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- 25.10.2002 -

 

 

 

 


 

Arktis: Neue Eiszeit durch Salz aus dem Mittelmeer?

Das Packeis rund um den Nordpol schmilzt. Begünstigt von der globalen Erwärmung könnte es bald ganz verschwunden sein. Doch innerhalb weniger Jahrzehnte könnte das Packeis auferstehen und eine neue Eiszeit einläuten, glaubt ein US-Geophysiker.

(jkm) - Auslöser für die neue Eiszeit könnte nach Meinung von Robert Johnson von der University of Minnesota der steigende Salzgehalt des Mittelmeeres sein. Johnson verweist auf einen vergleichbaren Fall in der Erdgeschichte: Schon vor 150.000 Jahren waren große Mengen Salz vom Mittelmeer über die Straße von Gibraltar nach Norden gespült worden und hatten dort eine Eiszeit ausgelöst.

Die Straße von Gibraltar trennt Europa von Nordafrika und verbindet den Atlantik mit dem Mittelmeer. Die Meeresenge ist an der schmalsten Stelle nur 14 Kilometer breit. In Tiefen von 200 bis 400 Metern fließt salzarmes Oberflächenwasser vom Atlantik ins Mittelmeer, in Tiefen von 300 bis 600 Metern dagegen gibt das Mittelmeer besonders salziges Wasser an den atlantischen Ozean ab.

Wenn die salzige Strömung Richtung Nordpol zieht und im arktischen Ozean auf kaltes Flusswasser aus Kanada und Sibirien trifft, sinken die schweren Wassermassen in die Tiefe. Das wärmere, leichtere Oberflächenwasser lässt derweil das Packeis schmelzen, in dem viel Süßwasser gebunden ist.

Weil der Salzgehalt des Mittelmeeres seit 40 Jahren steigt, gelangt immer mehr Salzwasser in die kalte Tiefsee des arktischen Ozeans, meint Johnson. Nach seinem Modell lässt die Kombination aus leichtem, warmen Oberflächenwasser und der globalen Erwärmung das Packeis immer schneller schmelzen - ein Prozess, der erst zum Stillstand kommt, wenn alles Packeis geschmolzen ist. Erst dann verschwindet der Nachschub frischen, salzarmen Wassers.

Nimmt der Anteil salzarmen Oberflächenwassers ab, beginnt kaltes Salzwasser das arktische Klima zu dominieren. Es strömt dann auch in die Baffinbai vor Grönland, die bis jetzt rund acht Monate im Jahr von dicken Eisschichten bedeckt ist. Wenn das kalte Wasser dort salziger wird und in die Tiefe sinkt anstatt Eis zu bilden, bleibt die Oberfäche der Baffinbai eisfrei.

Stürme aus der wärmeren Labradorsee könnten das Wasser der Baffinbai aufnehmen und starke Schneefälle in der Region auslösen. Mit dem Schnee komme dann genau jener Abkühlungsprozess wieder in Gang, der schon vor 150.000 Jahren zur Eiszeit geführt habe, sagt Johnson.

Der Forscher wird sein Klimamodell am 29.10. auf dem Jahrestreffen der "Geological Society of America" in Denver vorstellen.

 

 Mehr Informationen:

Robert G. Johnson, Department of Geology and Geophysics, University of Minnesota

Max-Planck-Institut für Meteorologie: Schmelzen die Gletscher und die Polkappen?

 

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