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Gleichgewicht:
Warum Vögel nicht von der Stange
fallen
Ein zweites Gleichgewichtsorgan
hat ein Bochumer Biologe bei Tauben entdeckt. Neben dem bekannten
Organ im Innenohr besitzen die Tiere demnach ein weiteres Gleichgewichtsorgan
im Beckengürtel. Beim Fliegen wird es zwar nicht benötigt,
ist für Gehen und Stehen jedoch umso wichtiger.
(jkm) - Ähnlich wie Menschenaffen
haben Vögel im Laufe der Evolution einen neuen Verwendungszweck
für ihre Vorderbeine entdeckt. Im Unterschied zum aufrecht
stehenden Menschen ist der Vogelkörper jedoch horizontal
ausgerichtet und beim Gehen oder Sitzen entsprechend schwierig
in Balance zu halten. Daher vermuten Biologen schon länger,
dass Vögel zusätzlich zum Innenohr ein weiteres Gleichgewichtsorgan
besitzen. Reinhold Necker von der Ruhr-Universität Bochum
fand dieses Organ nun in den Beckenwirbeln der Tiere.

© Ruhr-Universität Bochum
Schema des
lumbosacralen Rückenmarks bei Tauben.
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Als Anpassung an die zweibeinige
Fortbewegungsweise weist das Becken der Vögel anatomische
Besonderheiten auf. So sind die Beckenknochen und die Lenden-
und Kreuzwirbel zu einem stabilen Widerlager für die Beine
verschmolzen, dem so genannten Synsacrum. Zudem ist der Rückenmarkskanal
in diesem Bereich stark erweitert, das Rückenmark selbst
weist seitliche Auslappungen auf und ist von großen Flüssigkeitsräumen
umgeben. Necker fand nun flüssigkeitsgefüllte Bogengänge,
die von diesen Räumen ausgehen und durch den Wirbelkörper
ziehen. Ähnliche Bogengänge sind auch im Gleichgewichtsorgan
des Innenohrs zu finden.
Der Physiologe vermutete daher,
dass diese Struktur auf ganz ähnliche Weise funktioniert:
Kippt der Vogelkörper in eine Richtung, bleibt die Rückenmarksflüssigkeit
in den großen Flüssigkeitsräumen und Bogengängen
aufgrund ihrer Trägheit gewissermaßen "stehen".
Ähnlich Paddeln in einer Strömung werden die Auslappungen
des Rückenmarks dadurch aus ihrer Ruhelage ausgelenkt und
dies könnte die Nerven in den Lappen reizen.
Necker konnte nachweisen, dass
die Nervenzellen in den Lappen tatsächlich auf mechanische
Reize ansprechen. Passend dazu fand der Forscher, dass die Neuronen
ihre Reize nicht nur an das für die Bewegungssteuerung verantwortliche
Kleinhirn weiterleiten, sondern auch direkt in die Steuerung der
Beinmuskulatur eingreifen.
Den endgültigen Beleg lieferten
Vögel, bei denen die Flüssigkeitsräume im Beckenbereich
geöffnet worden waren: Mit verbundenen Augen waren die Tiere
nun nicht mehr in der Lage, gerade zu stehen oder zu laufen. Anscheinend
ist das Gleichgewichtsorgan im Becken aber nur für die Beinmotorik
zuständig, denn Fliegen konnten die Tauben nach wie vor.
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