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- 07.05.03 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Freiburg: Zentrum kämpft gegen Antibiotika resistente Bakterien

Zum Kampf gegen Antobiotika resistente Bakterien ist in Freiburg ein deutschlandweit einzigartiges Antibiotikazentrum gegründet worden.

Von Sabine Frigge, dpa

Freiburg (dpa) - In deutschen Krankenhäusern infizieren sich nach Berechnungen von Medizinern jedes Jahr zwischen 600.000 und 800.000 Menschen mit bakteriellen Erregern. Die zur Heilung eingesetzten Antibiotika versagen jedoch immer häufiger. Der Grund: Viele lebensbedrohliche Bakterienstämme erweisen sich mittlerweile als resistent - gegen sie ist die einstige Wunderwaffe stumpf. Zum Kampf gegen Antobiotika resistente Bakterien ist in Freiburg ein deutschlandweit einzigartiges Antibiotikazentrum gegründet worden.

«Unser Ziel ist es, die experimentelle und klinische Forschung auf dem Gebiet der Antibiotikaentwicklung und -prüfung zu fördern und so die Zulassung dringend notwendiger, wirksamer und zuverlässiger Produkte zu beschleunigen», sagt Professor Franz Daschner, Mitinitiator des Zentrums.

Antibiotika gehören zu den am häufigsten eingesetzen Arzneimitteln. In vielen Kliniken liegen sie nach Schätzung der Initiative «Zündstoff Antibiotika Resistenz» bereits an der Spitze der verordneten Medikamente und beanspruchen rund ein Drittel des Budgets. Bei einer schweren Infektion mache die wachsende Unempfindlichkeit der Bakterien gegenüber Antibiotika die Behandlung nicht nur komplizierter, sondern auch teurer und riskanter, warnt die Initiative, zu der sich verschiedene deutsche Fachgesellschaften zusammengeschlossen haben. Ärzte und Kliniken gingen oft zu sorglos mit Antibiotika um.

Rund 50 Prozent aller Antibiotika werden nach Daschners Worten falsch eingesetzt. «Sie werden falsch verschrieben, in falscher Dosis, zu kurz oder zu lang verabreicht.» Diese drei Faktoren führten zur weltweit beobachteten Zunahme der Antibiotika-Resistenzen. So seien heute beispielsweise rund acht Prozent der in Deutschland vorhandenen Pneumokokkenstämme - Auslöser von Lungen-, Hirnhaut- und Mittelohrentzündungen - unempfindlich gegenüber Penizillin. Zu beobachten sei etwa auch eine weltweite Ausbreitung der multiresistenten Tuberkulose. Besonders gefährdet seien hierbei unter anderem Indien, Russland, Lettland und die Dominikanische Republik, sagt der Professor für Krankenhaushygiene und Umweltmedizin.

Bedarf an der Dienstleistung des Freiburger Antibiotikazentrums hat vor allem die Pharmaindustrie. Zwei Monate nach der Gründung kam bereits das erste neue Antibiotikum zur Optimierung der Behandlung von Lungenentzündungen in die Prüfung. Begleitet, analysiert und dokumentiert werden die Studien in Freiburg von so genannten Study Nurses, besonders ausgebildeten Krankenschwestern, die unter anderem für die Betreuung der Patienten und die Datenerhebung zuständig sind, sowie von speziell qualifizierten Prüfärzten.

«Unser großer Vorteil sind die idealen infrastrukturellen Bedingungen», sagt Daschner. «Wir verfügen nicht nur über ein großes Einzugsgebiet, um geeignete Patienten für Studien zu ermitteln, sondern auch über erstklassiges Know-how verschiedenster, sich optimal ergänzender Fachbereiche.»

Um den Wettlauf zwischen Medizin und Natur zu gewinnen - allein ins Freiburger Uniklinikum werden jährlich drei bis fünf Patienten mit vollständig resistenten Krankheitserregern eingeliefert -, fungiert das Antibiotikazentrum auch als Schaltzentrale zu niedergelassenen Ärzten und deren an Studien teilnehmenden Patienten.

Antibiotika-Resistenzen sind nach Ansicht der «Zündstoff»- Initiative ein «schwer unterschätztes Problem». Die Medikamente sollten daher so wenig wie nötig und so gezielt wie möglich eingesetzt werden - und nicht nur auf einen einfachen Verdacht hin.

 

 Mehr Informationen:

Zentrum Klinische Studien

Zündstoff Antibiotika-Resistenz

Quarks&Co: Antibiotika - Eine Waffe wird stumpf
 

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Kliniken kämpfen mit resistenten Keimen - stark wachsendes Problem

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