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Herzinfarkt: «Superpille»
soll Risiko um 80 Prozent verringern
Britische Wissenschaftler haben
die Idee für eine «Superpille» entwickelt, die
das Herzinfarkt- oder Schlaganfall-Risiko um rund 80 Prozent verringern
soll.
London/Dallas (dpa) - Der Vorschlag
wurde von führenden Herzmedizinern jedoch heftig kritisiert.
Professor Nicholas Wald und seine Kollegen vom Institut für
Präventivmedizin an der Universität London schlagen
im renommierten Fachblatt «British Medical Journal»
(BMJ, Bd. 326, S. 1407) vor, sechs bereits vorhandene Arzneien
in der «Polypille» zu kombinieren. Die Kombination
aus Aspirin, Cholesterin- und Blutdrucksenkern sowie Folsäure
sei kostengünstig und habe wenig Nebenwirkungen.
Walds Idee ist, dass alle Menschen
ab einem Alter von 55 Jahren das Medikament täglich nehmen,
egal ob sie Symptome von Herz- Kreislauf-Erkrankungen zeigen oder
nicht. Nach Angaben der Forscher würde ein Drittel dieser
Menschen davon profitieren. Die Pille solle unter 1,50 Euro pro
Stück kosten, berichteten britische Medien am Freitag. Ein
Patent sei beantragt. Jetzt müssten Studien zur Umsetzung
des Plans und zu den Nebenwirkungen folgen.
Derselbe Effekt wie derjenige
der «Polypille» könne auch auf natürlichem
Wege erreicht werden, sagte Wald den Berichten zufolge. Etwa durch
mehr Gemüse und Obst in Verbindung mit regelmäßigen
Sport und dem Verzicht auf Zigaretten. «Aber die Lebens-
und Ernährungsweise in unsere Gesellschaft zu ändern,
ist einfach ein Ding der Unmöglichkeit.»
Das Vorstandsmitglied der Deutschen
Herzstiftung, Prof. Helmut Gohlke vom Herz-Zentrum in Bad Krozingen,
verwies auf die Nebenwirkungen der einzelnen Inhaltstoffe wie
Blutungen im Magen- Darm-Bereich oder im Gehirn, allergische Reaktionen
oder eine zu starke Blutdrucksenkung. «Wie sich die Kombination
auswirkt, ist zudem ungewiss.» Auch müssten die theoretischen
Berechnungen der britischen Forscher erst in Studien überprüft
werden. Das Aufgeben des Rauchens hingegen reduziere das Herzinfarktrisiko
nachweislich um die Hälfte.
Der Präsident der Amerikanischen
Herzgesellschaft (AHA), Robert Bonow, warnte in Dallas vor einer
«Massentherapie». Eine Pille für alle hieße,
dass Risikokandidaten zu schwach behandelt würden und Menschen
mit geringem Risiko für Herzprobleme unter deren Nebenwirkungen
leiden könnten.
Franz Xaver Kleber, Direktor
der Klinik für Innere Medizin des Unfallkrankenhauses Berlin-Marzahn,
sagte: «Es wäre falsch anzunehmen, dass eine Kombination
von Medikamenten das Erkrankungsrisiko kumulativ reduziert.»
Auch er wandte sich gegen eine Gießkannenmedizin. «Wir
haben begrenzte finanzielle Ressourcen und müssen schauen,
Medikamente an die am meisten Bedürftigen auszugeben.»
Die Volksgesundheit steige nicht durch das Verteilen von Pillen.
Vorbeuge-Pille zur Prävention
von Prostatakrebs
Der Vorschlag der britischen
Mediziner ist nicht die einzige aktuelle Idee für eine Vorbeuge-Pille:
US-Forscher testeten den Wirkstoff Finasterid zur Prävention
von Prostatakrebs bei Männern ab 55 Jahren. Ergebnis: Die
Arznei kann das Risiko für Prostatakrebs um 25 Prozent senken.
Die Studie des Forschernetzwerkes Southwest Oncology Group mit
19.000 Probanden wurde vom nationalen Krebsforschungsinstitut
(NCI) der USA gefördert. Allerdings bekam eine geringe Anzahl
der Männer, die Finasterid nahmen, einen relativ gefährlichen
Prostatakrebs. Die Substanz wird bislang gegen Prostatavergrößerung
eingesetzt und steckt in Propecia, der ersten Pille gegen die
Glatze.
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