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- 10.06.2003 -

 

 

 

 

 


 

Umweltgifte:

Rätselhafter Quecksilberschwund

Die Abnahme der Quecksilbermenge in der Atmosphäre ist zwar sehr erfreulich, weil sie aber nicht dem gegenwärtigen Wissen um die Emissionen des giftigen Schwermetalls entspricht, gibt sie den Forschern Rätsel auf.

(jkm) - Seit den 80er-Jahren ist die Quecksilbermenge in der Atmosphäre um rund ein Sechstel gefallen und seit Mitte der 90er-Jahre relativ konstant geblieben. Das berichtet eine internationale Forschergruppe in der Fachzeitschrift "Geophysical Research Letters". So erfreulich der Rückgang auch ist, sorgt er doch für Stirnrunzeln: Theoretisch hätte er nämlich deutlich schwächer ausfallen sollen.

"Der beobachtete Trend ist mit den veröffentlichten Aufstellungen der anthropogenen Emissionen und dem angenommenen Verhältnis von anthropogenen zu natürlichen Emissionen nicht vereinbar", schreiben die Forscher um Franz Slemr vom Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie. Dies zeige, dass die Emissionsverzeichnisse verbessert und der Beitrag der natürlichen Quellen neu bewertet werden müsse.

Slemr und seine Kollegen erfassten die Veränderungen des atmosphärischen Quecksilbers seit den 70er-Jahren an acht festen Messstationen vom Norden Kanadas bis zur Antarktis und während acht Forschungsfahrten auf dem Atlantik. Ihre Resultate passen zu Messungen in Torfmooren und an Eisbohrkernen, aber nicht zum gegenwärtigen Wissen um die Emissionen des giftigen Schwermetalls.

Demnach tragen menschliche Aktivitäten und natürliche Prozesse etwa zu gleichen Teilen zum Gesamtausstoß bei. Der beobachtete Rückgang atmosphärischen Quecksilbers um rund 17 Prozent in den Jahren 1990 bis 1996 sollte daher auf einen Rückgang der anthropogenen Emissionen um 34 Prozent zurückgehen. Früheren Studien zufolge ist der vom Menschen verursachte Ausstoß in diesem Zeitraum jedoch nur um zehn Prozent gesunken.

"Die Lebenszeit elementaren Quecksilbers in der Atmosphäre beträgt rund ein Jahr", erläutert Slemr. "Daher wird das Quecksilber selbst in abgelegenen Gebieten deponiert." Im Boden und im Wasser könne es dann zu hochgiftigem Methylquecksilber umgewandelt werden, das sich in den Nahrungsketten immer stärker anreichere. Beispielsweise könne der Verzehr stark kontaminierten Thunfischs chronische Erkrankungen hervorrufen und stelle besonders für Schwangere eine Gefahr dar. Umso wichtiger sei es, mehr über die Quellen des Schwermetalls und sein Verhalten in der Atmosphäre zu erfahren.

 

 Mehr Informationen:

Max-Planck-Institut für Chemie

Quecksilber- Emissionen

Umweltbelastung durch Quecksilber

 

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