkriegen.» Im Kampf gegen das Fett empfiehlt Heseker
den Kindern Radfahren und Rudern. Das seien gute Sportarten, die
Kraft und Ausdauer stärkten.
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