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- 31.10.2002 -

 

 

 

 


 

Boden: Verwirrende Reaktion auf Überlast

Wie wirkt es sich aus, dass immer mehr Stickstoff in die Umwelt gelangt? Verblüffende Resultate hat ein Langzeit-Düngeexperiment in den Rocky Mountains ergeben.

(jkm) - Die Ausbringung von Stickstoffdünger erhöhte zwar die Produktivität der Pflanzen und hatte deutlichen Einfluss auf die Zersetzungsprozesse im Erdreich. Der Kohlenstoffgehalt im Boden änderte sich im Mittel jedoch nicht, berichten amerikanische und deutsche Forscher im Fachmagazin "Nature". Dies zeige, dass die gegenwärtigen Modelle des Kohlenstoff-Kreislaufs den Einfluss des Stickstoffs nur unzureichend erfassten.

Vor allem durch die Verfeuerung fossiler Brennstoffe und mit landwirtschaftlichem Dünger gelangt immer mehr Stickstoff in die Umwelt. "Der in Böden eingetragene Stickstoff könnte das Pflanzenwachstum beschleunigen - zumindest für eine Weile", erläutert Alan Townsend von der University of Colorado in Boulder. Dabei würde der Atmosphäre das Treibhausgas Kohlendioxid entzogen. Umgekehrt könne der Stickstoff aber auch die Zersetzungsprozesse im Boden beschleunigen, "was zusätzliches Kohlendioxid in die Atmosphäre bringen würde."

Um mehr über den Einfluss des Stickstoffs herauszufinden, wird seit 1990 ein entsprechendes Experiment auf einer Heidefläche im US-Bundesstaat Colorado durchgeführt. Dabei erhält ein Teil des Bodens jährlich zusätzlich 10 Gramm Stickstoff pro Quadratmeter, der Rest der Fläche bleibt unbehandelt. Townsend und seine Kollegen berichten nun über die Ergebnisse dieses Langzeitexperiments.

Demnach erhöhte der zusätzliche Stickstoff die Produktivität der Pflanzen um fast 50 Prozent. Gleichzeitig wurden mikrobielle Biomasse und mehr oder weniger stark zersetztes Pflanzenmaterial nun deutlich schneller abgebaut. An Bodenmineralien gebundenes organisches Material schien durch die Düngung dagegen regelrecht stabilisiert zu werden. Im Mittel glichen sich diese zwei Veränderungen jedoch aus, so dass der Kohlenstoffgehalt des Bodens sich auf den gedüngten Flächen kaum änderte.

Viele der gegenwärtig benutzten Modelle behandelten den im Boden gespeicherten Kohlenstoff als einheitliche Masse, schreiben die Forscher. Die neuen Daten zeigten, dass ein tieferes Verständnis des Stickstoffeinflusses und bessere Messmethoden für den im Boden gespeicherten Kohlenstoff nötig seien.

"Wenn schon kühle Tundraböden empfindlich auf Stickstoff reagieren, muss man sich fragen, was wohl in anderen, wärmeren Teilen der Welt geschehen mag, wo Veränderungen schneller ablaufen können", so Townsend.

 

 Mehr Informationen:

Biokurs.de: Kohlenstoff- und Stickstoffkreislauf

Stoffkreisläufe

Nutrient Overload - Unbalancing the Global Nitrogen Cycle

 

 Lesen Sie auch:

Erde: Vulkane schließen Stickstoff-Kreislauf

Stickstoffkreislauf: Verschmutzung gemessen?

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