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Hoffnung für Schlaganfallpatienten:
Ein Vampir als Lebensretter
Vampir-Fledermäuse sondern
mit ihrem Speichel einen Stoff ab, der die Blutgerinnung verhindert
und sich deshalb zur Behandlung von Schlaganfall-Patienten eignen
könnte.
Von Klaus Blume, dpa
Mexiko-Stadt (dpa) - In Mythen
ist der Vampir ein Untoter, der nachts dem Grab entsteigt und
den Lebenden das Blut aussaugt. In der realen Welt genießt
er auch keinen guten Ruf, ernährt sich die nur acht Zentimeter
lange gleichnamige Fledermaus doch tatsächlich von nichts
anderem als von Blut. Nachts fällt der in den tropischen
Breiten Amerikas heimische Gemeine Vampir (Desmodus rotundus)
über Rinderherden her und labt sich an deren Körpersaft.
Außerdem ist er ein Tollwutüberträger.
Doch für manche Menschen
soll der Vampir nun zum Lebensretter werden. Wissenschaftler haben
in seinem Speichel ein Enzym entdeckt, das die Blutgerinnung hemmt.
Das Flattertier braucht es, damit nach dem Biss in den Rinderrücken
die Wunde lange blutet - denn anders als sein mythischer Namensgeber
ist der kleine Vampir kein Blutsauger, sondern er leckt das Blut.
Die Mediziner wollen nun mit diesem Protein, das sie «Desmodus
rotundus salivary plasminogen activator» (DSPA) nennen,
Blutgerinnsel in menschlichen Adern auflösen. Solche Blutklümpchen
sind es, die Herzinfarkte und Schlaganfälle auslösen.

© dpa
Der Gemeine
Vampir (Desmodus rotundus) ist in den tropischen Breiten
Amerikas heimisch und fällt nachts über Rinderherden
her, um sich an deren Blut zu laben.
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Die Entwicklung des Gerinnsellösers
ist ein deutsch-mexikanisches Gemeinschaftswerk. Das Patent auf
DSPA halten die Schering AG (Berlin) und die Universidad Nacional
Autonoma de México (UNAM) in Mexiko-Stadt. Wesentlichen
Anteil hatten auf mexikanischer Seite der Biologe Alejandro Alagon
Cano und auf deutscher der frühere Schering-Wissenschaftler
Wolf-Dieter Schleuning. Beide verbindet eine zwanzigjährige
Freundschaft. Schleuning ist heute Forschungsvorstand der vor
drei Jahren gegründeten Paion GmbH (Aachen), die von Schering
die Rechte an DSPA erwarb. Es werde jetzt in der klinischen Phase
II bei der Behandlung von Schlaganfallpatienten getestet, teilt
die Paion GmbH auf Anfrage mit. Eine Markteinführung sei
für das zweite Halbjahr 2006 geplant.
Nach Aussage der beteiligten
Forscher wirkt DSPA viel zielgenauer auf Blutgerinnsel ein als
der bisher einzige zugelassene Gerinnsellöser TPA. Schleuning
spricht von der «außergewöhnlichen Fibrinspezifität
des Enzyms». Das heißt, dass das Enzym erst durch
den Kontakt mit dem Blutfaserstoff Fibrin, der bei der Blutgerinnung
entsteht, richtig aktiv wird. Es wirke außerdem noch bis
zu neun Stunden nach einem Gehirnschlag.
In der frühen Entwicklungsphase
lieferte Alagon aus Mexiko den Vampirspeichel, während bei
Schering der Wirkstoff gereinigt, entschlüsselt und in der
Anfangsphase erprobt wurde. Jetzt hat sich das deutsch-mexikanische
Verhältnis aber eingetrübt. Die UNAM fühlt sich
nicht ausreichend an den Lizenzeinnahmen aus einem Abkommen beteiligt,
das Schering mit der japanischen Firma Teijin (Osaka) abgeschlossen
hat. «Was eigentlich eine so wunderbare Geschichte war,
steckt in einer Sackgasse», klagt Alagon.
Gerne erzählt Alagon von
seinen Versuchstieren. Vampire zeichneten sich nicht nur durch
ein entwickeltes Sozialverhalten aus, sondern auch durch einen
grenzenlosen Durst. Ein 25 Gramm schweres Tierchen könne
gut und gerne 15 Milliliter Blut schlucken - und sei dann so schwer,
dass es nicht mehr fliegen könne und zu Fuß zur Höhle
zurückwatschele. Vor den Höhlen um Tepotztlán
südlich von Mexiko-Stadt spannten Alagon und seine Mitarbeiter
in mondarmen Nächten einst ihre Fangnetze auf. Rund 1200
mexikanische Vampire mussten von 1983 bis 1990 für die Forschung
sterben. Doch das ist lange her. Anfang der 90er Jahre gelang
es Schleuning, das Speichelenzym auf gentechnischem Weg herzustellen.
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