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- 11.10.2002 -

 

 

 

 


 

Amerika: Chemiekrieg unter Bäumen

Per chemischer Kriegsführung hält die Amerikanische Kastanie unliebsame Konkurrenz klein, haben US-Forstwissenschaftler herausgefunden.

(jkm) - Die chemische Kriegsführung könnte zu der Dominanz des Baums in den ostamerikanischen Appalachen beigetragen haben, schreiben die Forscher im Fachblatt "Forest Ecology and Management". Zudem erkläre der Befund die Vegetationsveränderungen, die der Niedergang der Kastanie nach sich zieht.

"Die Amerikanische Kastanie erreichte ihre größten Höhen und ihre höchsten Bestandesdichten in den südlichen Appalachen", erläutert Barry Clinton von der Southern Research Station des US-Forstdienstes in Asheville, North Carolina. "Stellenweise machte sie bis zu 50 Prozent des Blätterdachs aus." Bislang sei diese Dominanz der hohen Wachstumsrate des Baumes zugeschrieben worden, seiner Widerstandsfähigkeit gegenüber Fäulnis und Feuer und seiner Fähigkeit, auch auf armen Böden zu wachsen.

Anscheinend gab es aber noch andere Gründe für die Vorherrschaft der Kastanie (Castanea dentata), fanden Clinton und seine Kollegen. Die Forscher fertigten Blattextrakte von abgeworfenen Kastanienblättern an und testeten, ob diese einen Einfluss auf das Keimvermögen anderer Bäume und Sträucher hatten. Viele Pflanzen produzieren Chemikalien, die andere Pflanzen beeinflussen. Meist geht es bei dieser so genannten Allelopathie darum, sich Konkurrenten um Licht, Wasser und Nährstoffe vom Leib zu halten

Mit den Extrakten behandelte Samen der Kanadischen Hemlocktanne (Tsuga canadensis) und des Riesenrhododendrons (Rhododendron maximum) keimten deutlich seltener aus, fanden die Forscher. Und selbst wenn doch, waren Keimlingswurzeln nur kurz und fragil. Wenn Kastanien im Herbst ihr Laub abwerfen und der Regen durch die Laubschicht in den Boden sickert, könnte dies Hemlocktannen und Rhododendren die Ansiedlung erschweren.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts werden Kastanien in Nordamerika von dem Pilz Cryphonectria parasitica heimgesucht, dem Erreger des Kastanienrindenkrebs. Clinton und seine Kollegen glauben, dass ihre Ergebnisse die Vegetationsveränderungen erklären können, die seitdem in den Appalachen zu beobachten sind. So breitet sich der Riesenrhododendron immer weiter aus und ist zu einer ernsten Bedrohung für die Artenvielfalt in den ostamerikanischen Gebirgswäldern geworden.

Auch die Hemlocktanne ist zunehmends in Gebiete vorgestoßen, die einst von Kastanien dominiert wurden. Clinton zufolge gibt es Hinweise, dass der Baum seinerseits Kastaniensamen am Auskeimen hindern kann. "Historischen Berichten zufolge wuchsen diese zwei Bäume vor der Ankunft des Rindenkrebses nur selten an den gleichen Stellen. Wir beginnen jetzt, einen Eindruck von der dynamischen Konkurrenz zu bekommen, die zwischen diesen zwei wichtigen Baumarten der südlichen Appalachen herrschte."

 


© ArtToday

Amerikanische Kastanie
(Castanea dentata)

 

 Mehr Informationen:

USDA Forest Service

Chestnut Blight

Sekundärstoffwechsel der Pflanzen

 

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