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Fossilien:
Älteste Überreste moderner
Menschen
Die bislang ältesten
Überreste des modernen Menschen hat ein internationales Forscherteam
in Äthiopien ausgegraben.
London/New York (dpa) - Die Schädelknochen
von drei Angehörigen der Art Homo sapiens sind rund 160.000
Jahre alt. Der Fund erhärtet die Vermutung, dass die modernen
Menschen in Afrika entstanden sind und sich von dort ausgebreitet
haben. Bevor sie die ganze Welt eroberten, wären die modernen
Menschen einer anderen Studie zufolge allerdings um ein Haar ausgestorben:
Nach einer Analyse amerikanischer und russischer Forscher lebten
vor 70.000 Jahren nur noch rund 2000 Individuen.
Im Erbgut der Menschen gebe es
weltweit so wenig Unterschiede, dass es nur einem ganz kleinen
«Gen-Pool» entstammen könne, berichten die Forscher
von der Stanford Universität in Palo Alto (Kalifornien) und
der Russischen Akademie der Wissenschaften im «American
Journal of Human Genetics». Die Untersuchung bestätigt
darüber hinaus ebenfalls, dass der Homo sapiens vor knapp
70.000 Jahren seine afrikanische Heimat verließ und den
Rest der Welt eroberte. Eine frühere Studie, die sich am
Y-Chromosom von 1000 Männern in 21 Volksstämmen orientierte,
hatte den Auszug aus Afrika auf die Zeit vor 66.000 Jahren gelegt.
Die in Äthiopien gefundenen
drei Schädel weisen Kratzspuren von Steinwerkzeugen auf,
was vermutlich auf einen Totenkult hindeutet, wie Wissenschaftler
um Tim White von der Universität von Kalifornien in Berkeley
im britischen Fachjournal «Nature» (Bd. 423, S. 742
und S. 747) berichten. Der Fundort der Fossilien liegt in der
äthiopischen Awash-Region, nahe des Dorfes Herto auf der
Halbinsel Bouri, rund 230 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt
Addis Abeba.
Einer der drei Schädel,
die bereits 1997 ausgegraben worden sind, gehörte zu einem
männlichen Erwachsenen und ist sehr gut erhalten. Von einem
weiteren Erwachsenen ist nur die Schädeldecke erhalten. Der
Schädel eines Kindes war in kleine Teile zersprengt und wurde
von den Wissenschaftlern in mühevoller Puzzlearbeit wieder
zusammengesetzt.
Die Ähnlichkeit von Schädelform
und -größe der «Herto-Hominiden» zu den
heute lebenden Menschen (Homo sapiens sapiens) ist so groß,
dass die Wissenschaftler sie zur Art Homo sapiens zählen,
allerdings als eigene Unterart: Homo sapiens idaltu.
Die neuen Funde seien ein bisher
fehlendes Bindeglied zwischen älteren Fossilienfunden in
Afrika und jüngeren Funden, beziehungsweise dem heute lebenden
modernen Menschen. Neben Schädelfragmenten und Zähnen
von weiteren sieben Menschen fanden die Wissenschaftler auch Steinwerkzeuge
und Tierknochen. Überreste von Antilopen und Flusspferden
geben dabei einen Hinweis auf den Speiseplan der damaligen Menschen.
Eine Analyse der Umgebung ergab, dass die Herto-Hominiden an den
Ufern eines Süßwassersees gelebt haben.
In der Awash-Region wurden bereits
zahlreiche spektakuläre Fossilienfunde gemacht: So wurde
etwa 1999 der Fund des 2,5 Millionen alten Australopithecus garhi
bekannt gegeben. Dieser frühe Hominid war vermutlich der
erste, der Steinwerkzeuge benutzte, um das Fleisch erlegter Tiere
zu bearbeiten. Im Jahr 2002 berichteten Wissenschaftler vom Fund
eines Homo-erectus-Schädel, anhand dessen die gemeinsame
Abstammung von Asiaten und Afrikanern gezeigt werden konnte.
Die zuvor ältesten bekannten
Überreste des Homo sapiens waren 1969 in der israelischen
Qafzeh-Höhle gefunden worden. Insgesamt entdeckten Forscher
dort 21 Skelette, die etwa 100.000 Jahre alt sind. Sie dürften
zu der Gruppe gehört haben, aus der alle modernen Menschen
außerhalb Afrikas hervorgegingen.
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