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- 17.12.2002 -

 

 

 

 


 

Antarktis: Salzsee unter 19 Metern Eis

Der Lake Vida, ein See im antarktischen Viktorialand, könnte tief unter seiner dicken Eisdecke Leben beherbergen. Das vermuten amerikanische Wissenschaftler, die den See neu vermessen haben.

(jkm) - Ursprünglich schätzte man, dass Lake Vida um die zehn Meter tief und wie die meisten anderen antarktischen Seen auch bis auf den Grund gefroren sei. Dann entdeckten die Forscher um Peter Doran von der Universität Illinois, dass das Eis wesentlich tiefer hinab reicht: Im Jahr 1996 bohrten sie 16 Meter tief und förderten zwei Eiskerne zu Tage, aus denen das Alter des Sees abgelesen werden konnte. Jetzt berichten die Wissenschaftler, dass Lake Vida von einem insgesamt 19 Meter dicken Eispanzer bedeckt ist. Unter diesem Panzer befindet sich extrem kaltes, flüssiges Salzwasser, schreiben sie in der neuen Ausgabe der "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Wie die Untersuchung der Bohrkerne ergab, muss der See mindestens 2.800 Jahre alt sein. Damals lebten auch Mikroorganismen im See, die ihre Spuren im Eis hinterlassen haben. Seitdem ist der Lake Vida vom Eis bedeckt, weder Luft noch Licht dringen in die Tiefe vor. Trotzdem könnten sich die Kleinlebewesen erhalten haben, vermutet Peter Doran: "Entsprechende Organismen könnten von der Chemosynthese leben, ihre Energie also aus den sie umgebenden Chemikalien beziehen."

Aus den Bohrkernen sowie aus Radar- und Temperaturmessungen errechneten die Forscher, der See müsse minus 10 Grad Celsius kalt sein. Dass er nicht gefriere, verdanke er seinem hohen Salzgehalt: Siebenmal soviel Salz wie im umgebenden Ozeanwasser habe sich im Lake Vida konzentriert. Den so lange unberührt gebliebene See anzubohren, haben die Forscher noch nicht gewagt. Sie stoppten die Bohrung drei Meter über dem See und verschlossen ihre Bohrlöcher mit Eispfropfen, um das vermutete Ökosystem nicht zu beeinträchtigen.

Doch für alle Ewigkeit bleibt der See nicht unberührt. Die amerikanische "National Science Foundation" und die NASA unterstützen das Ziel der Antarktis-Forscher, eine Wasserprobe zu entnehmen. Die Technik, die das Anzapfen des Lake Vida ermöglicht, soll eines Tages auch auf dem Mars eingesetzt werden. Einige Regionen unseres Nachbar-Planeten sind von einer vergleichbar dicken Eisschicht bedeckt, unter der Astronomen flüssiges Wasser vermuten.

Sollten im antarktischen See tatsächlich lebende Organismen gefunden werden, ließe dies auch Leben auf dem Mars wahrscheinlicher erscheinen. Doran ist von einer Parallele zwischen Erde und Mars überzeugt: "Selbst wenn es solche Seen auf dem Mars nicht mehr geben sollte, so steht der Lake Vida doch auf jeden Fall beispielhaft für die Vergangenheit des roten Planeten."

 


© Thomas Nylen / NSF

Wetterstation am Lake Vida: Das Bild wurde im Januar 2002 aufgenommen. Im Sommer sammelt sich ca. 1m Schmelzwasser über der 19m dicken Eisschicht.

 

 Mehr Informationen:

National Science Foundation

Wetterstation am Lake Vida

g-o.de: Extremophile

 

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