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- 19.08.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Familie: Eltern werden Einzelkämpfer

Das Eltern-Dasein ist im Laufe des 20. Jahrhunderts deutlich schwieriger geworden. Das berichten amerikanische Soziologen auf einem Fachtreffen in Chicago.

(jkm) - Halfen Anfang des Jahrhundert noch Kinder und Verwandte bei Kindererziehung und Hausarbeit und steuerten einen Teil ihres Einkommens bei, waren Eltern Ende des Jahrhunderts vollkommen auf sich allein gestellt - und umgekehrt auch Kinder und Senioren.

Frances Goldscheider und ihre Kollegen von der Brown University in Providence, Rhode Island, werteten Bevölkerungsdaten aus den Jahren 1880 bis 1990 aus. Wie die Forscherin auf dem Jahrestreffen der American Sociological Association in Chicago berichtet, wurden Eltern mit der Zeit immer stärker isoliert - zumindest räumlich.

"Es gibt diesen Mythos, die amerikanische Familie sei eine Kerneinheit und die Eltern daher schon immer isoliert", erläutert Goldscheider. "Es ist aber klar, dass früher mehr Hilfe im Haushalt zu finden war."

Nach Ansicht der Soziologin vervollständigen diese Ergebnisse das historische Bild von der Familie. Dieses sei hauptsächlich durch das Leben der Frauen - speziell ihre Fruchtbarkeit - und das der Kinder geprägt worden. Männer oder Elternschaft als zentrale Rolle von Erwachsenen habe man dagegen ignoriert.

Im späten 19. Jahrhundert habe die Hälfte der Mütter junger Kinder in ihrem Haushalt eine Heranwachsende oder eine andere Erwachsene zur Seite gehabt, so die Forscherin. Diese hätten sich um die Hausarbeit und um die Kinder gekümmert. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts sei der Anteil auf ein Fünftel gefallen, da die potenziellen Helferinnen heutzutage zur Schule gingen oder eine feste Arbeit hätten.

Ganz ähnlich sei es den Männern in ihrer Rolle als Ernährer ergangen. Vor 1950 hätten neben den Vätern auch andere Familienmitglieder Geld verdient und so das Familieneinkommen stabilisiert. Seit den 50er-Jahren habe sich die Lebensführung jedoch deutlich geändert, beispielsweise sei die Zahl der Single-Haushalte stark angestiegen und immer mehr junge Erwachsene verließen das elterliche Haus.

Als Folge seien Elternpaare nicht nur in Geld- und Erziehungsfragen immer mehr auf sich gestellt. Noch 1880 hätten fast 70 Prozent aller Erwachsenen zwischen 18 und 74 in einem Haushalt mit Kindern gelebt. Im Jahr 1990 seien es nur noch 35 Prozent gewesen.

"Das Furchteinflößende daran ist, dass die meisten Leute für einen großen Teil ihres Lebens isoliert von Kindern sind", so Goldscheider. "Für mich bedeutet das, dass die zunehmenden gesundheitlichen, sozialen und schulischen Probleme der Kinder nun sehr viel leichter übersehen werden können."

 


© ArtToday

Am Ende des 20. Jahrhunderts sind Eltern zunehmend auf sich allein gestellt.

 

 Mehr Informationen:

Brown University

 

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