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- 02.10.2002 -

 

 

 

 


 

Neurobiologie:

Chronischer Schmerz verändert das Gehirn

Chronische Schmerzen führen offenbar zu permanenten Veränderungen in der Großhirnrinde, berichten finnische Neurowissenschaftler im Fachblatt "Pain".

(jkm) - Der Schmerz beeinflusst demnach die Größe und Lage jener Gehirnregionen, die Nervensignale von den Körperteilen empfangen und Bewegungen steuern. Die Befunde könnten Konsequenzen für die Diagnose und Behandlung chronischer Schmerzen haben, sind die Forscher überzeugt.

"Diese Veränderungen können als objektive Indikatoren für Schmerz dienen, der das Gehirn formt", sagt Nina Forss von der Helsinki University of Technology. Die Forscherin und ihre Kollegen untersuchten sechs Patienten, die ohne erkennbare Ursache unter starken chronischen Schmerzen in einem Arm litten. Bewegungen verstärkten diese Schmerzen, zudem wiesen die Personen einen gestörten Tastsinn in dem betroffenen Arm auf.

Die Wissenschaftler "zwickten" die Personen mit Hilfe kurzer Laserpulse in Daumen oder kleinen Finger und ermittelten gleichzeitig, welche Gehirnareale auf den Reiz ansprachen. Die Gehirnareale für die Finger auf der nicht betroffenen Körperseite lagen - wie bei gesunden Kontrollpersonen - etwa 1,5 Zentimeter auseinander. Dagegen lagen die Felder für die Finger des schmerzenden Arms deutlich näher beieinander.

Frühere Untersuchungen an Bein- oder Armamputierten hatten bereits gezeigt, dass diese so genannten somatosensorischen Felder sich mit der einlaufenden Informationsmenge verändern. "Beispielsweise wird die Repräsentation eines amputierten Armes gänzlich verschwinden", erläutert Forss, "seinen Platz nimmt dann ein benachbartes Areal ein, üblicherweise das für das Gesicht."

Die Forscher glauben, dass die Verschiebung der Finger-Felder und die dadurch geänderte Informationsverarbeitung im somatosensorischen Kortex auch für die verringerte Handbeweglichkeit verantwortlich sein könnte, wie sie bei den Patienten beobachtete wurde. "Diese Resultate lassen vermuten, dass chronischer Schmerz sowohl die taktile als auch die motorische Verarbeitung im Gehirn verändert", schreiben sie.

Die Ergebnisse zeigten jedoch auch eine mögliche Behandlung auf: Durch wiederholte Stimulation einzelner Finger könnte man vielleicht wieder Ordnung in die Gehirnareale bringen und so den Schmerz verringern und die Beweglichkeit wieder herstellen.

 

 Mehr Informationen:

Helsinky University of Technology

Über den Aufbau des Großhirns

Deutsche Schmerzhilfe

 

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