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- 28.03.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Buschmann-«Kaugummi»: Fettleibigen den Appetit verderben

Der Viagra-Hersteller Pfizer entwickelt einen neuen Appetitzügler und nutzt dafür das traditionelle Wissen der Kalahari-Buschmänner. Eine Beteiligung am Erfolg soll den Vorwurf der «Biopiraterie» ausräumen.

Von Ralf E. Krüger, dpa

Johannesburg (dpa) - Der kniehohe Kaktus wirkt stachelig, unscheinbar und wenig nahrhaft. Hoodia heißt die Pflanze, die am Rande der Kalahari-Wüste gedeiht und den Buschmännern auf ihren langen Jagdausflügen den Appetit verdirbt. Seit Jahrtausenden schon schieben sie sich ein Stück Kaktus in den Mund, kauen darauf herum und unterdrücken so für lange Zeit Hunger- und Durstgefühle.

Diesen Erfahrungsschatz will der durch die Potenzpille Viagra bekannt gewordene Pharmakonzern Pfizer nun heben und als Appetitzügler für Fettleibige auf den Markt bringen. Allein in den USA wird sein Volumen auf 3 Milliarden Dollar (rund 3 Milliarden Euro) geschätzt. Die klinische Erforschung der P57 genannten Substanz geht bereits ins dritte Jahr.

Ein als wegweisend gewertetes Abkommen mit den Buschleuten machte nun auch ethisch den Weg für die erfolgreiche Vermarktung des künftigen Schlankheitsmittels frei. Der vergangenen Montag am Rande der Kalahari unterzeichnete Vertrag sieht die finanzielle Beteiligung der San an der Vermarktung des neuen Wunderpräparats vor.

Denn die San - so der korrekte Name der südafrikanischen Ureinwohner - fühlten sich buchstäblich übers Ohr gehauen, als der fragliche Wirkstoff 1996 patentiert wurde. Südafrikas Rat für Wissenschaftliche und Industrielle Forschung (CSIR) hatte ihn isoliert und dann die Rechte für die Entwicklung an die britische Firma Phytopharm plc verkauft, die sie wiederum für 21 Millionen Dollar an den Pfizer-Konzern verkaufte.

Über die Grenzen des Nach-Apartheid-Staates hinaus erscholl damals der Vorwurf der «Biopiraterie». Westliche Konzerne bedienten sich des Wissens der Ureinwohner, zahlten ihnen aber nichts - ein Phänomen, das auch im vergangenen Jahr den Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg beschäftigte.

Im Falle des Hoodia-Kaktus entdeckten beide Seiten jedoch recht schnell, dass sie im Gegeneinander nur verlieren konnten. Den weit über den Süden Afrikas verstreut lebenden San fehlte das Geld für die auf 500 Millionen Dollar geschätzte Entwicklung der Substanz. Der Pharmaindustrie dagegen drohten gerichtliche Auseinandersetzung und Imageverlust.

Nach dem nun ausgehandelten Modell erhält der San-Rat - er repräsentiert die rund 100.000 Mitglieder der verschiedenen Stämme - über vier Jahre eine Anzahlung von 1,5 Millionen Euro, wenn aus dem Kaktus ein erfolgreiches Schlankheitspräparat wird. Außerdem werden bei der für frühestens 2008 erwarteten P-57-Markteinführung von den an die CSIR zu zahlenden Lizenzgebühren 6 Prozent für den Fonds des San-Rates fällig.

Weiter hat sich Pfizer nach CSIR-Angaben verpflichtet, Hoodia-Pflanzen in Südafrika zu kultivieren, sollte es natürliche Substanzen zur Grundlage seines künftigen Schlankheitsmittels machen. «Wir respektieren den Reichtum und den Wert eures traditionellen Wissens», erklärte CSIR-Chef Sibusiso Sibisi bei der Vertragsunterzeichnung.

Die Wirkung der auch als Fitmacher von den Ureinwohnern genutzten Pflanze war bereits auch Südafrikas Militärs aufgefallen, die San- Jäger als Späher und Fährtenleser einsetzten. Sie hatten sich gewundert, wieso die schmächtigen Buschleute so lange und ausdauernd ohne Essen und Trinken in einer feindlichen Umgebung auskommen können.

 

 Mehr Informationen:

CSIR

Kampagne gegen Biopiraterie

Telepolis: Biopiraterie, neokoloniale Schatzpolitik und die Public Domain

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