|
Experten: Acrylamid in Lebensmitteln
sollte reduziert werden
Die in hoch erhitzten Lebensmitteln
wie Kartoffelchips und Pommes frites gefundenen Acrylamidspuren
bedeuten nach Ansicht von Fachleuten keine akute Gesundheits-
gefahr, sollten aber reduziert werden.
Berlin (dpa) - Auf einer Veranstaltung
des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz
und Veterinärmedizin (BgVV) empfahlen Experten am Donnerstag
in Berlin, die Produktionsverfahren in absehbarer Zeit entsprechend
zu ändern. Das als Krebs erregend und Erbgut verändernd
eingestufte Acrylamid kann als Nebenprodukt beim Frittieren, Braten
und Rösten stärkehaltiger Lebensmittel entstehen.
Die Substanz, ein chemischer
Baustein in Kunststoffen, war in Lebensmitteln erstmals im Jahr
2000 von Schwedischen Forschern nachgewiesen worden. Die höchsten
Acrylamidkonzentrationen sind in Pommes frites und Kartoffelchips
gemessen worden und schwanken zwischen 30 und 2000 Mikrogramm
(millionstel Gramm) pro Kilogramm.
Das Gesundheitsrisiko durch Acrylamid
schätzten die Fachleute in Berlin als insgesamt niedrig ein.
«Das Hauptrisiko beim Essen ist das Übergewicht»,
betonte Josef Schlatter vom Schweizer Bundesamt für Gesundheit.
Bundesbürger nehmen Schätzungen zufolge im Durchschnitt
0,15 Mikrogramm (millionstel Gramm) Acrylamid pro Kilogramm Körpergewicht
und Tag zu sich. Nervenschädigungen im Tierversuch wurden
ab 500 Mikrogramm Acrylamid pro Kilogramm Körpergewicht über
längere Zeit beobachtet.
Weiteren Berechnungen zufolge
steigt die Zahl der Krebsfälle unter je einer Million Einwohner
wegen Acrylamid theoretisch um 50 bis 100 bei lebenslanger täglicher
Aufnahme. Im Vergleich dazu führe Übergewicht zu 60.000
bis 80.000 vorzeitigen Todesfällen unter einer Million Einwohner.
«Der Einfluss von Acrylamid bewegt sich an der Nachweisgrenze»,
meinte Schlatter.
«Acrylamid ist gleichwohl
ein Problem, das bearbeitet werden muss», betonte BgVV-Sprecherin
Irene Lukassowitz. «Die Industrie stellt ihre Verfahren
um», versicherte Klaus Dörflinger vom Bundesverband
der deutschen Süßwarenindustrie (Bonn), die auch Salzsnacks
produziert. «Allein die Reduzierung der Frittiertemperatur
senkt den Acrylamidgehalt um zehn Prozent.»
Das BgVV hatte vor wenigen Monaten
der Industrie einen «Aktionswert» von 1000 Mikrogramm
pro Kilogramm als Obergrenze in Lebensmitteln vorgeschlagen. Dieser
Wert solle als ein erster Schritt in Richtung auf eine Reduzierung
verstanden werden, sagte BgVV-Leiter Dieter Arnold.
|