|
Rollende Kläranlage: Zugtoilette
mit Bioreaktor
Eine neuartige Zugtoilette
soll Fahrgästen wie Bahnpersonal das Leben erleichtern und
die Umwelt schonen.
(jkm) - Der jetzt auf einer Fachmesse
vorgestellte Hightech-Abort besitzt eine eigene Kläranlage,
in der die Exkremente von Bakterien abgebaut und das Wasser wiederaufbereitet
wird. Verstopfungen der Toilette sollen damit der Vergangenheit
angehören, Wartungen sind nur noch gelegentlich nötig.
Entwickelt wurde die Technik von
Forschern der Firma Qinetiq, dem kommerziellen Ableger der britischen
Behörde für Wehrforschung, und von TWR Rail, einem Hersteller
von Eisenbahntechnik. Ursprünglich gedacht, um britischen
Kriegsschiffen die Einhaltung strengerer Umweltvorschriften zu
ermöglichen, könnte sie auch in Hochhäusern eingesetzt
werden und Kanalgebühren und Wasserkosten senken helfen,
so die Online-Ausgabe des Magazins "Nature".
Bei der für den rollenden
Einsatz modifizierten Variante werden die Exkremente - ähnlich
wie bei Flugzeug- oder Zugtoiletten jüngeren Datums - mit
Hilfe von Unterdruck aus der Toilettenschüssel gesaugt. Zunächst
werden sie in einem Mazerator zerkleinert und eingeweicht und
dann in einen Bioreaktor geleitet. Dort nehmen sich Mikroben der
Masse an und bauen sie im optimalen Fall zu Kohlendioxid und Wasser
ab.
Das Gas wird abgeleitet, während
das Wasser durch eine feine Membran gepresst und so von Proteinen,
Harnstoff und Mikroben befreit wird. Diese als umgekehrte Osmose
bezeichnete Technik kommt beispielsweise auch in Meerwasser-Entsalzungsanlagen
zum Einsatz. Derart filtriert, wird das Wasser noch mit Hilfe
von ultraviolettem Licht sterilisiert und kann erneut für
die Toilettenspülung oder zum Händewaschen verwendet
werden.
Große Tanks für Wasser
und Fäkalien erübrigen sich damit, auch benötigt
der Bioreaktor nach Angaben der Forscher nur alle dreißig
Tage eine Reinigung. Die Auffangbehälter von derzeit üblichen
Zugtoiletten müssen dagegen alle drei Tage entleert werden.
|