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Pestizide: Weniger tut's auch
Wenn ein Landwirt langfristig
nur die Hälfte der sonst üblichen Menge an Unkrautbekämpfungsmitteln
ausbringt, kann er trotzdem auf gute Ernten hoffen.
(jkm) - Dies haben Langzeitversuche
der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft
(BBA) ergeben. Auch bei Mitteln gegen andere Schädlinge kann
die Dosierung auf lange Sicht deutlich reduziert werden. Voraussetzung
ist allerdings, dass der Landwirt seine Äcker ständig
im Auge hat.
Seit 1995 führen Wissenschaftler
der Bundesanstalt Versuche zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln
durch. Dazu werden Versuchsflächen südlich von Berlin
stets nur mit der Hälfte der üblichen Aufwandmenge behandelt.
Wie sich Unkräuter, Pilzkrankheiten und Schadinsekten unter
diesen Bedingungen entwickeln, zeigen jetzt die Ergebnisse der
ersten sechsjährigen Fruchtfolgerotation.
Die größten Einsparungen
scheinen demnach bei Herbiziden möglich zu sein, die in Deutschland
etwa die Hälfte der ausgebrachten Pflanzenschutzmittel ausmachen.
Die halbe Dosis war nur zehn Prozent weniger wirksam als die volle
Dosis, so dass der Ernteertrag kaum beeinträchtigt wurde.
"Dies ist ein auch für
uns erstaunliches und erfreuliches Ergebnis", kommentiert
Bernhard Pallutt vom BBA-Institut für integrierten Pflanzenbau
in Kleinmachnow. Man müsse jedoch stets die Rahmenbedingungen
beachten.
Im Falle besonders gut entwickelter
Kulturpflanzenbestände und leicht bekämpfbarer Ackerunkräuter
sei die Reduktion der Herbizidmenge unproblematisch gewesen. "Schwer
zu bekämpfende Unkräuter wie Windhalm und Klettenlabkraut
können allerdings mit der Zeit stärker auftreten."
Daher könne man den Landwirten
nicht generell empfehlen, künftig nur die Hälfte zu
spritzen. "Doch zeigen die Versuche deutlich, dass ein enormes
Einsparpotenzial auch über Jahre hinweg vorhanden ist",
so Pullatt weiter. "Der Landwirt muss sich aber - wie sonst
auch - die Bedingungen auf seinem Acker anschauen."
Ähnliche Resultate erhielten
die Forscher für Fungizide und Insektizide. Zu den scheinbar
überhöhten Dosierungsempfehlungen kommt es ihrer Ansicht
nach dadurch, dass die Hersteller die Wirksamkeit ihrer Mittel
gewährleisten müssen.
Wenn ein Landwirt nicht auf "100%igen"
Erfolg aus sei, könne er jedoch 20 bis 50 Prozent der Mittel
einsparen und so ökonomische und ökologische Vorteile
nutzen. Von großer Bedeutung seien diese Ergebnisse vor
allem für den integrierten Anbau, der den chemischen Pflanzenschutz
zu minimieren suche.
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