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Afrika: Pestizid-Einsatz bringt Kleinbauern
Nachteile
Afrikanische Bauern haben mehr
Nach- als Vorteile, wenn sie Saatgut und Pestizide aus den Industriestaaten
importieren. Das ergab eine Studie des "Pesticide Action
Network" (PAN).
(jkm) - Die internationale Organisation,
die sich mit dem Zusammenhang von Landwirtschaft, Ökologie
und Entwicklungshilfe beschäftigt, untersuchte die Arbeit
der Bauern in vier südafrikanischen Ländern. Es sei
wenig Erfolg versprechend, der unproduktiven afrikanischen Landwirtschaft
durch die Einfuhr neuen Saatgutes helfen zu wollen, bilanziert
PAN.
In vielen afrikanischen Entwicklungsländern
leidet die Bevölkerung an Unterernährung. Am größten
ist das Problem in den Staaten unmittelbar südlich der Sahara.
Die dortige Landwirtschaft gilt als aufwändig und unproduktiv.
Die Pro-Kopf-Ernte in der Region ist im Vergleich zu den 70er
Jahren gesunken. Eine vergleichbar schlechte Entwicklung gibt
es nirgendwo sonst auf der Welt.
In weiten Teilen Asiens und Südamerikas
konnten die landwirtschaftlichen Erträge im gleichen Zeitraum
deutlich gesteigert werden - nicht zuletzt dank neuer Züchtungen
von Nutzpflanzen und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Die
Welternährungsorganisation FAO empfiehlt deshalb auch den
afrikanischen Ländern, in der Landwirtschaft auf entsprechende
Technologien zu setzen.
PAN verweist dagegen auf die schlechten
Erfahrungen der letzten zehn Jahre und kommt zu der Einschätzung,
der Import von Saat und Pflanzenschutzmitteln habe die Lage Afrikas
nicht verbessert. Die Organisation befragte über 400 Bauern
in vier Staaten nach Arbeitsbedingungen und Ernteerfolgen.
Unter anderem wurde in Äthiopien
importierter Mais, in Ghana eine ortsfremde Variante der Bohne
Cowpea angebaut. Das neue Saatgut versprach zwar höhere Erträge,
zog aber gleichzeitig mehr Schädlinge an als heimische Arten:
Die Cowpea-Plantagen mussten fünfmal pro Saison mit Pestiziden
besprüht werden. Heimische Cowpea-Varianten waren bis dahin
ohne jede Chemie ausgekommen.
Mais aus importiertem Saatgut
muss spätestens vier Wochen nach der Einlagerung mit Insektiziden
gegen den Rüsselkäfer behandelt werden. Den äthiopischen
Bauern gehen so die Gewinne aus der höheren Ernte durch Mehrausgaben
für Chemikalien wieder verloren. Der Rüsselkäfer
hat sich außerdem in ihren Getreidespeichern festsetzen
können, der dauerhafte Einsatz von Insektiziden ist damit
unabdingbar geworden.
Ein zusätzliches Risiko stelle
der in Afrika schlecht organisierte Handel von Pflanzenschutzmitteln
dar, kritisiert PAN. Viele Kleinbauern bezögen die Mittel
von umherreisenden Zwischenhändlern. Weder Zusammensetzung
noch Qualität der Präparate seien kontrollierbar. So
gerieten auch eigentlich verbotene Substanzen in Umlauf.
Den Bauern sei eher geholfen,
wenn man ihre regionalen Probleme angehe, meint PAN. Gerade Kleinbauern
müsse gezeigt werden, wie sie mit einfachen Mitteln die Fruchtbarkeit
ihrer Felder erhalten könnten. Nötig sei außerdem
die Stärkung lokaler Wirtschaftsstrukturen, etwa kleiner,
regionaler Märkte. Neue Techniken sollten immer danach beurteilt
werden, ob sie sich in traditionelle Strukturen integrieren lassen.
Diesen Grundsätzen folgend sei in anderen Regionen die Unabhängigkeit
von 4,4 Millionen Bauern gestärkt worden.
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