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Neurobiologie:
Chronischer Schmerz verändert das
Gehirn
Chronische Schmerzen führen
offenbar zu permanenten Veränderungen in der Großhirnrinde,
berichten finnische Neurowissenschaftler im Fachblatt "Pain".
(jkm) - Der Schmerz beeinflusst
demnach die Größe und Lage jener Gehirnregionen, die
Nervensignale von den Körperteilen empfangen und Bewegungen
steuern. Die Befunde könnten Konsequenzen für die Diagnose
und Behandlung chronischer Schmerzen haben, sind die Forscher
überzeugt.
"Diese Veränderungen
können als objektive Indikatoren für Schmerz dienen,
der das Gehirn formt", sagt Nina Forss von der Helsinki University
of Technology. Die Forscherin und ihre Kollegen untersuchten sechs
Patienten, die ohne erkennbare Ursache unter starken chronischen
Schmerzen in einem Arm litten. Bewegungen verstärkten diese
Schmerzen, zudem wiesen die Personen einen gestörten Tastsinn
in dem betroffenen Arm auf.
Die Wissenschaftler "zwickten"
die Personen mit Hilfe kurzer Laserpulse in Daumen oder kleinen
Finger und ermittelten gleichzeitig, welche Gehirnareale auf den
Reiz ansprachen. Die Gehirnareale für die Finger auf der
nicht betroffenen Körperseite lagen - wie bei gesunden Kontrollpersonen
- etwa 1,5 Zentimeter auseinander. Dagegen lagen die Felder für
die Finger des schmerzenden Arms deutlich näher beieinander.
Frühere Untersuchungen an
Bein- oder Armamputierten hatten bereits gezeigt, dass diese so
genannten somatosensorischen Felder sich mit der einlaufenden
Informationsmenge verändern. "Beispielsweise wird die
Repräsentation eines amputierten Armes gänzlich verschwinden",
erläutert Forss, "seinen Platz nimmt dann ein benachbartes
Areal ein, üblicherweise das für das Gesicht."
Die Forscher glauben, dass die
Verschiebung der Finger-Felder und die dadurch geänderte
Informationsverarbeitung im somatosensorischen Kortex auch für
die verringerte Handbeweglichkeit verantwortlich sein könnte,
wie sie bei den Patienten beobachtete wurde. "Diese Resultate
lassen vermuten, dass chronischer Schmerz sowohl die taktile als
auch die motorische Verarbeitung im Gehirn verändert",
schreiben sie.
Die Ergebnisse zeigten jedoch
auch eine mögliche Behandlung auf: Durch wiederholte Stimulation
einzelner Finger könnte man vielleicht wieder Ordnung in
die Gehirnareale bringen und so den Schmerz verringern und die
Beweglichkeit wieder herstellen.
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