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Pestizide:
Der lange Arm des DDT
Frauen werden heute weniger
leicht schwanger, wenn ihre Mütter vor Jahrzehnten eine hohe
Belastung mit dem Schädlingsbekämpfungsmittel DDT aufgewiesen
hatten.
(jkm) - Das berichten amerikanische
Mediziner im Fachblatt "The Lancet". Dass die weltweite
Anwendung des Pestizids keine schwerwiegenden Folgen hatte, könnte
ihrer Ansicht nach einem DDT-Abbauprodukt mit entgegengesetzter
Wirkung zu verdanken sein.
Barbara Cohn vom Public Health
Institute in Berkeley und ihre Kollegen analysierten Blutproben
von 289 kalifornischen Frauen, die Anfang der 60er-Jahre an einer
Gesundheitsstudie teilgenommen und wenige Tage vor der Blutentnahme
eine Tochter geboren hatten. Die mittlerweile erwachsenen Töchter
befragten sie zu ihren bisherigen Schwangerschaften oder Beinahe-Schwangerschaften
- insbesondere zur Zahl der Menstruationszyklen zwischen dem Absetzen
von Verhütungsmitteln und der Empfängnis des jüngsten
Kindes.
Die Forscher untersuchten das
mütterliche Blut auf den Hauptvertreter der DDT-Verbindungen,
p,p'-Dichlordiphenyltrichlorethan (p,p'-DDT), und dessen Abbauprodukt
p,p'-Dichlordiphenyldichlorethan (p,p'-DDE). Beide gehen durch
die Plazenta von der Mutter auf das Ungeborene über. Es zeigte
sich, dass die Töchter der Frauen mit hohen p,p'-DDT-Spiegeln
deutlich länger bis zur Schwangerschaft warten mussten: Je
10 Mikrogramm p,p'-DDT pro Liter Blut sank die Wahrscheinlichkeit,
während eines Zyklus ein Kind zu empfangen, um ein Drittel.
Verblüffenderweise hatte p,p'-DDE einen umgekehrten Effekt:
Hier stiegen die Chancen je 10 Mikrogramm pro Liter um ein Sechstel.
Möglicherweise mildere das
Abbauprodukt den schädlichen Einfluss von Androgenen auf
die Eierstöcke weiblicher Föten, spekulieren Cohn und
ihre Kollegen. "Die gegenteiligen Effekte von p,p'-DDE und
p,p'-DDT könnten erklären, warum nach der weltweiten
Einführung von DDT keine größeren Veränderungen
der menschlichen Fortpflanzungsfähigkeit beobachtet wurden."
Seit Anfang der 40er-Jahre wurden
weltweit rund zwei Millionen Tonnen DDT ausgebracht. Als sich
herausstellte, dass das äußerst langlebige Pestizid
Krebs auslösen, Organe und Nervensystem schädigen und
die Fortpflanzung beeinträchtigen kann, wurde es 1972 in
Deutschland und vielen anderen Staaten verboten. Vor allem in
tropischen Entwicklungsländern wird DDT auch heute noch eingesetzt,
etwa zur Bekämpfung von Malaria übertragenden Stechmücken.
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