Naturkatastrophen: Schäden drastisch gestiegen - weniger Tote
Die weltweiten Schäden durch Naturkatastrophen sind im Jahr 2002 vor allem wegen der Jahrhundertflut in Europa drastisch nach oben geschnellt.
München (dpa) - Die Volkswirtschaft sei 2002 dadurch mit 55 Milliarden Dollar (52,8 Milliarden Euro) geschädigt worden. Im Vorjahr waren es noch 35 Milliarden Dollar (33,6 Milliarden Euro), teilte die Münchener Rück am Montag mit. Allein das Hochwasser an Donau, Elbe, Moldau und ihren Nebenflüssen vom August habe einen Schaden von 18,5 Milliarden Dollar (17,7 Milliarden Euro) verursacht. Nur gut 3 Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Euro) davon seien versichert gewesen.
Der weltgrößte Rückversicherer führt den Anstieg der Unwetterkatastrophen vor allem auf einen globalen Klimawandel zurück und rechnet daher mit einem weiteren Anstieg der Schäden. Derzeit gebe es Vorboten eines neuen «El Nino»-Phänomens.
Bei Erdbeben, Überschwemmungen, Stürmen und anderen Naturkatastrophen sind im abgelaufenen Jahr den Experten zufolge weltweit etwa 11.000 Menschen gestorben. Dies waren deutlich weniger als im Jahr zuvor (mindestens 25.000), als vor allem bei den Erdbeben in Nordwestindien und El Salvador tausende von Menschen getötet wurden. 2002 haben nach Einschätzung der Münchener Rück angesichts der Rekordwerte bei Stürmen, Niederschlägen und Überschwemmungen oft nur glückliche Umstände noch größere Schäden verhindert.
Globale Erwärmung ungebremst
Stürme und Überschwemmungen machten knapp 500 der von der Münchener Rück erfassten 700 Naturkatastrophen aus. «2002 war mit 1998 das wärmste Jahr seit es weltweite Temperaturaufzeichnungen gibt - ein Beleg für den nach wie vor ungebremsten globalen Erwärmungstrend», sagte Gerhard Berz, Leiter des Fachbereichs GeoRisikoForschung bei der Versicherung. Kritische Extremwerte bei Windgeschwindigkeiten und Niederschlagsmengen würden immer häufiger überschritten. So seien in Dresden zum Beispiel am 12. August innerhalb von 24 Stunden rund 158 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Das sei mehr als doppelt so viel als dort jemals zuvor gemessen wurde.
Stürme und Überschwemmungen an der gesamten Pazifikküste der USA und eine Dürre in Australien deuteten derzeit auf ein neues «El Nino»-Phänomen hin. Das Klimaereignis hatte zuletzt 1998 das Weltwetter durcheinander gebracht.
Erdbeben richteten 2002 deutlich weniger Schaden an als im Jahr zuvor. Am schlimmsten war mit mindestens 2000 Toten das Beben in Afghanistan im Frühjahr. Das stärkste Beben ereignete sich im November in Alaska. Da das Epizentrum in einer kaum besiedelten Region lag, hielten sich die Schäden aber in Grenzen.
Wie in den Vorjahren war ein großer Teil der durch Naturkatastrophen angerichteten Schäden nicht versichert. Die Münchener Rück schätzt, dass die Versicherer wie im Vorjahr nur etwa ein Fünftel der volkswirtschaftlichen Gesamtschäden von 55 Milliarden Dollar auszahlten.