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- 02.10.2002 -

 

 

 

 

 

 


 

Malaria: Erbgut entziffert - schnelle Hilfe nicht in Sicht

Das Erbgut der Anopheles-Mücke und des Malaria-Erregers ist entziffert. Die schnelle Entwicklung neuer Medikamente ist aber nicht in Sicht, obwohl fast die Hälfte der Menschheit in Regionen lebt, in denen die Moskitos Malaria übertragen.

Von Thilo Resenhoeft, dpa

London/Washington (dpa) - Für etwa eine Million Menschen ist ihr feines Sirren jedes Jahr der Klang des Todes. Die Weibchen der Anopheles-Mücke folgen selbst feinsten Duftspuren des Menschen, bohren ihren feinen Stechrüssel tief in die Haut der Opfer und saugen sich bis zum Vierfachen des eigenen Gewichtes mit Blut voll. Mit ihrem Speichel spritzen sie oft einen einzelligen Winzling in die Adern des Menschen - «Plasmodium falciparum», den Erreger der Malaria. Jetzt haben Forscher das Erbgut von Mücke und Erreger entziffert.

Die in den Fachmagazinen «Nature» und «Science» publizierten Ergebnisse markieren einen wichtigen Schritt auf der Suche nach Mitteln gegen die gefährliche Tropenkrankheit - aber keinen Durchbruch. «Die Sequenzen allein bieten auf kurze Sicht keine Erleichterung für jene, die an Malaria leiden», schreibt die Plasmodium-Gruppe um Malcolm Gardener vom Institut für Genomforschung in Rockville (US-Staat Maryland) in der «Nature» (Bd. 419, S. 498).

«Sicher ist auf die Schnelle kein neues Medikament oder kein neuer Impfstoff zu erwarten», bestätigt Prof. Rolf Horstmann vom Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg. Die Genome beider Organismen seien aber wichtig für die Forschung, etwa für die Frage, warum Anopheles-Mücken den Einzeller übertragen, andere Mücken aber nicht.

Auch das Team um Robert Holt von Celera Genomics (ebenfalls Rockville), das in «Science» (Bd. 298, S. 129) das Erbgut der Malaria-Mücke «Anopheles gambiae» präsentiert, schreibt: «Die hier präsentierten Arbeiten müssen von größeren Anstrengungen begleitet werden, um neue Methoden und Impfstoffe zu entwickeln.»

Dass finanzkräftige Pharmariesen nun aber verstärkt an neuen Medikamenten arbeiten werden, scheint eher unwahrscheinlich. «Malaria gehört zu den vernachlässigten Krankheiten, die fast ausschließlich Menschen in den armen Ländern trifft», erklärt Kattrin Lempp, Sprecherin der Hilfsorganisation «Ärzte ohne Grenzen». Die Pharmaindustrie habe «überhaupt kein Interesse» daran, solche Medikamente für Menschen ohne Geld zu schaffen.
 


©
Nature & Science/dpa

Fast die Hälfte der Menschheit lebt in Regionen, in denen die Anopheles-Mücken Malaria übertragen.

 

Zunahme von Resistenzen

Fast die Hälfte der Menschheit lebt in Regionen, in denen die Moskitos Malaria übertragen. 125 Millionen Menschen reisen jährlich in diese Gebiete, rund 10.000 bringen die Malaria mit nach Hause. In Deutschland sterben laut Robert Koch-Institutes jährlich zwischen 15 und 30 Menschen an solchen «Importen». Rund 90 Prozent der Opfer leben jedoch südlich der Sahara, 71 Prozent von ihnen sind Kinder unter fünf Jahren.

Auch der volkswirtschaftliche Schaden ist beträchtlich. Afrika wendet laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) 40 Prozent der Ausgaben des Gesundheitswesens für die Behandlung von Malaria auf. Nach WHO-Schätzungen wäre Afrikas Bruttoinlandsprodukt 100 Milliarden Dollar (117 Milliarden Euro) größer, wenn Malaria in den vergangenen Jahren erfolgreich bekämpft worden wäre.

Das die Malaria trotz seit 100 Jahren geführten Kampf eine Gefahr bleibt und sich in Afrika sogar wieder schneller verbreitet, liegt an der Zunahme von Resistenzen: Der Erreger hat sich in vielen Gegenden an das oft verwendete Gegenmittel Chloroquin angepasst, Anopheles-Mücken sind immer öfter immun gegen Insektenvernichtungsmittel.

 

 Mehr Informationen:

Nature

Reisemedizinisches Zentrum des Bernhard-Nocht-Institutes für Tropenmedizin

Ärzte ohne Grenzen

Malaria

Entwicklungszyklus der Malaria

WHO: Malaria

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