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WHO nimmt Konvention an:
Rauchern wird weltweit der Kampf angesagt
Die Weltgesundheitsorganisation
sagt mit einer Anti-Tabak-Konvention den Rauchern in aller Welt
den Kampf an.
Genf (dpa) - Rauchern in aller
Welt wird seit Mittwoch über Ländergrenzen hinweg der
Kampf angesagt. Erstmals in ihrer 54- jährigen Geschichte
nahm die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit einer Anti-Tabak-Konvention
einen Gesundheitsstandard an, der sich in der ganzen Welt durchsetzen
soll. Alle 192 Mitgliedstaaten der WHO stimmten dem Regelwerk
zu, das nun noch von den einzelnen Ländern ratifiziert werden
muss. Es soll die Tabak-Werbung beschränken sowie das Rauchen
an öffentlich zugänglichen Plätzen grundsätzlich
verbieten. Die Konvention könnte in über einem Jahr
wirksam werden.
Die scheidende WHO-Generaldirektorin
Gro Harlem Brundtland sprach von einem «historischen Moment
für die weltweite Volksgesundheit». Nach Einschätzung
der WHO sterben jährlich fünf Millionen Menschen an
Krankheiten, die durch das Rauchen verursacht werden. «Heute
handeln wir, um Milliarden Leben zu retten», sagte Brundtland.
Auch die EU- Kommission stützt die Konvention. «Bewaffnet
mit dieser Konvention können wir voranschreiten, um die Tabak-Kontrolle
zu einem Eckpfeiler der Gesundheitsschutzes zu machen»,
sagte EU-Gesundheitskommissar David Byrne.
Deutschland und die USA hatten
sich bis zuletzt skeptisch gezeigt, weil sie ein generelles Werbeverbot
für Tabakerzeugnisse ablehnen. Sie stimmten dann jedoch auch
zu. Die Parlamentarische Staatssekretärin und Drogenbeauftragte
der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk (SPD) sagte in Berlin:
«Nichtrauchen muss der Normalfall werden - bei uns und auf
der ganzen Welt.»
Die Bundesregierung will noch
in diesem Jahr ein «Anti-Tabak- Programm» aus gesetzlichen
und vorbeugenden Maßnahmen vorlegen. Caspers-Merk sagte,
ein totales Werbeverbot lehne die Bundesregierung aus verfassungsrechtlichen
Gründen weiter ab. Das schließe jedoch nicht aus, dass
im Bereich des Kinder- und Jugendschutzes weitere Einschränkungen
der Tabakwerbung geplant seien. Es sei das erklärte Ziel
der Bundesregierung, insbesondere die Raucherquote bei den Jugendlichen
in der Altersgruppe von 12 bis 17 Jahren von derzeit 28 auf 20
Prozent zu senken.
Die Konvention zielt darauf ab,
über die Gefahren des Rauchens aufzuklären und davor
zu warnen. Über Steuererhöhungen soll Tabak besonders
für Jugendliche zu teuer werden. Werbung und Sponsoring sollen
verboten werden. Davon wären auch die großen Formel-1-
Veranstaltungen in aller Welt betroffen. Weiter fordert die Konvention,
Bezeichnungen wie «mild» oder «light»
auf Zigarettenpackungen zu verbieten und die Schädlichkeit
des Rauchens durch Aufdrucke angemessen hervorzuheben.
Dem internationalen Tabakschmuggel
soll Einhalt geboten werden. Die Konvention kann in Kraft treten,
wenn sie von 40 Staaten ratifiziert wird. Nur diese Länder
können auch an den Beratungen über die Zusatzprotokolle
teilnehmen, die die Maßnahmen im einzelnen noch genau definieren
sollen. Die Verhandlungen für das Abkommen waren unter Leitung
der WHO im November 2000 aufgenommen worden.
Die Rahmenkonvention sei ein
Katalysator und Schlüsselinstrument für die Kontrolle
des Rauchens auf nationaler und internationaler Ebene, sagte der
Vertreter Griechenlands im Namen der Europäischen Union.
Der US-Vertreter sagte, mit dem Abkommen werde die «globale
Bedrohung des Rauchens» zu einer Sache der Vergangenheit.
Südafrika begrüßte die Verabschiedung der Konvention,
weil vor allem Entwicklungsländer Ziel der Tabakindustrie
seien.
Im internationalen Vergleich
waren die Deutschen mit rund 140 Milliarden verkauften Zigaretten
im vergangenen Jahr die fünftgrößte Raucher-Nation.
Auf Platz eins liegt China. Dort wurden 1600 Milliarden Zigaretten
verkauft. Es folgen die USA (422 Milliarden), Japan (326) und
Russland mit 280 Milliarden. Allein in Deutschland belaufen sich
die Werbekosten auf rund 300 Millionen Euro im Jahr.
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