|
Tornados und Fluten: Weltkongress diskutiert
Wetterkatastrophen
Stürme, Überschwemmungen,
Dürren: Die Vorbeugung gegen solche Naturkatastrophen ist
ein zentrales Thema auf dem Kongress der Weltwetterorganisation
WMO in Genf.
Von Carola Frentzen, dpa
Genf (dpa) - Als die Tornados
kamen, rissen sie alles mit sich. Ganze Dörfer machten sie
dem Erdboden gleich und versetzten am Montag in den US-Staaten
Kansas, Missouri und Tennessee sowie am Dienstag in Bangladesch
die Menschen in Panik. Dutzende starben. Stürme, Überschwemmungen,
Dürre und andere Extremwetterereignisse gefährden weltweit
das Leben und die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen. Das
Thema hat in diesen Tagen wieder erschreckend an Aktualität
gewonnen. Die Vorbeugung gegen solche Naturkatastrophen ist ein
zentrales Thema des 14. Kongresses der Weltwetterorganisation
WMO in Genf.
«Die WMO spielt eine Hauptrolle
bei der Bekämpfung von wetter- und klimabedingten Katastrophen,
die über 70 Prozent aller natürlichen Katastrophen ausmachen»,
sagte der nigerianische WMO-Chef Prof. G.O.P. Obasi in seiner
Eröffnungsansprache. Bis zum 24. Mai werden rund 600 internationale
Experten und die 185 Mitglieder der Spezialorganisation der Vereinten
Nationen nach neuen Wegen suchen, um Unwetterwarnungen, Atmosphärenbeobachtung
und den länderübergreifenden Austausch von Wetterinformationen
zu optimieren.
In den vergangenen Jahrzehnten
seien bereits große Fortschritte gemacht worden, die zahlreiche
Menschenleben gerettet hätten, sagte Obasi. Grund seien die
immer stärkere Zusammenarbeit verschiedenerer weltweiter
Organisationen, ein besserer Informationsaustausch und gegenseitige
Unterstützung. So arbeitet die WMO beispielsweise aktiv mit
der UN-Behörde «Internationale Strategie für die
Reduzierung von Katastrophen» (ISDR) zusammen und hilft
beim Aufbau internationaler Forschungszentren, wie dem «El
Nino»-Projekt in Ecuador.
Besonders Asien ist schwer von
den Auswirkungen der Klimaveränderung und Naturkatastrophen
betroffen. Mehr als 150 Zyklone haben in den vergangenen 100 Jahren
die Nordküste des Golfs von Bengalen heimgesucht. In Bangladesch
bereiten sich die Menschen mittlerweile systematisch auf die Stürme
vor, die mit einer Windgeschwindigkeit von bis zu 300 Kilometern
pro Stunde alles zerstören, was ihnen im Weg liegt.
«Wir haben es geschafft,
einen wertvollen Beitrag zur Überwachung und Vorhersage dieser
Phänomene zu leisten, um so die Bevölkerungen frühzeitig
zu warnen», erklärte Obasi. In Bangladesch sei die
Zahl der von Zyklonen schwer betroffenen Menschen von 250 000
im Jahr 1971 auf 13 000 im Jahr 1991 und auf 200 im Jahr 1994
reduziert worden.
Der WMO-Kongress, bei dem Deutschland
durch den Deutschen Wetterdienst (DWD) vertreten ist, findet seit
1951 alle vier Jahre statt. Das Programm, das diesmal gestemmt
werden soll, ist angesichts der unzähligen weltweiten Wetter-
und Klima-Probleme gewaltig.
Neben dem Katastrophenschutz
geht es bei dem WMO-Treffen auch um das Thema Hydrologie. Denn
Schätzungen von Forschern zufolge werden im Jahr 2025 vier
Milliarden Menschen - die Hälfte der Weltbevölkerung
- unzureichend mit Wasser versorgt sein. Zunehmende Bewässerung
in der Landwirtschaft führt zur Austrocknung der Flüsse
in China und Nordamerika, in vielen Städten in Entwicklungsländern
haben die Menschen kein sauberes Trinkwasser - Ruhr und Cholera
sind die Folgen. «Die zukünftigen Kriege werden sich
hauptsächlich um das Wasser drehen», prophezeien Experten
schon länger.
Diesbezüglich hat auch die
WMO derzeit wenig Hoffnung. «Das Problem der Weltwasserressourcen
wird in der nahen Zukunft noch größer werden»,
glaubt Obasi. Deshalb rief er die Kongress-Teilnehmer auf, die
derzeitigen Aktivitäten der Organisation in den kommenden
Tagen kritisch zu überprüfen: «Wir müssen
eine Führungsrolle übernehmen, um in den nächsten
Jahrzehnten die wichtige Wasser-Frage in unseren Mitgliedstaaten
anzugehen.»
|