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- 12.08.2002 -

 

 

 

 

 

 

 


 

Der Boden als Wasserspeicher:
Neue Wege beim Hochwasserschutz

Der Erdboden sollte nach Ansicht von Experten künftig stärker für den Hochwasserschutz genutzt werden. Bei der Vorstellung einer Studie wiesen Forscher darauf hin, dass vor allem landwirtschaftlich genutzter Boden mehr Wasser als bislang aufhalten könne.

Dresden (dpa) - «Dieses Potenzial sollte genutzt werden. Wenn sich die Regenmengen als Folge der Klimaeinflüsse künftig erhöhen, wäre das ein zusätzlicher Ansporn», sagte Projektleiter Friedhelm Sieker von der Universität Hannover am Montag in Dresden.

Zugleich räumte er ein, dass gegen die derzeit in Deutschland und anderen Ländern niedergehenden Regenmengen praktisch «kein Kraut gewachsen» ist. Auch das aus den Alpen abfließende Wasser könne nicht im Boden gehalten werden. Dennoch könne Prävention die Schäden begrenzen.

Am Beispiel der Lausitzer Neiße hatten Experten im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) die Eignung des Bodens als «Rückhaltebecken» untersucht. Demnach kann mit einer speziellen Bodenbearbeitung ein natürlicher Hochwasserspeicher mit einer Million Kubikmeter Fassungsvermögen entstehen. Vorbeugender Hochwasserschutz statt Schadensbegrenzung und Katastrophenmanagement, lautet das Fazit der Experten.

Der Studie zufolge kann in Siedlungen Niederschlagswasser von Dach- und Verkehrsflächen durch spezielle Systeme (Mulden-Rigolen- Systeme) wie zum Beispiel Kunststoffgitter in den Boden einsickern, von wo es allenfalls stark verzögert in Bäche und Flüsse gelangt.

Bei einer konventionellen Regenentwässerung durch Kanäle hingegen gehe der Boden unter den Städten als Wasserspeicher verloren. 60 bis 70 Prozent der jährlichen Regenmengen könnten mit Hilfe dieser Systeme im Boden gehalten werden.

Ackerflächen können laut DBU-Studie durch spezifische Bearbeitung (konservierendes Bearbeiten) mehr Wasser halten. Bei der so genannten Mulchsaat-Technik verbleiben Ernterückstände auf dem Feld und kommen - statt untergepflügt zu werden - nur oberflächlich in den Boden. Das Resultat seien mehr Bodenorganismen, eine stabilere Bodenstruktur und eine größere Fähigkeit zur Wasseraufnahme selbst bei extremen Niederschlagsmengen.

Während bei konservierend bearbeiteten Böden bis zu 90 Prozent der Niederschläge eindringen, sind es beim gepflügten Boden lediglich 50 Prozent. Momentan werden in Deutschland schätzungsweise aber nur etwa 5 Prozent der Ackerfläche konservierend bearbeitet.

Am Beispiel des Rheins stellte Sieker die These auf, dass sich bei intensiver Nutzung des Bodens als Wasserspeicher der Pegelstand bei Hochwasser um etwa einen halben Meter verringert. Diese Reduzierung würde zumindest die Altstadt von Köln vor Überflutung bewahren.

Für die Präsentation der Studie hatte die Auftraggeber ungewollt einen günstigen Zeitpunkt und Ort gewählt. Nur wenige Meter vom Schauplatz entfernt, machte das Elbehochwasser die Notwendigkeit zum Handeln deutlich.

 


© DBU

"Mulden", bepflanzte Tiefbeete, die auch der Verkehrsberuhigung oder Straßenbegrünung dienen können, nehmen das Wasser oberirdisch auf.

 

 Mehr Informationen:

Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Institut für Wasserwirtschaft, Hydrologie und landwirtschaftlichen Wasserbau der Universität Hannover

 

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