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- 06.09.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Forscher: Lichtverschmutzung nimmt zu - Insekten leiden zuerst

Am Himmel leuchten die Sterne, hier unten leuchten wir - aus Sicht von Wissenschaftlern haben die im Kinderlied beschriebenen Lichter der Menschen einen bedenklich hellen Schein erreicht.

Von Anke Hüsig, dpa

Osnabrück/Mainz (dpa) - «Die Lichtverschmutzung hat sehr stark zugenommen», sagt der Astronom Andreas Hänel vom Planetarium in Osnabrück. Die Milchstraße am Nachthimmel über Deutschland etwa sei kaum noch zu sehen. Der Zoologe Gerhard Eisenbeis von der Universität Mainz warnt vor der Bedrohung von Tieren und Pflanzen. Beim zweiten Europäischen Symposium zum Schutz des Nachthimmels soll an diesem Wochenende in Luzern auch ein Vorschlag erarbeitet werden, wie die Lichtverschmutzung in Europa künftig gebremst werden könnte.

«Das wichtigste biologische Problem ist, dass an Straßenlaternen und Leuchtreklame sehr viele Insekten zu Grunde gehen», sagt Eisenbeis. «Es besteht die Gefahr, dass die Insekten dadurch langfristig in ihrer Vielfalt stark geschädigt werden.» Dies könnte weit reichende Folgen haben: Die Insekten seien wichtige Glieder der Nahrungskette, etwa für Vögel und Fledermäuse. Auch Pflanzen, die Insekten zur Bestäubung bräuchten, könnten darunter leiden. «Alle bisherigen wissenschaftlichen Ergebnisse weisen darauf hin, dass in Siedlungsgebieten schon ein starker Rückgang der Insekten eingetreten ist», sagt Eisenbeis.

Der Einfluss nächtlichen Lichts auf Menschen sei noch nicht weit erforscht, betont Hänel, der auch Sprecher der Fachgruppe «Dark Sky» der Vereinigung der Sternfreunde ist. «Systematische Untersuchungen gibt es nicht, aber immer wieder Beschwerden, etwa bei den Stadtwerken.»

Hänel schätzt, dass die Lichtverschmutzung in Deutschland um etwa sechs Prozent pro Jahr zunimmt. Andere Länder - etwa Italien und Japan - verzeichneten jährliche Zuwächse von zehn bis zwölf Prozent. Genaue Messungen gebe es bislang nicht. Italienische Forscher von der Universität in Padua stellten im vergangenen Jahr einen Weltatlas der Lichtverschmutzung vor. Nach ihren Erkenntnissen leben 99 Prozent der Menschen in Europa und den USA (Alaska und Hawaii ausgenommen) unter einem «lichtverschmutzten» Himmel.
 


©
NASA/GSFC

Das Bild der nächtlichen Erde basiert auf Daten des Defense Meteorological Satellite Program (DMSP) der NASA.


Ursachen für den helleren Himmel seien unter anderem Lichtreklame und so genannte Skybeamer, starke Werbestrahler von Discotheken. Zudem dehnten sich Wohnsiedlungen und Industriegebiete aus und sorgten für weitere Erleuchtung des Nachthimmels, etwa durch Streulicht von Straßenlaternen. Außerdem würden Lichtquellen immer effektiver. In Deutschland gebe die DIN-Norm für die Straßenbeleuchtung bislang nur Mindestwerte vor. Sinnvoll wären auch Maximalwerte, sagte Hänel.

Mit gelb strahlenden Natriumdampflampen an Stelle der häufig noch verwendeten weißen Quecksilberdampflampen könnten der Energieverbrauch und die Zahl der Insektenopfer beträchtlich gesenkt werden, betont Eisenbeis. In einem praxisnahen Versuch hätten weniger als halb so viele Insekten das gelbe Licht angeflogen. Außerdem verbrauche eine Natriumdampflampe pro Tag etwa eine Kilowattstunde weniger Energie. Bei insgesamt etwa acht Millionen Straßenleuchten in Deutschland rechne sich dies, vor allem für die Etats der Kommunen.

In der Tschechischen Republik gebe es mittlerweile das erste nationale Gesetz, wonach kein Licht mehr an den Himmel gestrahlt werden dürfe, sagte Hänel. Bislang habe es Licht-Einschränkungen nur regional gegeben - etwa auf den kanarischen Inseln La Palma und Teneriffa, in Katalonien und der Lombardei. Immerhin sei die Lichtverschmutzung auch in Deutschland als umweltschädlicher Einfluss eingestuft.

 

 Mehr Informationen:

European Symposium on the Protection of the Night-Sky

The World Atlas of the Artificial Night Sky Brightness

vista verde: Lichtverschmutzung

 

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