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- 27.06.2003 -

 

 

 

 

 

 


 

Pestizide:

Der lange Arm des DDT

Frauen werden heute weniger leicht schwanger, wenn ihre Mütter vor Jahrzehnten eine hohe Belastung mit dem Schädlingsbekämpfungsmittel DDT aufgewiesen hatten.

(jkm) - Das berichten amerikanische Mediziner im Fachblatt "The Lancet". Dass die weltweite Anwendung des Pestizids keine schwerwiegenden Folgen hatte, könnte ihrer Ansicht nach einem DDT-Abbauprodukt mit entgegengesetzter Wirkung zu verdanken sein.

Barbara Cohn vom Public Health Institute in Berkeley und ihre Kollegen analysierten Blutproben von 289 kalifornischen Frauen, die Anfang der 60er-Jahre an einer Gesundheitsstudie teilgenommen und wenige Tage vor der Blutentnahme eine Tochter geboren hatten. Die mittlerweile erwachsenen Töchter befragten sie zu ihren bisherigen Schwangerschaften oder Beinahe-Schwangerschaften - insbesondere zur Zahl der Menstruationszyklen zwischen dem Absetzen von Verhütungsmitteln und der Empfängnis des jüngsten Kindes.

Die Forscher untersuchten das mütterliche Blut auf den Hauptvertreter der DDT-Verbindungen, p,p'-Dichlordiphenyltrichlorethan (p,p'-DDT), und dessen Abbauprodukt p,p'-Dichlordiphenyldichlorethan (p,p'-DDE). Beide gehen durch die Plazenta von der Mutter auf das Ungeborene über. Es zeigte sich, dass die Töchter der Frauen mit hohen p,p'-DDT-Spiegeln deutlich länger bis zur Schwangerschaft warten mussten: Je 10 Mikrogramm p,p'-DDT pro Liter Blut sank die Wahrscheinlichkeit, während eines Zyklus ein Kind zu empfangen, um ein Drittel. Verblüffenderweise hatte p,p'-DDE einen umgekehrten Effekt: Hier stiegen die Chancen je 10 Mikrogramm pro Liter um ein Sechstel.

Möglicherweise mildere das Abbauprodukt den schädlichen Einfluss von Androgenen auf die Eierstöcke weiblicher Föten, spekulieren Cohn und ihre Kollegen. "Die gegenteiligen Effekte von p,p'-DDE und p,p'-DDT könnten erklären, warum nach der weltweiten Einführung von DDT keine größeren Veränderungen der menschlichen Fortpflanzungsfähigkeit beobachtet wurden."

Seit Anfang der 40er-Jahre wurden weltweit rund zwei Millionen Tonnen DDT ausgebracht. Als sich herausstellte, dass das äußerst langlebige Pestizid Krebs auslösen, Organe und Nervensystem schädigen und die Fortpflanzung beeinträchtigen kann, wurde es 1972 in Deutschland und vielen anderen Staaten verboten. Vor allem in tropischen Entwicklungsländern wird DDT auch heute noch eingesetzt, etwa zur Bekämpfung von Malaria übertragenden Stechmücken.

 

 Mehr Informationen:

DDT

Greenpeace: Geschichte des DDT

Malaria

Welthungerhilfe: Malariabekämpfung ohne DDT

 

 Lesen Sie auch:

Malariabekämpfung: Einsatz von DDT gefordert

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