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Familie: Eltern werden Einzelkämpfer
Das Eltern-Dasein ist im Laufe
des 20. Jahrhunderts deutlich schwieriger geworden. Das berichten
amerikanische Soziologen auf einem Fachtreffen in Chicago.
(jkm) - Halfen Anfang des Jahrhundert
noch Kinder und Verwandte bei Kindererziehung und Hausarbeit und
steuerten einen Teil ihres Einkommens bei, waren Eltern Ende des
Jahrhunderts vollkommen auf sich allein gestellt - und umgekehrt
auch Kinder und Senioren.
Frances Goldscheider und ihre
Kollegen von der Brown University in Providence, Rhode Island,
werteten Bevölkerungsdaten aus den Jahren 1880 bis 1990 aus.
Wie die Forscherin auf dem Jahrestreffen der American Sociological
Association in Chicago berichtet, wurden Eltern mit der Zeit immer
stärker isoliert - zumindest räumlich.
"Es gibt diesen Mythos, die
amerikanische Familie sei eine Kerneinheit und die Eltern daher
schon immer isoliert", erläutert Goldscheider. "Es
ist aber klar, dass früher mehr Hilfe im Haushalt zu finden
war."
Nach Ansicht der Soziologin vervollständigen
diese Ergebnisse das historische Bild von der Familie. Dieses
sei hauptsächlich durch das Leben der Frauen - speziell ihre
Fruchtbarkeit - und das der Kinder geprägt worden. Männer
oder Elternschaft als zentrale Rolle von Erwachsenen habe man
dagegen ignoriert.
Im späten 19. Jahrhundert
habe die Hälfte der Mütter junger Kinder in ihrem Haushalt
eine Heranwachsende oder eine andere Erwachsene zur Seite gehabt,
so die Forscherin. Diese hätten sich um die Hausarbeit und
um die Kinder gekümmert. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts
sei der Anteil auf ein Fünftel gefallen, da die potenziellen
Helferinnen heutzutage zur Schule gingen oder eine feste Arbeit
hätten.
Ganz ähnlich sei es den Männern
in ihrer Rolle als Ernährer ergangen. Vor 1950 hätten
neben den Vätern auch andere Familienmitglieder Geld verdient
und so das Familieneinkommen stabilisiert. Seit den 50er-Jahren
habe sich die Lebensführung jedoch deutlich geändert,
beispielsweise sei die Zahl der Single-Haushalte stark angestiegen
und immer mehr junge Erwachsene verließen das elterliche
Haus.
Als Folge seien Elternpaare nicht
nur in Geld- und Erziehungsfragen immer mehr auf sich gestellt.
Noch 1880 hätten fast 70 Prozent aller Erwachsenen zwischen
18 und 74 in einem Haushalt mit Kindern gelebt. Im Jahr 1990 seien
es nur noch 35 Prozent gewesen.
"Das Furchteinflößende
daran ist, dass die meisten Leute für einen großen
Teil ihres Lebens isoliert von Kindern sind", so Goldscheider.
"Für mich bedeutet das, dass die zunehmenden gesundheitlichen,
sozialen und schulischen Probleme der Kinder nun sehr viel leichter
übersehen werden können."
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