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Umweltgifte:
Rätselhafter Quecksilberschwund
Die Abnahme der Quecksilbermenge
in der Atmosphäre ist zwar sehr erfreulich, weil sie aber
nicht dem gegenwärtigen Wissen um die Emissionen des giftigen
Schwermetalls entspricht, gibt sie den Forschern Rätsel auf.
(jkm) - Seit den 80er-Jahren ist
die Quecksilbermenge in der Atmosphäre um rund ein Sechstel
gefallen und seit Mitte der 90er-Jahre relativ konstant geblieben.
Das berichtet eine internationale Forschergruppe in der Fachzeitschrift
"Geophysical Research Letters". So erfreulich der Rückgang
auch ist, sorgt er doch für Stirnrunzeln: Theoretisch hätte
er nämlich deutlich schwächer ausfallen sollen.
"Der beobachtete Trend ist
mit den veröffentlichten Aufstellungen der anthropogenen
Emissionen und dem angenommenen Verhältnis von anthropogenen
zu natürlichen Emissionen nicht vereinbar", schreiben
die Forscher um Franz Slemr vom Mainzer Max-Planck-Institut für
Chemie. Dies zeige, dass die Emissionsverzeichnisse verbessert
und der Beitrag der natürlichen Quellen neu bewertet werden
müsse.
Slemr und seine Kollegen erfassten
die Veränderungen des atmosphärischen Quecksilbers seit
den 70er-Jahren an acht festen Messstationen vom Norden Kanadas
bis zur Antarktis und während acht Forschungsfahrten auf
dem Atlantik. Ihre Resultate passen zu Messungen in Torfmooren
und an Eisbohrkernen, aber nicht zum gegenwärtigen Wissen
um die Emissionen des giftigen Schwermetalls.
Demnach tragen menschliche Aktivitäten
und natürliche Prozesse etwa zu gleichen Teilen zum Gesamtausstoß
bei. Der beobachtete Rückgang atmosphärischen Quecksilbers
um rund 17 Prozent in den Jahren 1990 bis 1996 sollte daher auf
einen Rückgang der anthropogenen Emissionen um 34 Prozent
zurückgehen. Früheren Studien zufolge ist der vom Menschen
verursachte Ausstoß in diesem Zeitraum jedoch nur um zehn
Prozent gesunken.
"Die Lebenszeit elementaren
Quecksilbers in der Atmosphäre beträgt rund ein Jahr",
erläutert Slemr. "Daher wird das Quecksilber selbst
in abgelegenen Gebieten deponiert." Im Boden und im Wasser
könne es dann zu hochgiftigem Methylquecksilber umgewandelt
werden, das sich in den Nahrungsketten immer stärker anreichere.
Beispielsweise könne der Verzehr stark kontaminierten Thunfischs
chronische Erkrankungen hervorrufen und stelle besonders für
Schwangere eine Gefahr dar. Umso wichtiger sei es, mehr über
die Quellen des Schwermetalls und sein Verhalten in der Atmosphäre
zu erfahren.
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