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Klima: Nächste Eiszeit kommt spät
- oder gar nicht
Vor dreißig Jahren nahmen
Geowissenschaftler an, die nächste Eiszeit stehe unmittelbar
bevor. Nun zeigen Forscher, wie neue Erkenntnisse über natürliche
und menschliche Einflüsse diese Vermutung auf den Kopf stellten.
Die jüngste Vereisung könnte demnach sogar die letzte
gewesen sein.
(jkm) - So ändern sich die
Zeiten: "Mehrere Forscher legten dar, dass die gegenwärtige
Warmzeit in ihrer letzten Phase ist", schrieben Murray Mitchell
Jr. und seine Kollegen 1972 in einer Themenausgabe des Fachblatts
"Quarternary Research". Falls man der Natur ihren Lauf
lasse, könne es vielleicht schon innerhalb der nächsten
Jahrhunderte zu ähnlichen Ereignissen wie zum Ende der letzten
Warmzeit kommen.
Die damaligen Prognosen beruhten
hauptsächlich auf Statistiken über die Dauer früherer
Warm- und Eiszeiten, erläutern André Berger und Marie-France
Loutre von der Université catholique de Louvain im Magazin
"Science". Zudem habe kaum jemand das atmosphärische
Kohlendioxid als treibenden Faktor berücksichtigt. Ein einfaches
Modell der polaren Eiskappen habe aber schon damals eine Frist
von 65.000 Jahren bis zum Maximum der nächsten Vereisung
prognostiziert.
Mit der Zeit habe sich dann gezeigt,
dass die modernen Bedingungen völlig anders seien als die
während der letzten Warmzeit, dem Eem. Schon allein die zyklischen
Veränderungen in der Umlaufbahn der Erde um die Sonne und
damit die Schwankungen der Sonneneinstrahlung seien deutlich unterschiedlich.
"In den nächsten 100.000 Jahren werden die Schwankungen
der Sonneneinstrahlung gering sein," schreiben die Forscher,
"deutlich geringer als im Eem."
Dadurch werde der atmosphärische
Kohlendioxid-Gehalt noch wichtiger. Die meisten Szenarien sagten
inzwischen ein Andauern der gegenwärtigen Warmzeit für
weitere 50.000 Jahre voraus. Doch könne es noch extremer
kommen, so Berger und Loutre.
Veranschlage man eine Verdoppelung
des heutigen Kohlendioxid-Gehalts über die nächsten
200 Jahre und eine Rückkehr zu vorindustriellen Werten über
die folgenden 1.000 Jahre, könnte der grönländische
Eisschild vollständig abschmelzen. Da das Eis Sonnenstrahlung
ins All zurückwirft, könnte ein "irreversibler
Treibhauseffekt" die Folge sein und die nächste Eiszeit
gänzlich ausbleiben.
In gewissem Sinne hätten
die Forscher vor dreißig Jahren sogar außergewöhnlichen
Weitblick bewiesen, schließen Berger und Loutre. Damals
hätten Mitchell und seine Kollegen nämlich auch vermutet,
dass der Einfluss des Menschen auf das zukünftige Klima "sehr
wahrscheinlich zu einer Erwärmung führt und damit ein
Andauern der gegenwärtigen Warmzeit begünstigt."
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