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Umweltmediziner: Deutschland auf bioterroristischen
Anschlag schlecht vorbereitet
Sie können das öffentliche
Leben schlagartig lahm legen: Biowaffen wie Pocken-, Milzbrand-
und Pesterreger, stellen nach Einschätzung von Umweltmedizinern
ein hohes Risikopotenzial dar - mit massenhaft auftretenden Todesfällen.
Von Martina Rathke, dpa
Greifswald (dpa) - Die Terroranschläge
vom 11. September 2001 haben der Weltöffentlichkeit die Gefährdung
durch terroristische Gewaltakte drastisch vor Augen geführt.
«Wir können davon ausgehen, dass Biowaffen in Zukunft
eine nicht zu unterschätzende Gefahr darstellen», sagte
der Bonner Umweltmediziner Martin Exner am Donnerstag.
Auf dem Jahreskongress der Gesellschaft
für Hygiene und Umweltmedizin (GHU) in Greifswald haben Mediziner
und Mikrobiologen deutliche Defizite beklagt, sollte es zu einem
bioterroristischen Anschlag in Deutschland kommen. Es bestehe
dringender Handlungsbedarf beim Zusammenspiel der beteiligten
Institutionen, wie dem Robert Koch-Institut bis zu den örtlichen
Gesundheitsämtern, machte Exner deutlich. «Wir müssen
Szenarien realistisch erproben können.» Zudem seien
Krankenhäuser nicht auf Massenerkrankungen vorbereitet, die
Analysekapazitäten reichten nicht aus, Meldestrukturen und
Quarantäne-Vorschriften seien mangelhaft, hieß es.
Am wahrscheinlichsten ist nach
Angaben der Wissenschaftler ein Angriff mit Pockenviren oder deren
gentechnisch veränderten Formen. Sie bergen eine hohe Sterberate,
zudem ist das Ansteckungsrisiko bei der Übertragung von Mensch
zu Mensch sehr hoch. Nach einer Untersuchung der amerikanischen
Gesundheitsbehörde CDC können zehn infizierte Personen
innerhalb eines Jahres mehr als 220.000 Menschen mit dem Pockenvirus
anstecken.
Deutschland hatte sich nach dem
11. September 2001 entschlossen, sechs Millionen Portionen Pockenimpfstoff
zu kaufen, um dadurch einen nationalen Vorrat für den Fall
einer Bedrohung durch Pockenviren zu haben. Doch es sei zweifelhaft,
dass die Menge im Falle einer Freisetzung tatsächlich reicht,
um die Bevölkerung zu schützen, sagt der Mikrobiologe
Lutz Guertler.
Der Greifswalder Wissenschaftler
ist überzeugt, dass mit dem derzeitigen medizinischen und
theoretischen Kenntnisstand jede Biowaffe «stumpf gemacht»
werden könne. Allerdings müssten rechtzeitig und ausreichend
Impfstoffe, Antibiotika oder Chemotherapeutika entwickelt werden.
Es sei zu spät, erst nach einem möglichen bioterroristischen
Anschlag mit der Entwicklung und Produktion von wirksamen Medikamenten
zu beginnen, sagte Guertler.
Pockenerreger gehören nicht
nur wegen ihres hohen Ansteckungsrisikos zu den gefährlichen
Biowaffen. Die Krankheit gilt seit 1980 weltweit als ausgerottet.
In Deutschland wurde bereits 1975 die Pflichtimpfung abgeschafft.
Die US-Gesundheitsbehörden haben vor wenigen Tagen Pläne
vorgestellt, nach denen die gesamte Bevölkerung innerhalb
einer Woche geimpft werden kann.
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