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- 27.08.2002 -

 

 

 

 

 

 


 

Laufwunder:

Schaben bleiben elastisch auf Kurs

Ihre Schnelligkeit und Trittsicherheit macht Schaben sowohl für Biologen als auch für Ingenieure interessant. Nicht einmal durch kleine Raketenrucksäcke lassen sich laufende Schaben ernstlich vom Kurs abbringen.

(jkm) - Wie zwei amerikanische Biologen im "Journal of Experimental Biology" berichten, fangen die Tiere den zusätzlichen Drall schneller ab, als es Nervenreflexe erlauben sollten. Anscheinend wirkt die raffinierte Konstruktion von Muskulatur und Chitinskelett als zusätzlicher Stabilisator.

Was das Verhältnis von Laufgeschwindigkeit zu Körperlänge angeht, gehören Schaben zu den schnellsten Läufern überhaupt. Doch trotz ihres rasanten Tempos kommen die sechsbeinigen Gesellen auch auf unebenem Terrain nicht aus dem Tritt. Diese bemerkenswerte Eigenschaft macht sie nicht nur für Biologen, sondern auch für Konstrukteure von Robotern interessant.

Devin Jindrich und Robert Full von der University of California, Berkeley, gingen nun der Vermutung nach, dass Schaben sich beim Laufen nicht nur auf ihre Nervenreflexe verlassen. Vielmehr sollten das Außenskelett und die daran ansetzenden Muskeln den Schabenbeinen sprungfederähnliche Eigenschaften verleihen und so das Halten der Balance erleichtern.

Ihre Vermutung testeten die Forscher an der südamerikanischen Schabe Blaberus discoidalis, einem der geländegängigsten Insekten überhaupt. Die Tiere aus dem Gleichgewicht zu bringen erwies sich denn auch als echte Herausforderung. Erst mit Hilfe kleiner Kanonen erreichten Jindrich und Full den gewünschten Effekt.

Die Plastikröhrchen wurden auf den Rücken der Tiere befestigt, mit Schwarzpulver und Feuerstein-Spänen gestopft und schließlich mit einer kleinen Stahlkugel geladen. Durch einen elektrischen Impuls wurden die Kanonen abgefeuert und der Rückstoß drängte die Tiere für etwa 10 Millisekunden vehement vom Kurs ab.

Die Ergebnisse waren verblüffend. Schon 13 Millisekunden nach Zünden der Kanonen begannen die Tiere mit dem Gegensteuern. Binnen 27 Millisekunden hatten sie sich vollständig wieder gefangen und die alte Laufrichtung eingeschlagen. Dabei kamen sie in den meisten Fällen nicht einmal aus dem Schrittrhythmus.

Eine derart schnelle Gegenreaktion könne nicht ausschließlich auf Nervenreflexen beruhen, sind Jindrich und Full überzeugt. Daher sehen sie in den Resultaten die Bestätigung für ihr "Sprungfeder"-Modell des Schabenbeins.

 


© ArtToday

Amerikanische Schabe (Periplaneta americana)

 

 Mehr Informationen:

University of California at Berkeley: Polypedal - The Science of Motion

Annette Leßmöllmann: Flitzen über Stock und Stein

FZI Forschungszentrum Informatik an der Universität Karlsruhe: Mobile Servicerobotik

vista verde: Bionik

 

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Notting Hill: Karneval der Ameisen
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