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Arktis: Neue Eiszeit durch Salz aus dem
Mittelmeer?
Das Packeis rund um den Nordpol
schmilzt. Begünstigt von der globalen Erwärmung könnte
es bald ganz verschwunden sein. Doch innerhalb weniger Jahrzehnte
könnte das Packeis auferstehen und eine neue Eiszeit einläuten,
glaubt ein US-Geophysiker.
(jkm) - Auslöser für
die neue Eiszeit könnte nach Meinung von Robert Johnson von
der University of Minnesota der steigende Salzgehalt des Mittelmeeres
sein. Johnson verweist auf einen vergleichbaren Fall in der Erdgeschichte:
Schon vor 150.000 Jahren waren große Mengen Salz vom Mittelmeer
über die Straße von Gibraltar nach Norden gespült
worden und hatten dort eine Eiszeit ausgelöst.
Die Straße von Gibraltar
trennt Europa von Nordafrika und verbindet den Atlantik mit dem
Mittelmeer. Die Meeresenge ist an der schmalsten Stelle nur 14
Kilometer breit. In Tiefen von 200 bis 400 Metern fließt
salzarmes Oberflächenwasser vom Atlantik ins Mittelmeer,
in Tiefen von 300 bis 600 Metern dagegen gibt das Mittelmeer besonders
salziges Wasser an den atlantischen Ozean ab.
Wenn die salzige Strömung
Richtung Nordpol zieht und im arktischen Ozean auf kaltes Flusswasser
aus Kanada und Sibirien trifft, sinken die schweren Wassermassen
in die Tiefe. Das wärmere, leichtere Oberflächenwasser
lässt derweil das Packeis schmelzen, in dem viel Süßwasser
gebunden ist.
Weil der Salzgehalt des Mittelmeeres
seit 40 Jahren steigt, gelangt immer mehr Salzwasser in die kalte
Tiefsee des arktischen Ozeans, meint Johnson. Nach seinem Modell
lässt die Kombination aus leichtem, warmen Oberflächenwasser
und der globalen Erwärmung das Packeis immer schneller schmelzen
- ein Prozess, der erst zum Stillstand kommt, wenn alles Packeis
geschmolzen ist. Erst dann verschwindet der Nachschub frischen,
salzarmen Wassers.
Nimmt der Anteil salzarmen Oberflächenwassers
ab, beginnt kaltes Salzwasser das arktische Klima zu dominieren.
Es strömt dann auch in die Baffinbai vor Grönland, die
bis jetzt rund acht Monate im Jahr von dicken Eisschichten bedeckt
ist. Wenn das kalte Wasser dort salziger wird und in die Tiefe
sinkt anstatt Eis zu bilden, bleibt die Oberfäche der Baffinbai
eisfrei.
Stürme aus der wärmeren
Labradorsee könnten das Wasser der Baffinbai aufnehmen und
starke Schneefälle in der Region auslösen. Mit dem Schnee
komme dann genau jener Abkühlungsprozess wieder in Gang,
der schon vor 150.000 Jahren zur Eiszeit geführt habe, sagt
Johnson.
Der Forscher wird sein Klimamodell
am 29.10. auf dem Jahrestreffen der "Geological Society of
America" in Denver vorstellen.
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