|
Ökologie:
Krebse bleiben "Kühe der Meere"
Die Rettung für ein klassisches
Modell der Ökologie vermeldet eine internationale Forschergruppe
im Magazin "Nature". Entgegen jüngsten Laborexperimenten
zeigen ihre Freilandversuche, dass winzige Ruderfußkrebse
tatsächlich als "Kühe der Meere" angesehen
werden können.
(jkm) - Wo nährstoffreiches
Wasser an die Meeresoberfläche gelangt, kommt es zu einer
starken Vermehrung winziger Algen. Dominiert werden diese Algenblüten
von einzelligen Kieselalgen oder Diatomeen, die von kleinen Ruderfußkrebsen
abgeweidet werden, den Copepoden. Sie stellen wiederum die Nahrung
für die Larven vieler Fischarten und für andere Tiere
dar, daher erfüllen sie im Meer die gleiche Funktion wie
Pflanzenfresser an Land. So lautete zumindest die gängige
Vorstellung in der Meeresökologie.
In den letzten Jahren hatten einige
Laborexperimente jedoch vermuten lassen, dass Diatomeen schädlich
für Copepoden sind und deren Vermehrung behindern. Diese
Befunde stellten die Ansicht in Frage, dass die Copepoden die
Hauptvermittler des Energiefluss von den pflanzlichen Primärproduzenten
in das marine Nahrungsnetz sind. Roger Harris vom Plymouth Marine
Laboratory und seine Kollegen wiederholten die Laborexperimente
nun in ähnlicher Form in 12 Meeresregionen von den Fjorden
Norwegens bis hin zur Küste Namibias.
Wie die Gruppe berichtet, legten
die Copepoden in drei Viertel aller Fälle eine rege Vermehrung
an den Tag - aus über 80 Prozent der Krebseier schlüpften
Larven. Nur in einem Zwölftel der Fälle lag die Rate
unter 50 Prozent. Insgesamt ließ sich jedoch weder ein negativer
noch ein positiver Zusammenhang zwischen dem Schlupferfolg der
Copepoden und der Konzentration der Diatomeen feststellen.
Für die Diskrepanz zwischen
Labor- und Freilandexperimenten gebe es mehrere Erklärungsmöglichkeiten,
so Harris und seine Kollegen. Beispielsweise seien Diatomeen vielleicht
nicht etwa giftig für Copepoden, sondern schlicht zu nährstoffarm.
Bei den Laborexperimenten hätten die Krebse über längere
Zeit nur Kieselalgen als Nahrung bekommen, ein im Meer sehr unwahrscheinlicher
Zustand.
Die neuen Befunde brächten
daher die Frage auf, wie weit man die natürliche Komplexität
durch einfache Futtersuspensionen im Labor nachstellen könne.
"Wir schließen, dass es keinen Grund gibt, die bestehenden
konzeptuellen Modelle des Energietransfers in von Diatomeen dominierten
Systemen - vom Phytoplankton über Copepoden zu Fischen -
zu revidieren."
|