|
Landwirtschaft: Umweltfreundliche Rodung
in Afrika
Durch Rodungen für die
Landwirtschaft werden Regenwälder oft dauerhaft geschädigt.
Das es auch anders geht, zeigt die jahrhundertealte Anbautechnik
eines afrikanischen Volkstammes.
(jkm) - In vielen Entwicklungsländern
werden Urwälder gerodet, um landwirtschaftliche Flächen
zu gewinnen. Meist wird die Natur so dauerhaft geschädigt.
Dass man auch nachhaltig roden kann, haben französische Wissenschaftler
jetzt in Kamerun erfahren. Sie erforschten die landwirtschaftlichen
Techniken der Ntumu. Dieser Volksstamm zieht nomadisch durch die
Regenwälder Kameruns, Gabuns und Äquatorial Guineas.
Die Ntumu praktizieren einen abwechslungsreichen
Ackerbau, berichten die Entwicklungsforscher um Stéphanie
Carrière vom Centre IRD Ile-de-France. Demnach pflanzen
die Bauern sowohl stärkehaltige Nahrungsmittel für den
eigenen Bedarf an - darunter Süßkartoffeln, Yamswurzeln,
Taro und Maniok - als auch Kakao und Erdnüsse für den
Verkauf. Die Ntumu wirtschaften auf etwa einem Hektar Fläche,
die im Urwald gerodet wird. Dabei werden aber bewusst etwa 15
besonders große Bäume je Hektar verschont - die so
genannten "Waisen des Waldes", wie die Ntumu sagen.
Die betreffenden Bäume würden
nicht etwa geschont, weil sie zu aufwändig zu fällen
wären, betonen die Forscher. Die Ntumu wählten gezielt
jene Exemplare aus, die durch Blätterfall und Früchte
eine natürliche Düngung der Felder fördern und
mit ihrem schattigen Laub vor der Dürre schützen. Dies
seien in erster Linie der Kapokbaum (Ceiba pentandra), der Abachi
(Triplochiton scleroxylon) sowie der Afara (Terminalia superba),
dessen Holz unter dem Namen "Limba" gehandelt wird.
Nicht nur die Bauern profitieren
von den verschonten Bäumen. Die "Waisen" sorgen
auch für eine schnelle Rekultivierung des Waldes, sobald
die Ntumu die Felder verlassen und weiterziehen. Weil die freistehenden
Bäume zahlreiche Vogelarten, Fledermäuse und Affen anziehen,
werden durch diese vegetarisch lebenden Tiere besonders viele
Samen verbreitet. Auf den brach liegenden Feldern könnten
sich rasch bis zu hundert verschiedene Pflanzenarten ansiedeln,
sagen die Forscher. Auf gänzlichen baumlosen Brachflächen
entwickle sich keine vergleichbare Vielfalt.
Die Rodungstechnik der Ntumu sei
geradezu vorbildlich im Gegensatz zur häufig praktizierten
Brandrodung in anderen afrikanischen Regionen, bilanzieren die
Wissenschaftler. Die von Generation zu Generation überlieferten
Anbaumethoden der Ntumu hätten mit dazu beigetragen, die
große Artenvielfalt in den Urwäldern Kameruns zu bewahren.
|