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- 17.04.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Hoffnung für Schlaganfallpatienten:

Ein Vampir als Lebensretter

Vampir-Fledermäuse sondern mit ihrem Speichel einen Stoff ab, der die Blutgerinnung verhindert und sich deshalb zur Behandlung von Schlaganfall-Patienten eignen könnte.

Von Klaus Blume, dpa

Mexiko-Stadt (dpa) - In Mythen ist der Vampir ein Untoter, der nachts dem Grab entsteigt und den Lebenden das Blut aussaugt. In der realen Welt genießt er auch keinen guten Ruf, ernährt sich die nur acht Zentimeter lange gleichnamige Fledermaus doch tatsächlich von nichts anderem als von Blut. Nachts fällt der in den tropischen Breiten Amerikas heimische Gemeine Vampir (Desmodus rotundus) über Rinderherden her und labt sich an deren Körpersaft. Außerdem ist er ein Tollwutüberträger.

Doch für manche Menschen soll der Vampir nun zum Lebensretter werden. Wissenschaftler haben in seinem Speichel ein Enzym entdeckt, das die Blutgerinnung hemmt. Das Flattertier braucht es, damit nach dem Biss in den Rinderrücken die Wunde lange blutet - denn anders als sein mythischer Namensgeber ist der kleine Vampir kein Blutsauger, sondern er leckt das Blut. Die Mediziner wollen nun mit diesem Protein, das sie «Desmodus rotundus salivary plasminogen activator» (DSPA) nennen, Blutgerinnsel in menschlichen Adern auflösen. Solche Blutklümpchen sind es, die Herzinfarkte und Schlaganfälle auslösen.

 


© dpa

Der Gemeine Vampir (Desmodus rotundus) ist in den tropischen Breiten Amerikas heimisch und fällt nachts über Rinderherden her, um sich an deren Blut zu laben.

 

Die Entwicklung des Gerinnsellösers ist ein deutsch-mexikanisches Gemeinschaftswerk. Das Patent auf DSPA halten die Schering AG (Berlin) und die Universidad Nacional Autonoma de México (UNAM) in Mexiko-Stadt. Wesentlichen Anteil hatten auf mexikanischer Seite der Biologe Alejandro Alagon Cano und auf deutscher der frühere Schering-Wissenschaftler Wolf-Dieter Schleuning. Beide verbindet eine zwanzigjährige Freundschaft. Schleuning ist heute Forschungsvorstand der vor drei Jahren gegründeten Paion GmbH (Aachen), die von Schering die Rechte an DSPA erwarb. Es werde jetzt in der klinischen Phase II bei der Behandlung von Schlaganfallpatienten getestet, teilt die Paion GmbH auf Anfrage mit. Eine Markteinführung sei für das zweite Halbjahr 2006 geplant.

Nach Aussage der beteiligten Forscher wirkt DSPA viel zielgenauer auf Blutgerinnsel ein als der bisher einzige zugelassene Gerinnsellöser TPA. Schleuning spricht von der «außergewöhnlichen Fibrinspezifität des Enzyms». Das heißt, dass das Enzym erst durch den Kontakt mit dem Blutfaserstoff Fibrin, der bei der Blutgerinnung entsteht, richtig aktiv wird. Es wirke außerdem noch bis zu neun Stunden nach einem Gehirnschlag.

In der frühen Entwicklungsphase lieferte Alagon aus Mexiko den Vampirspeichel, während bei Schering der Wirkstoff gereinigt, entschlüsselt und in der Anfangsphase erprobt wurde. Jetzt hat sich das deutsch-mexikanische Verhältnis aber eingetrübt. Die UNAM fühlt sich nicht ausreichend an den Lizenzeinnahmen aus einem Abkommen beteiligt, das Schering mit der japanischen Firma Teijin (Osaka) abgeschlossen hat. «Was eigentlich eine so wunderbare Geschichte war, steckt in einer Sackgasse», klagt Alagon.

Gerne erzählt Alagon von seinen Versuchstieren. Vampire zeichneten sich nicht nur durch ein entwickeltes Sozialverhalten aus, sondern auch durch einen grenzenlosen Durst. Ein 25 Gramm schweres Tierchen könne gut und gerne 15 Milliliter Blut schlucken - und sei dann so schwer, dass es nicht mehr fliegen könne und zu Fuß zur Höhle zurückwatschele. Vor den Höhlen um Tepotztlán südlich von Mexiko-Stadt spannten Alagon und seine Mitarbeiter in mondarmen Nächten einst ihre Fangnetze auf. Rund 1200 mexikanische Vampire mussten von 1983 bis 1990 für die Forschung sterben. Doch das ist lange her. Anfang der 90er Jahre gelang es Schleuning, das Speichelenzym auf gentechnischem Weg herzustellen.

 

 Mehr Informationen:

Paion GmbH

Vampirfledermaus

vista verde: Fledermäuse

 

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