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SARS: Deutsche finden Ansatz für
Arznei
Deutsche Forscher haben einen
Ansatz für ein Mittel gegen die lebensgefährliche Lungenkrankheit
SARS entdeckt.
Washington/Lübeck/Peking
(dpa) - Sein Team habe die «Achillesferse» des SARS-Virus
identifiziert, sagte Rolf Hilgenfeld von der Universität
Lübeck am Dienstag bei einer Telefonkonferenz des US-Wissenschaftsmagazins
«Science». Der Gruppe um Hilgenfeld gelang es, jenes
Enzym (Protease) von Coronaviren nachzubauen, dem die Schlüsselrolle
bei der Reproduktion und Ausbreitung dieser Erreger im menschlichen
Körper zugesprochen wird. Der Erreger von SARS (Schweres
Akutes Atemwegssyndrom) ist ein bisher unbekanntes Coronavirus.
Das Ursprungsland China wird
unterdessen zunehmend zum Schwerpunktgebiet der Lungenkrankheit.
Während aus anderen Regionen kaum neue Fälle gemeldet
wurden, sieht die Weltgesundheitsorganisation WHO in China trotz
sinkender Ansteckungszahlen noch keine Entspannung. Speziell in
der schwer betroffenen Hauptstadt Peking könne noch nicht
von einem Rückgang der SARS-Welle gesprochen werden, betonte
die WHO. In Taiwan stieg die Zahl der Erkrankten um 21 auf 228
- der Inselstaat liegt damit nach China und Hongkong an dritter
Stelle. Bis Montagabend meldete die WHO weltweit 7447 SARS-Fälle
und 552 Tote. Peking hat bislang insgesamt 2347 Fälle registriert.
Landesweit (ohne Hongkong) stieg die Zahl der Patienten um 80
auf 5086. Die Todesfälle nahmen um 10 auf 262 zu.
Hilgenfeld betonte jetzt, dass
er möglicherweise nur «wenige Monate» brauche,
um einen Stoff zu finden, der das SARS-Virus an seiner Achillesferse
treffe und außer Gefecht setzen würde, einen so genannten
Protease-Inhibitor. Dieser müsste dann im klinischen Versuch
getestet werden. Das dauere normalerweise einige Jahre, könnte
bei einer Krise wie durch SARS aber verkürzt werden, sagte
er. Der Lübecker Forscher erläuterte, dass ein kürzlich
entdecktes Molekül, genannt «AG7088», dem gesuchten
Protease-Inhibitor für SARS sehr nahe komme. Der Pharmakonzern
Phizer teste es derzeit in der letzten Phase und wolle das Mittel
im Herbst einführen. Dieser Stoff sei ein «guter Ausgangspunkt»
zur Entwicklung eines SARS-Medikaments. Das deutsche Team, dem
auch Forscher aus Würzburg und Jena angehören, stellen
ihre Erkenntnisse in der Online-Ausgabe von «Science»
vor.
Die mysteriöse Lungenkrankheit
drückt auch weiter auf die Wirtschaft: Nachdem am Vortag
die Lufthansa SARS für sinkende Passagierzahlen mitverantwortlich
gemacht hatte, meldeten am Dienstag der Maschinenbau- und Nutzfahrzeugekonzern
MAN und die skandinavische Fluggesellschaft SAS gedämpfte
Geschäfte in Asien wegen der Krankheit. Der Deutsche Hockey-Bund
(DHB) sagte unterdessen wegen SARS die für Juni geplante
Länderspiel-Serie seines Damen-Teams gegen China ab. Die
Essener Philharmoniker strichen wegen der Epidemie eine für
September geplante vierzehntägige Gastspielreise nach China.
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