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- 30.04.2003 -

 

 

 

 

 

 


 

Landwirtschaft: Umweltfreundliche Rodung in Afrika

Durch Rodungen für die Landwirtschaft werden Regenwälder oft dauerhaft geschädigt. Das es auch anders geht, zeigt die jahrhundertealte Anbautechnik eines afrikanischen Volkstammes.

(jkm) - In vielen Entwicklungsländern werden Urwälder gerodet, um landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen. Meist wird die Natur so dauerhaft geschädigt. Dass man auch nachhaltig roden kann, haben französische Wissenschaftler jetzt in Kamerun erfahren. Sie erforschten die landwirtschaftlichen Techniken der Ntumu. Dieser Volksstamm zieht nomadisch durch die Regenwälder Kameruns, Gabuns und Äquatorial Guineas.

Die Ntumu praktizieren einen abwechslungsreichen Ackerbau, berichten die Entwicklungsforscher um Stéphanie Carrière vom Centre IRD Ile-de-France. Demnach pflanzen die Bauern sowohl stärkehaltige Nahrungsmittel für den eigenen Bedarf an - darunter Süßkartoffeln, Yamswurzeln, Taro und Maniok - als auch Kakao und Erdnüsse für den Verkauf. Die Ntumu wirtschaften auf etwa einem Hektar Fläche, die im Urwald gerodet wird. Dabei werden aber bewusst etwa 15 besonders große Bäume je Hektar verschont - die so genannten "Waisen des Waldes", wie die Ntumu sagen.

Die betreffenden Bäume würden nicht etwa geschont, weil sie zu aufwändig zu fällen wären, betonen die Forscher. Die Ntumu wählten gezielt jene Exemplare aus, die durch Blätterfall und Früchte eine natürliche Düngung der Felder fördern und mit ihrem schattigen Laub vor der Dürre schützen. Dies seien in erster Linie der Kapokbaum (Ceiba pentandra), der Abachi (Triplochiton scleroxylon) sowie der Afara (Terminalia superba), dessen Holz unter dem Namen "Limba" gehandelt wird.

Nicht nur die Bauern profitieren von den verschonten Bäumen. Die "Waisen" sorgen auch für eine schnelle Rekultivierung des Waldes, sobald die Ntumu die Felder verlassen und weiterziehen. Weil die freistehenden Bäume zahlreiche Vogelarten, Fledermäuse und Affen anziehen, werden durch diese vegetarisch lebenden Tiere besonders viele Samen verbreitet. Auf den brach liegenden Feldern könnten sich rasch bis zu hundert verschiedene Pflanzenarten ansiedeln, sagen die Forscher. Auf gänzlichen baumlosen Brachflächen entwickle sich keine vergleichbare Vielfalt.

Die Rodungstechnik der Ntumu sei geradezu vorbildlich im Gegensatz zur häufig praktizierten Brandrodung in anderen afrikanischen Regionen, bilanzieren die Wissenschaftler. Die von Generation zu Generation überlieferten Anbaumethoden der Ntumu hätten mit dazu beigetragen, die große Artenvielfalt in den Urwäldern Kameruns zu bewahren.

 


© ArtToday

Der Kapokbaum (Ceiba pentandra; Aufnahme aus Costa Rica) dient auch als "Waise des Waldes".

 

 Mehr Informationen:

Centre IRD

vista verde: Regenwald

 

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