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Vor 44.000 Jahren: Riesige Methanausbrüche
im Ozean
Im Laufe der Erdgeschichte
kam es in den Ozeanen wiederholt zu starken Methan-Ausbrüchen.
Einen 44.100 Jahre alten Ausbruch und seine drastischen Folgen
für die Meereslebewesen konnten Forscher jetzt nachweisen.
(jkm) - Der Geochemiker Kai-Uwe
Hinrichs von der Universität Bremen und zwei Kollegen vom
amerikanischen Woods Hole Oceanographic Institution untersuchten
Bohrkerne, die vor der Südküste Kaliforniens erbohrt
worden waren. Die Forscher fahndeten gezielt nach Indizien für
Methan-Ausbrüche, für die es bereits indirekte Hinweise
gegeben hatte. "Wir suchten quasi nach "Fingerabdrücken"
von Bakterien, die von derartigen Methaneruptionen profitiert
hätten", erklärt Hinrichs.
Das Gas lagerte ursprünglich
als eisförmiges Methanhydrat im Meeresboden. Durch abruptes,
katastrophenartiges Abschmelzen konnte es freigesetzt werden -
ein Vorgang, der sich heute anhand von Fossilien damaliger Bakteriengemeinschaften
nachweisen lässt: In einer etwa 44.100 Jahre alten Sedimentschicht
stießen die Forscher auf Spuren von Bakterien, die zwar
ohne Sauerstoff, nicht aber ohne Methan als Energiequelle überleben
können.
Hinrichs Kollege James Kennett
schätzt, dass bei dem Ausbruch bis zu 90 Millionen Tonnen
Methangas freigesetzt wurden. Etwa zehn Jahre lang müssen
die Methan liebenden Bakterien die Region dominiert haben. Erst
dann konnten sich wieder Sauerstoff zehrende Bakterien und höhere
Organismen durchsetzen.
Im Magazin "Science"
berichten die Forscher, im Untersuchungsgebiet habe es während
der letzten 60.000 Jahren mehrfach heftige Methangas-Ausbrüche
gegeben. Diese seien vor allem in milderen Phasen der vor 12.000
Jahren zu Ende gegangenen Kaltzeit aufgetreten. "Methan ist
in Form eisähnlicher Kristalle im Meeresboden gespeichert.
Und es ist nur innerhalb eines bestimmten Druck- und Temperaturbereichs
stabil", erklärt Hinrichs. Er vermutet, untermeerische
Hänge seien ins Rutschen gekommen, hätten den Druck
vom Methaneis genommen und so das Treibhausgas frei gesetzt.
Aktuellen Schätzungen zufolge
sind in den Böden der Ozeane und Kontinente etwa 10.000 Milliarden
Tonnen Methan-Kohlenstoff gespeichert. Zum Vergleich: Der vom
Menschen in den letzten 150 Jahren verursachte Treibhauseffekt
wurde durch die Freisetzung von 210 Milliarden Tonnen Kohlenstoff
in Form von Kohlendioxid bewirkt. Selbst wenn nur ein kleiner
Teil des gespeicherten Methans in die Erdatmosphäre entweichen
würde, würde dies den Treibhauseffekt enorm anheizen.
Die aktuelle Untersuchung gibt
allerdings keinen Hinweis darauf, wie viel Methan damals in die
Atmosphäre entwich, schränkt Hinrichs ein. "Dennoch
verdeutlichen die Ergebnisse, wie drastisch Ozeanrandgebiete auf
relativ geringe Umweltveränderungen reagieren können."
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