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- 27.06.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Herzinfarkt: «Superpille» soll Risiko um 80 Prozent verringern

Britische Wissenschaftler haben die Idee für eine «Superpille» entwickelt, die das Herzinfarkt- oder Schlaganfall-Risiko um rund 80 Prozent verringern soll.

London/Dallas (dpa) - Der Vorschlag wurde von führenden Herzmedizinern jedoch heftig kritisiert. Professor Nicholas Wald und seine Kollegen vom Institut für Präventivmedizin an der Universität London schlagen im renommierten Fachblatt «British Medical Journal» (BMJ, Bd. 326, S. 1407) vor, sechs bereits vorhandene Arzneien in der «Polypille» zu kombinieren. Die Kombination aus Aspirin, Cholesterin- und Blutdrucksenkern sowie Folsäure sei kostengünstig und habe wenig Nebenwirkungen.

Walds Idee ist, dass alle Menschen ab einem Alter von 55 Jahren das Medikament täglich nehmen, egal ob sie Symptome von Herz- Kreislauf-Erkrankungen zeigen oder nicht. Nach Angaben der Forscher würde ein Drittel dieser Menschen davon profitieren. Die Pille solle unter 1,50 Euro pro Stück kosten, berichteten britische Medien am Freitag. Ein Patent sei beantragt. Jetzt müssten Studien zur Umsetzung des Plans und zu den Nebenwirkungen folgen.

Derselbe Effekt wie derjenige der «Polypille» könne auch auf natürlichem Wege erreicht werden, sagte Wald den Berichten zufolge. Etwa durch mehr Gemüse und Obst in Verbindung mit regelmäßigen Sport und dem Verzicht auf Zigaretten. «Aber die Lebens- und Ernährungsweise in unsere Gesellschaft zu ändern, ist einfach ein Ding der Unmöglichkeit.»

Das Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung, Prof. Helmut Gohlke vom Herz-Zentrum in Bad Krozingen, verwies auf die Nebenwirkungen der einzelnen Inhaltstoffe wie Blutungen im Magen- Darm-Bereich oder im Gehirn, allergische Reaktionen oder eine zu starke Blutdrucksenkung. «Wie sich die Kombination auswirkt, ist zudem ungewiss.» Auch müssten die theoretischen Berechnungen der britischen Forscher erst in Studien überprüft werden. Das Aufgeben des Rauchens hingegen reduziere das Herzinfarktrisiko nachweislich um die Hälfte.

Der Präsident der Amerikanischen Herzgesellschaft (AHA), Robert Bonow, warnte in Dallas vor einer «Massentherapie». Eine Pille für alle hieße, dass Risikokandidaten zu schwach behandelt würden und Menschen mit geringem Risiko für Herzprobleme unter deren Nebenwirkungen leiden könnten.

Franz Xaver Kleber, Direktor der Klinik für Innere Medizin des Unfallkrankenhauses Berlin-Marzahn, sagte: «Es wäre falsch anzunehmen, dass eine Kombination von Medikamenten das Erkrankungsrisiko kumulativ reduziert.» Auch er wandte sich gegen eine Gießkannenmedizin. «Wir haben begrenzte finanzielle Ressourcen und müssen schauen, Medikamente an die am meisten Bedürftigen auszugeben.» Die Volksgesundheit steige nicht durch das Verteilen von Pillen.

Vorbeuge-Pille zur Prävention von Prostatakrebs

Der Vorschlag der britischen Mediziner ist nicht die einzige aktuelle Idee für eine Vorbeuge-Pille: US-Forscher testeten den Wirkstoff Finasterid zur Prävention von Prostatakrebs bei Männern ab 55 Jahren. Ergebnis: Die Arznei kann das Risiko für Prostatakrebs um 25 Prozent senken. Die Studie des Forschernetzwerkes Southwest Oncology Group mit 19.000 Probanden wurde vom nationalen Krebsforschungsinstitut (NCI) der USA gefördert. Allerdings bekam eine geringe Anzahl der Männer, die Finasterid nahmen, einen relativ gefährlichen Prostatakrebs. Die Substanz wird bislang gegen Prostatavergrößerung eingesetzt und steckt in Propecia, der ersten Pille gegen die Glatze.

 


© ArtToday

Der Vorschlag sieht vor, sechs bereits vorhandene Arzneien in einer "Polypille" zu kombinieren.

 

 Mehr Informationen:

Deutsche Herzstiftung

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Mehr bewegen und die Fettaufnahme reduzieren

 

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