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- 14.08.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Experten: Klimawandel beginnt - neue Hochwasserpolitik überfällig

Experten aus ganz Deutschland haben angesichts der dramatischen Unwetter ein radikales Umdenken in Hochwasserschutz und Klimapolitik gefordert.

Hamburg (dpa) - Die derzeitige Regenflut sei Vorbote eines grundlegenden Klimawandels, warnte der Forscher Friedrich-Wilhelm Gerstengabe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Auch Mojib Latif vom Max-Planck-Institut für Meteorologie (Hamburg) sagte: «Wir müssen uns auf heftige Hagelschläge, ergiebige Regenfälle und starke Stürme einstellen. Das Wetter hat uns mit dem Regen der vergangenen Wochen nur einen Vorgeschmack darauf gegeben, was in 50 Jahren ganz alltäglich sein wird.»

Die Hochwasserlage zeige die Notwendigkeit für einen konsequenten Klimaschutz, betonte Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) am Mittwoch in Berlin. Zweifellos gebe es menschliche Mitverantwortung für die Niederschläge. Die Wissenschaftler werfen den Politikern in Bund, Ländern und Gemeinden jedoch vor, den Hochwasserschutz bislang sträflich vernachlässigt zu haben.

Statt beispielsweise neue Überlaufflächen zu schaffen, seien oft lediglich die alten Deiche geflickt und verstärkt worden, bemängelte der Leiter des WWF-Aueninstituts, Emil Dister, mit Blick auf das Oder-Hochwasser von 1997. «Einige der durch die Flut zerstörten Häuser sind sogar an genau der gleichen Stelle wieder aufgebaut worden.» Langfristig gehe kein Weg daran vorbei, ganze Siedlungen aus besonders gefährdeten Gebieten herauszunehmen.

Dies sieht auch der Hallenser Umweltwissenschaftler Peter Wycisk so: Um mehr Rückhalte- und Aufnahmeflächen für große Wassermassen zu schaffen, komme man an der Entsiedelung mancher Landstriche nicht vorbei. Der Deutsche Bauernverband fordert deshalb, brach liegende Industrieflächen wieder zurückzubauen.

Nach Auffassung des Hydrologen Detlef Wilcke (Hannover) sollte Regenwasser aus Städten zudem nicht weiterhin direkt in Flüsse geleitet werden, sondern im Boden unter den Städten selbst versickern. «Wir möchten, dass das Regenwasser gar nicht erst zum Beispiel in der Elbe landet.»


© dpa

Der Innenhof des weltberühmten Zwinger in Dresden zeigt sich am Mittwoch (14.08.2002) überflutet. Welche Schäden die braunen Fluten an dem Bauwerk angerichtet haben, müssen Experten erst noch genau feststellen.

 

Unwetter Hinweis auf globale Erwärmung

Für keinen der deutschen Klimaexperten kamen die derzeitigen Wetterkatastrophen überraschend. Die immer häufigeren Unwetter seien Hinweis auf eine globale Erwärmung, sagt Mojib Latif. «Schuld ist der Treibhauseffekt: Die Atmosphäre erwärmt sich. Wärmere Luftmassen nehmen mehr Wasser auf. Das führt zwangsläufig dazu, dass mehr Regen fällt.» Die Wetterverschiebungen gingen langsam vor sich, doch die Frequenz der Unwetter steige. «Im Sommer werden wir Überschwemmungen haben, im Winter heftige Stürme.»

Industrialisierung und die stetige Zunahme des Treibhausgas- Ausstoßes seien im vergangenen Jahrhundert an den stärksten Temperaturerhöhungen des Jahrtausends schuld gewesen, betonte der Potsdamer Experte Gerstengarbe: «Die Emission ist die einzige Schraube, an der wir drehen können.»

Auch Hermann E. Ott vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie forderte angesichts des derzeitigen «Warnschusses vor den Bug» ein konsequentes Umdenken: «Ein wirklicher Wandel kommt nur, wenn es wehtut, wenn die Kosten zur Verhinderung des Klimawechsels geringer als die Folgekosten des Klimawechsels sind.»

 

         vista verde special: Weltgipfel in Johannesburg

vista verde special: Weltgipfel in Johannesburg

 

 Mehr Informationen:

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Max-Planck-Institut für Meteorologie

Wuppertal Institut

WWF

Bauernverband

DWD: Klimadaten

vista verde: Klima


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