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Amerikas Feind Nummer 2:
Furcht vor neuem Golfkriegssyndrom
Viele Golfkriegsveteranen leiden
bis heute unter chronischen Beschwerden, bei einer Irak-Invasion
wäre das Golfkriegssyndrom daher Amerikas Gegner Nummer 2.
Von Gabriele Chwallek, dpa
Washington (dpa) - Wenn die USA
gegen den Irak in den Krieg ziehen, haben sie es nicht nur mit
dem irakischen Militär als Feind zu tun. Die Regierung will
alles daran setzen, ein Wiederauftauchen jenes Phänomens
zu verhindern, das den Sieg im Golfkrieg von 1991 über Jahre
überschattete und das Vertrauen der Soldaten in die politische
und militärische Führung erschütterte. Amerikas
Gegner Nummer 2 bei einer Irak-Invasion ist das Golfkriegssyndrom
- eine vage Bezeichnung, die nie durch eine andere ersetzt wurde,
weil man trotz zahlreicher Studien und Forschungsprojekte weiter
im Dunkeln tappt. Nach wie vor ist völlig unklar, was die
chronischen Beschwerden bei vielen Soldaten ausgelöst hat.
Es begann im Jahr 1992. Da berichteten
Golfkriegsveteranen aus Indiana erstmals über verschiedene
Symptome wie Müdigkeit, Kopf- und Gelenkschmerzen, Hautausschläge,
Durchfall, Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und
Stimmungsschwankungen. Im Laufe der Monate und Jahre mehrten sich
die Klagen.
Heute gehen Schätzungen
dahin, dass bis zu 160.000 der insgesamt fast 700.000 bei der
Operation «Desert Storm» eingesetzen Männer und
Frauen an dem geheimnisvollen Syndrom leiden könnten. Das
ergibt sich aus Hochrechnungen auf der Basis einer Studie von
1995, bei der die Gesundheit von 15.000 Golfkriegsveteranen und
mit der von 15.000 anderen Soldaten verglichen wurde. «Sind
wir besorgt, dass sich das Syndrom wiederholt? Die Antwort lautet
eindeutig ja», zitiert die «Washington Post»
den Militär-Epidemiologen Robert DeFraites, der an den Untersuchungen
der ersten Fälle beteiligt war.
Die Nachforschungen waren nur
zögerlich angelaufen - nach Meinung von Kritikern deshalb,
weil die Regierung unangenehme Entdeckungen fürchtete. Bis
heute sind Spekulationen über einen möglichen «Cover
up» nicht völlig verstummt. Viele der betroffenen Veteranen,
aber auch manche unabhängige Experten glauben, dass die Beschwerden
durch ungeschützten Kontakt mit chemischen Kampfstoffen ausgelöst
wurden. Diese Stoffe, so heißt es, könnten durch amerikanische
Bombardements von irakischen Einrichtungen freigesetzt worden
sein.
Auch abgereichertes Uran enthaltende
US-Munition, bestimmte Impfstoffe, Wüstenstaub, Rauch, tropische
Infektionen und Pestizide wurden im Laufe der Jahre als Auslöser
in Betracht gezogen. 14 offizielle Kommissionen, darunter ein
vom Präsidenten eingesetztes Gremium, schlossen indessen
alle genannten Faktoren aus. Sie tippten vielmehr auf Stress -
insbesondere Furcht vor biologischen oder chemischen Attacken
- als Verursacher.
Mehrheitlich geht man in der
wissenschaftlichen Welt mittlerweile davon aus, dass das Golfkriegssyndrom
keine «einzigartige» Erscheinung sei und keine besondere
Ursache habe. Es sei vielmehr eine «alles umfassende»
Bezeichnung von diversen Problemen mit diversen Ursachen. Kurzum:
Nach insgesamt 224 von der Regierung mitfinanzierten Studien gibt
es weiter keine klare Antwort.
Einigkeit besteht darin, dass
alles Mögliche getan werden müsse, um das Risiko eines
neuen Syndroms zu minimieren. So werden bei einem Irak-Krieg Spezialisten
Luft-, Wasser- und Erdproben an den Einsatzorten entnehmen. Sensoren
zum Aufspüren chemischer Kampfstoffe, die im Golfkrieg von
1991 immer wieder falschen Alarm auslösten, sind modernisiert
worden und können jetzt auch Dünste in größerer
Entfernung entdecken. Anders als im Golfkrieg stehen auch fünf
verschiedene Arten von Biodetektoren zu Verfügung, die Stoffe
wie Milzbrand-Sporen oder Pest-Bakterien ausmachen können.
Außerdem muss jeder Soldat vor der Entsendung in die Golfregion
und gleich nach der Rückkehr einen «Gesundheitsfragebogen»
ausfüllen.
«Wir haben unsere Lektionen
gelernt», sagt der bei der US-Armee für biologische
und chemische Verteidigung zuständige Brigadegeneral Stephen
Reeves. «Und wir wenden unser Wissen an.»
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