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- 06.09.2002 -

 

 

 

 

 


 

Spermien: Mehr als nur DNA-Frachter

Kopf hoch, Männer! Forscher haben erstmals einen genetischen Fingerabdruck von Spermien erstellt. Demnach scheinen Samenzellen bei Empfängnis und Embryonalentwicklung eine sehr viel aktivere Rolle zu spielen als bislang angenommen.

(jkm) - Wie das Fachblatt "The Lancet" berichtet, könnten die Resultate der amerikanischen und englischen Wissenschaftler eine Fülle medizinischer Anwendungen finden und zudem erklären, warum das Klonen von Tieren in den meisten Fällen scheitert.

Etwa jedes sechste Paar hat Probleme, auf natürliche Weise eine Schwangerschaft zu erzielen. In etwa der Hälfte der Fälle, in denen solche Paare medizinischen Rat suchen, ist das Problem auf männliche Unfruchtbarkeit zurückzuführen. Da sich Ärzte bei der Diagnose im Wesentlichen nur auf Menge, Beweglichkeit und Aussehen der Spermien stützen können, bleiben die Ursachen sehr häufig unklar.

Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass Spermien neben dem eigentlichen "Frachtgut" DNA noch anderen Nukleinsäuren enthalten. Obwohl sie selbst keine Proteine herstellen, enthalten sie in Form von messenger-RNA (mRNA) doch die Blaupausen zur Herstellung von Eiweißen. Stephen Krawetz von der Wayne State University in Detroit, Michigan, und seine Kollegen wollten nun herausfinden, ob sich diese Moleküle zur Anfertigung eines genetischen Fingerabdrucks von Spermien eignen.

Die Forscher extrahierten mRNA aus Hodengewebe und aus Ejakulat und verglichen die Moleküle mit über 27.000 bekannten Sequenzen. Es zeigte sich, dass Hodengewebe über 7.000 verschiedene mRNA-Sequenzen enthält, darunter auch sämtliche der rund 3.000 in Samenflüssigkeit enthaltenen Sequenzen. Nach Ansicht der Forscher spiegelt ein Teil der in Spermien enthaltenen mRNA demnach die Proteinproduktion im Hoden wieder und kann so Details über die Vorgänge bei der Samenproduktion enthüllen.

Daneben enthielten die Spermien jedoch auch Bauanleitungen für Proteine, die für Befruchtung und Embryonalentwicklung wichtig sind. Eizellen enthielten keine einzige dieser Bauanleitungen, fanden Krawetz und seine Kollegen heraus. Dies belege, dass die Samenzellen außer DNA noch weitere wertvolle Fracht transportierten.

Nach Ansicht der Forscher stellt der mRNA-Fingerabdruck von Spermien eine "einzigartige und objektive Möglichkeit" zur Diagnose männlicher Unfruchtbarkeit dar. Auch die Grundlagenforschung könne profitieren, kommentiert Gerald Schatten von der University of Pittsburgh. Fragen wie der väterliche Einfluss auf Fötus und Plazenta oder die Auswirkungen von Umweltfaktoren auf die Fruchtbarkeit könnten mit Hilfe des Fingerabdrucks geklärt werden. Und nicht zuletzt sei das Fehlen von Spermien-mRNA möglicherweise ein Grund für die geringe Effizienz gegenwärtiger Klonierungstechniken.

 

 Mehr Informationen:

Unfruchtbarkeit, Sterilität, Reproduktionsmedizin

Verfahren der assistierten Reproduktion

EM-Bild eines Spermiums

Quarks & Co: Gene und Klonen - einfach erklärt

 

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