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- 13.03.03 -

 

 

 

 

 


 

Ökosysteme: "Wälder" in der Tiefsee

Röhrenbauende Tiefseewürmer bilden regelrechte Wälder auf dem Meeresgrund, die anderen Tierarten erst die Ansiedlung in einer giftigen Umgebung ermöglichen.

(jkm) - Röhrenbauende Tiefseewürmer besitzen mehr als nur optische Ähnlichkeit mit Wäldern, haben amerikanische Biologen entdeckt. Wie die Forscher im Fachblatt "Ecology Letters" berichten, schaffen die Würmer sowohl ein räumliches als auch ein chemisches Habitat. Erst durch ihren hohen Konsum von Schwefelwasserstoff erlauben sie anderen Tierarten die Ansiedlung in einer giftigen Umgebung.

Erst seit wenigen Jahren weiß man, dass es in der Tiefsee wahre Oasen des Lebens gibt, etwa in der Umgebung hydrothermaler Quellen an den mittelozeanischen Rücken. Weniger spektakulär, aber nicht minder fruchtbar, sind die "Cold Seeps" der Kontinentalränder, wo Kohlenwasserstoffe und Schwefelwasserstoff aus dem Sediment sickern.

Charles Fisher von der Pennsylvania State University in University Park und seine Kollegen erforschen einen Hauptbewohner der Cold Seeps, den Röhrenwurm Lamellibrachia luymesi. Die Tiere besitzen weder Mund, Darm noch After, sondern nehmen Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff aus Meerwasser und Sediment auf. Diese Verbindungen nutzen Bakterien in einem speziellen Organ der Würmer zur Energie- und Biomasseproduktion. Dicht an dicht aus dem Sediment ragend, erinnern die meterlangen Wohnröhren der Tiere an Wälder auf dem Meeresgrund.

Fisher und sein Team wollten nun herausfinden, wie diese "Wälder" ihre Umgebung beeinflussen. Dazu untersuchten sie Teile von Lamellibrachia-Kolonien, die aus 540 Metern Tiefe aus dem Golf von Mexiko emporgeholt worden waren, und schätzten Wachstum, Sterblichkeit und Stoffwechsel der Tiere ab. Eine aus Tausend Tieren bestehende Kolonie verbraucht demnach fast ein Gramm giftigen Schwefelwasserstoffs pro Stunde. Erst diese Entgiftungsleistung ermöglicht weniger gut angepassten Tieren die Besiedlung der Cold Seeps, glauben die Forscher.

"Lamellibrachia luymesi fungiert als Ökosystem-Ingenieur, indem sie nicht nur ein biogenes Habitat schafft, sondern auch Fluss und Verteilung von Sulfid und Sulfat verändert", schreiben die Biologen. Sie schätzen, dass einzelne Individuen deutlich über 200 Jahre alt werden. Einzelne Kolonien können mehrere Hundert Quadratmeter Meeresgrund bedecken und über viele Jahrhunderte bestehen - vorausgesetzt, der Nachschub an Schwefelwasserstoff bleibt nicht aus.

 


©
C. Fisher/OAR/National Undersea Research Program (NURP); Penn State University

Diese Röhrenwürmer im Golf von Mexiko sind 2 m lang.

 

 Mehr Informationen:

Fisher Deep-Sea Laboratory: Life Without Light

Chemoautotrophe Bakterien als Symbionten

Hydrothermale Quellen

 

 Lesen Sie auch:

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