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Experten: Klimawandel beginnt - neue
Hochwasserpolitik überfällig
Experten aus ganz Deutschland
haben angesichts der dramatischen Unwetter ein radikales Umdenken
in Hochwasserschutz und Klimapolitik gefordert.
Hamburg (dpa) - Die derzeitige
Regenflut sei Vorbote eines grundlegenden Klimawandels, warnte
der Forscher Friedrich-Wilhelm Gerstengabe vom Potsdam-Institut
für Klimafolgenforschung. Auch Mojib Latif vom Max-Planck-Institut
für Meteorologie (Hamburg) sagte: «Wir müssen
uns auf heftige Hagelschläge, ergiebige Regenfälle und
starke Stürme einstellen. Das Wetter hat uns mit dem Regen
der vergangenen Wochen nur einen Vorgeschmack darauf gegeben,
was in 50 Jahren ganz alltäglich sein wird.»
Die Hochwasserlage zeige die
Notwendigkeit für einen konsequenten Klimaschutz, betonte
Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) am Mittwoch in
Berlin. Zweifellos gebe es menschliche Mitverantwortung für
die Niederschläge. Die Wissenschaftler werfen den Politikern
in Bund, Ländern und Gemeinden jedoch vor, den Hochwasserschutz
bislang sträflich vernachlässigt zu haben.
Statt beispielsweise neue Überlaufflächen
zu schaffen, seien oft lediglich die alten Deiche geflickt und
verstärkt worden, bemängelte der Leiter des WWF-Aueninstituts,
Emil Dister, mit Blick auf das Oder-Hochwasser von 1997. «Einige
der durch die Flut zerstörten Häuser sind sogar an genau
der gleichen Stelle wieder aufgebaut worden.» Langfristig
gehe kein Weg daran vorbei, ganze Siedlungen aus besonders gefährdeten
Gebieten herauszunehmen.
Dies sieht auch der Hallenser
Umweltwissenschaftler Peter Wycisk so: Um mehr Rückhalte-
und Aufnahmeflächen für große Wassermassen zu
schaffen, komme man an der Entsiedelung mancher Landstriche nicht
vorbei. Der Deutsche Bauernverband fordert deshalb, brach liegende
Industrieflächen wieder zurückzubauen.
Nach Auffassung des Hydrologen
Detlef Wilcke (Hannover) sollte Regenwasser aus Städten zudem
nicht weiterhin direkt in Flüsse geleitet werden, sondern
im Boden unter den Städten selbst versickern. «Wir
möchten, dass das Regenwasser gar nicht erst zum Beispiel
in der Elbe landet.»

© dpa
Der Innenhof
des weltberühmten Zwinger in Dresden zeigt sich am
Mittwoch (14.08.2002) überflutet. Welche Schäden
die braunen Fluten an dem Bauwerk angerichtet haben, müssen
Experten erst noch genau feststellen.
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Unwetter Hinweis auf globale
Erwärmung
Für keinen der deutschen
Klimaexperten kamen die derzeitigen Wetterkatastrophen überraschend.
Die immer häufigeren Unwetter seien Hinweis auf eine globale
Erwärmung, sagt Mojib Latif. «Schuld ist der Treibhauseffekt:
Die Atmosphäre erwärmt sich. Wärmere Luftmassen
nehmen mehr Wasser auf. Das führt zwangsläufig dazu,
dass mehr Regen fällt.» Die Wetterverschiebungen gingen
langsam vor sich, doch die Frequenz der Unwetter steige. «Im
Sommer werden wir Überschwemmungen haben, im Winter heftige
Stürme.»
Industrialisierung und die stetige
Zunahme des Treibhausgas- Ausstoßes seien im vergangenen
Jahrhundert an den stärksten Temperaturerhöhungen des
Jahrtausends schuld gewesen, betonte der Potsdamer Experte Gerstengarbe:
«Die Emission ist die einzige Schraube, an der wir drehen
können.»
Auch Hermann E. Ott vom Wuppertal
Institut für Klima, Umwelt, Energie forderte angesichts des
derzeitigen «Warnschusses vor den Bug» ein konsequentes
Umdenken: «Ein wirklicher Wandel kommt nur, wenn es wehtut,
wenn die Kosten zur Verhinderung des Klimawechsels geringer als
die Folgekosten des Klimawechsels sind.»
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