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- 07.10.2002 -

 

 

 

 


 

Afrika: Pestizid-Einsatz bringt Kleinbauern Nachteile

Afrikanische Bauern haben mehr Nach- als Vorteile, wenn sie Saatgut und Pestizide aus den Industriestaaten importieren. Das ergab eine Studie des "Pesticide Action Network" (PAN).

(jkm) - Die internationale Organisation, die sich mit dem Zusammenhang von Landwirtschaft, Ökologie und Entwicklungshilfe beschäftigt, untersuchte die Arbeit der Bauern in vier südafrikanischen Ländern. Es sei wenig Erfolg versprechend, der unproduktiven afrikanischen Landwirtschaft durch die Einfuhr neuen Saatgutes helfen zu wollen, bilanziert PAN.

In vielen afrikanischen Entwicklungsländern leidet die Bevölkerung an Unterernährung. Am größten ist das Problem in den Staaten unmittelbar südlich der Sahara. Die dortige Landwirtschaft gilt als aufwändig und unproduktiv. Die Pro-Kopf-Ernte in der Region ist im Vergleich zu den 70er Jahren gesunken. Eine vergleichbar schlechte Entwicklung gibt es nirgendwo sonst auf der Welt.

In weiten Teilen Asiens und Südamerikas konnten die landwirtschaftlichen Erträge im gleichen Zeitraum deutlich gesteigert werden - nicht zuletzt dank neuer Züchtungen von Nutzpflanzen und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Die Welternährungsorganisation FAO empfiehlt deshalb auch den afrikanischen Ländern, in der Landwirtschaft auf entsprechende Technologien zu setzen.

PAN verweist dagegen auf die schlechten Erfahrungen der letzten zehn Jahre und kommt zu der Einschätzung, der Import von Saat und Pflanzenschutzmitteln habe die Lage Afrikas nicht verbessert. Die Organisation befragte über 400 Bauern in vier Staaten nach Arbeitsbedingungen und Ernteerfolgen.

Unter anderem wurde in Äthiopien importierter Mais, in Ghana eine ortsfremde Variante der Bohne Cowpea angebaut. Das neue Saatgut versprach zwar höhere Erträge, zog aber gleichzeitig mehr Schädlinge an als heimische Arten: Die Cowpea-Plantagen mussten fünfmal pro Saison mit Pestiziden besprüht werden. Heimische Cowpea-Varianten waren bis dahin ohne jede Chemie ausgekommen.

Mais aus importiertem Saatgut muss spätestens vier Wochen nach der Einlagerung mit Insektiziden gegen den Rüsselkäfer behandelt werden. Den äthiopischen Bauern gehen so die Gewinne aus der höheren Ernte durch Mehrausgaben für Chemikalien wieder verloren. Der Rüsselkäfer hat sich außerdem in ihren Getreidespeichern festsetzen können, der dauerhafte Einsatz von Insektiziden ist damit unabdingbar geworden.

Ein zusätzliches Risiko stelle der in Afrika schlecht organisierte Handel von Pflanzenschutzmitteln dar, kritisiert PAN. Viele Kleinbauern bezögen die Mittel von umherreisenden Zwischenhändlern. Weder Zusammensetzung noch Qualität der Präparate seien kontrollierbar. So gerieten auch eigentlich verbotene Substanzen in Umlauf.

Den Bauern sei eher geholfen, wenn man ihre regionalen Probleme angehe, meint PAN. Gerade Kleinbauern müsse gezeigt werden, wie sie mit einfachen Mitteln die Fruchtbarkeit ihrer Felder erhalten könnten. Nötig sei außerdem die Stärkung lokaler Wirtschaftsstrukturen, etwa kleiner, regionaler Märkte. Neue Techniken sollten immer danach beurteilt werden, ob sie sich in traditionelle Strukturen integrieren lassen. Diesen Grundsätzen folgend sei in anderen Regionen die Unabhängigkeit von 4,4 Millionen Bauern gestärkt worden.

 

 Mehr Informationen:

PAN

PAN Germany

chrismon: Welternährung: Die Revolution der Käferzähler

Studie: Reducing Food Poverty with Sustainable Agriculture

Greenpeace

vista verde: Umweltgifte

 

 Lesen Sie auch:

Biolandwirtschaft: Gesünder für die Natur

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