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Ökosysteme: "Wälder"
in der Tiefsee
Röhrenbauende Tiefseewürmer
bilden regelrechte Wälder auf dem Meeresgrund, die anderen
Tierarten erst die Ansiedlung in einer giftigen Umgebung ermöglichen.
(jkm) - Röhrenbauende Tiefseewürmer
besitzen mehr als nur optische Ähnlichkeit mit Wäldern,
haben amerikanische Biologen entdeckt. Wie die Forscher im Fachblatt
"Ecology Letters" berichten, schaffen die Würmer
sowohl ein räumliches als auch ein chemisches Habitat. Erst
durch ihren hohen Konsum von Schwefelwasserstoff erlauben sie
anderen Tierarten die Ansiedlung in einer giftigen Umgebung.
Erst seit wenigen Jahren weiß
man, dass es in der Tiefsee wahre Oasen des Lebens gibt, etwa
in der Umgebung hydrothermaler Quellen an den mittelozeanischen
Rücken. Weniger spektakulär, aber nicht minder fruchtbar,
sind die "Cold Seeps" der Kontinentalränder, wo
Kohlenwasserstoffe und Schwefelwasserstoff aus dem Sediment sickern.
Charles Fisher von der Pennsylvania
State University in University Park und seine Kollegen erforschen
einen Hauptbewohner der Cold Seeps, den Röhrenwurm Lamellibrachia
luymesi. Die Tiere besitzen weder Mund, Darm noch After, sondern
nehmen Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff aus Meerwasser und
Sediment auf. Diese Verbindungen nutzen Bakterien in einem speziellen
Organ der Würmer zur Energie- und Biomasseproduktion. Dicht
an dicht aus dem Sediment ragend, erinnern die meterlangen Wohnröhren
der Tiere an Wälder auf dem Meeresgrund.
Fisher und sein Team wollten nun
herausfinden, wie diese "Wälder" ihre Umgebung
beeinflussen. Dazu untersuchten sie Teile von Lamellibrachia-Kolonien,
die aus 540 Metern Tiefe aus dem Golf von Mexiko emporgeholt worden
waren, und schätzten Wachstum, Sterblichkeit und Stoffwechsel
der Tiere ab. Eine aus Tausend Tieren bestehende Kolonie verbraucht
demnach fast ein Gramm giftigen Schwefelwasserstoffs pro Stunde.
Erst diese Entgiftungsleistung ermöglicht weniger gut angepassten
Tieren die Besiedlung der Cold Seeps, glauben die Forscher.
"Lamellibrachia luymesi fungiert
als Ökosystem-Ingenieur, indem sie nicht nur ein biogenes
Habitat schafft, sondern auch Fluss und Verteilung von Sulfid
und Sulfat verändert", schreiben die Biologen. Sie schätzen,
dass einzelne Individuen deutlich über 200 Jahre alt werden.
Einzelne Kolonien können mehrere Hundert Quadratmeter Meeresgrund
bedecken und über viele Jahrhunderte bestehen - vorausgesetzt,
der Nachschub an Schwefelwasserstoff bleibt nicht aus.
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