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- 26.09.2002 -

 

 

 

 


 

Ökologie:

Krebse bleiben "Kühe der Meere"

Die Rettung für ein klassisches Modell der Ökologie vermeldet eine internationale Forschergruppe im Magazin "Nature". Entgegen jüngsten Laborexperimenten zeigen ihre Freilandversuche, dass winzige Ruderfußkrebse tatsächlich als "Kühe der Meere" angesehen werden können.

(jkm) - Wo nährstoffreiches Wasser an die Meeresoberfläche gelangt, kommt es zu einer starken Vermehrung winziger Algen. Dominiert werden diese Algenblüten von einzelligen Kieselalgen oder Diatomeen, die von kleinen Ruderfußkrebsen abgeweidet werden, den Copepoden. Sie stellen wiederum die Nahrung für die Larven vieler Fischarten und für andere Tiere dar, daher erfüllen sie im Meer die gleiche Funktion wie Pflanzenfresser an Land. So lautete zumindest die gängige Vorstellung in der Meeresökologie.

In den letzten Jahren hatten einige Laborexperimente jedoch vermuten lassen, dass Diatomeen schädlich für Copepoden sind und deren Vermehrung behindern. Diese Befunde stellten die Ansicht in Frage, dass die Copepoden die Hauptvermittler des Energiefluss von den pflanzlichen Primärproduzenten in das marine Nahrungsnetz sind. Roger Harris vom Plymouth Marine Laboratory und seine Kollegen wiederholten die Laborexperimente nun in ähnlicher Form in 12 Meeresregionen von den Fjorden Norwegens bis hin zur Küste Namibias.

Wie die Gruppe berichtet, legten die Copepoden in drei Viertel aller Fälle eine rege Vermehrung an den Tag - aus über 80 Prozent der Krebseier schlüpften Larven. Nur in einem Zwölftel der Fälle lag die Rate unter 50 Prozent. Insgesamt ließ sich jedoch weder ein negativer noch ein positiver Zusammenhang zwischen dem Schlupferfolg der Copepoden und der Konzentration der Diatomeen feststellen.

Für die Diskrepanz zwischen Labor- und Freilandexperimenten gebe es mehrere Erklärungsmöglichkeiten, so Harris und seine Kollegen. Beispielsweise seien Diatomeen vielleicht nicht etwa giftig für Copepoden, sondern schlicht zu nährstoffarm. Bei den Laborexperimenten hätten die Krebse über längere Zeit nur Kieselalgen als Nahrung bekommen, ein im Meer sehr unwahrscheinlicher Zustand.

Die neuen Befunde brächten daher die Frage auf, wie weit man die natürliche Komplexität durch einfache Futtersuspensionen im Labor nachstellen könne. "Wir schließen, dass es keinen Grund gibt, die bestehenden konzeptuellen Modelle des Energietransfers in von Diatomeen dominierten Systemen - vom Phytoplankton über Copepoden zu Fischen - zu revidieren."

 

 Mehr Informationen:

The World of Copepods

The Virtual Copepod Page

Diatomeen

Ozean Online:
- Marine Nahrungsnetze
- Diatomeen

Global Ocean Ecosystem Dynamics

vista verde:
Ökosystem Meer

 

 Lesen Sie auch:

Ozeane: Rückgang von Phytoplankton beobachtet

Antarktis: Eisschollen stören Meeresfauna

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