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Abwasser: Koffein entlarvt Sünder
Koffein im Wasser von Seen
verrät, aus wie vielen Haushalten das eingeleitete Abwasser
stammt. Mehr noch: Stark erhöhte Konzentrationen der Substanz
deuten auf Abwässer hin, die vor der Einleitung kein Klärwerk
durchlaufen haben.
(jkm) - Mit Spülwasser und
Urin gelangen große Mengen von Koffein in die Kanalisation.
Obwohl der Großteil des Alkaloids im Klärwerk abgebaut
wird, lässt es sich immer noch in Flüssen und Seen nachweisen.
Daher stellt die chemisch stabile Substanz einen guten Indikator
für Abwassereinleitungen dar, sind Ignaz Bürge von der
Eidgenössischen Forschungsanstalt für Obst-, Wein- und
Gartenbau Wädenswil und seine Kollegen überzeugt. Zudem
lasse die Koffeinkonzentration Rückschlüsse auf andere
Schadstoffe wie etwa Detergenzien aus Spülmitteln zu, schreiben
sie im Fachblatt "Environmental Science & Technology".
Die Forscher ermittelten die Koffeinkonzentration
in Abwässern, bevor diese in Klärwerke flossen, und
in stromabwärts gelegenen Flüssen und Seen. Anhand der
Resultate schätzen sie, dass pro Anwohner täglich eine
Koffeinmenge entsprechend etwa 20 Millilitern Kaffee in die Kanalisation
gelangt. Der nahe Zürich gelegene Greifensees passte nicht
in dieses Schema: In seinem Wasser fanden sich fünfmal höhere
Koffeinkonzentrationen als erwartet. Daraus schließen Bürge
und seine Kollegen, dass ungeklärte Abwässer in den
See eingeleitet werden.
Bereits im März letzten Jahres
hatten amerikanische Forscher eine ganze Reihe weiterer potenzieller
Abwasser-Indikatoren entdeckt. Bei der Untersuchung von 139 Gewässern
in 30 Bundesstaaten fanden Dana Kolpin und ihr Team vom US Geological
Survey neben Koffein und Abbauprodukten des Nikotins auch Rückstände
aus Schmerz-, Herz- und Bluthochdruck-Medikamenten sowie Sexualhormone
aus Verhütungsmitteln. Welchen Einfluss diese Substanzen
- insbesondre die Geschlechtshormone - auf Tiere und Menschen
haben, ist weitgehend unerforscht.
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