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- 29.08.2002 -

 

 

 

 


 

Experten: Acrylamid in Lebensmitteln sollte reduziert werden

Die in hoch erhitzten Lebensmitteln wie Kartoffelchips und Pommes frites gefundenen Acrylamidspuren bedeuten nach Ansicht von Fachleuten keine akute Gesundheits- gefahr, sollten aber reduziert werden.

Berlin (dpa) - Auf einer Veranstaltung des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) empfahlen Experten am Donnerstag in Berlin, die Produktionsverfahren in absehbarer Zeit entsprechend zu ändern. Das als Krebs erregend und Erbgut verändernd eingestufte Acrylamid kann als Nebenprodukt beim Frittieren, Braten und Rösten stärkehaltiger Lebensmittel entstehen.

Die Substanz, ein chemischer Baustein in Kunststoffen, war in Lebensmitteln erstmals im Jahr 2000 von Schwedischen Forschern nachgewiesen worden. Die höchsten Acrylamidkonzentrationen sind in Pommes frites und Kartoffelchips gemessen worden und schwanken zwischen 30 und 2000 Mikrogramm (millionstel Gramm) pro Kilogramm.

Das Gesundheitsrisiko durch Acrylamid schätzten die Fachleute in Berlin als insgesamt niedrig ein. «Das Hauptrisiko beim Essen ist das Übergewicht», betonte Josef Schlatter vom Schweizer Bundesamt für Gesundheit. Bundesbürger nehmen Schätzungen zufolge im Durchschnitt 0,15 Mikrogramm (millionstel Gramm) Acrylamid pro Kilogramm Körpergewicht und Tag zu sich. Nervenschädigungen im Tierversuch wurden ab 500 Mikrogramm Acrylamid pro Kilogramm Körpergewicht über längere Zeit beobachtet.

Weiteren Berechnungen zufolge steigt die Zahl der Krebsfälle unter je einer Million Einwohner wegen Acrylamid theoretisch um 50 bis 100 bei lebenslanger täglicher Aufnahme. Im Vergleich dazu führe Übergewicht zu 60.000 bis 80.000 vorzeitigen Todesfällen unter einer Million Einwohner. «Der Einfluss von Acrylamid bewegt sich an der Nachweisgrenze», meinte Schlatter.

«Acrylamid ist gleichwohl ein Problem, das bearbeitet werden muss», betonte BgVV-Sprecherin Irene Lukassowitz. «Die Industrie stellt ihre Verfahren um», versicherte Klaus Dörflinger vom Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie (Bonn), die auch Salzsnacks produziert. «Allein die Reduzierung der Frittiertemperatur senkt den Acrylamidgehalt um zehn Prozent.»

Das BgVV hatte vor wenigen Monaten der Industrie einen «Aktionswert» von 1000 Mikrogramm pro Kilogramm als Obergrenze in Lebensmitteln vorgeschlagen. Dieser Wert solle als ein erster Schritt in Richtung auf eine Reduzierung verstanden werden, sagte BgVV-Leiter Dieter Arnold.

 

 Mehr Informationen:

BgVV: Materialien und Links zu Acrylamid in Lebensmitteln
 

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