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NASA: Pole schmelzen schneller
Die Eisdecke an den Polen
schmilzt nach neuen Erkenntnissen der NASA schneller als erwartet.
Forscher befürchten, dass die Meeresspiegel deshalb rascher
ansteigen als bislang befürchtet.
Washington/Potsdam (dpa) - Vor
allem in großen Bereichen des südöstlichen Grönlands
und im Westen der Antarktis seien die Veränderungen gemessen
worden, teilte die US-Raumfahrtbehörde NASA am Samstag mit.
«Die Eisdecken an den Erdpolen verändern sich in relativ
kurzen Zeiträumen, das heißt in Jahrzehnten und nicht
Tausenden von Jahren», sagte der Wissenschaftler Eric Rignot
vom Jet Propulsion Laboratory der NASA im kalifornischen Pasadena.
Nach diesen mit neuer Technologie
ausgeführten Messungen verliert allein Grönland durch
die Eisschmelze jährlich 50 Kubikkilometer an Masse. Dies
führe zu einem Anstieg des Meeresspiegels um 0,13 Millimeter.
Die Eisschmelze lasse sich nicht nur durch ein paar warme Sommer
erklären, sagte Rignot.
Nach Einschätzung des Potsdamer
Klimaforscher Martin Claußen befinden sich diese «Besorgnis
erregenden» Ergebnisse im Einklang mit bestehenden Annahmen
der Forschung. «Wir erwarten, dass Gletscher künftig
rascher ins Meer zurückfließen als bisher», sagte
der Leiter der Abteilung für das Klimasystem des Instituts
für Klimafolgeforschung am Sonntag der dpa. Diese Verminderung
des Inlandseises von Grönland rühre daher, dass sich
die Gletscher an ihrer Vorderkante steiler auftürmen als
bisher und dann abbrechen. «Grönlandeis kann sehr dynamisch
sein.»
Derzeit sei davon auszugehen,
dass die Meeresspiegel in den kommenden 100 Jahren um 40 bis 80
Zentimeter ansteigen, sagte Claußen. Die Gründe seien
die Erderwärmung - mit der Wärme dehnt sich das Wasser
aus - und das Schmelzen der Gletscher.
Verändere sich die Situation
an den Gletschern schneller als erwartet, könne dies zu einer
schnelleren Ausdehnung der Meere und damit einhergehenden Überschwemmungen
führen. Es zeige sich immer wieder, dass sich einige der
Komponenten des Klimasystems «sehr rasch» verändern
könnten - mit möglicherweise verheerenden Folgen.
Nach NASA-Angaben könnte
ein umfassendes Schmelzen der Eisdecke von Grönland und Südpol
die Meeresspiegel insgesamt um 70 Meter anheben. Aber schon ein
kleines Ungleichgewicht zwischen neuem Schneefall und der Schmelze
könne den Anstieg der Meeresspiegel stark beeinflussen.
Bereits im Februar hatten US-Forscher
berichtet, dass das Abschmelzen der Gletscher von Klimaforschern
zuvor unterschätzt worden war und der Meeresspiegel schneller
steigen wird als bislang vorhergesagt. Nach Angaben des Geologe
Mark Meier von der Universität Colorado in Boulder hat sich
die Rate des Eisverlustes seit 1988 mehr als verdoppelt.
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