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Der Boden als Wasserspeicher:
Neue Wege beim Hochwasserschutz
Der Erdboden sollte nach Ansicht
von Experten künftig stärker für den Hochwasserschutz
genutzt werden. Bei der Vorstellung einer Studie wiesen Forscher
darauf hin, dass vor allem landwirtschaftlich genutzter Boden
mehr Wasser als bislang aufhalten könne.
Dresden (dpa) - «Dieses
Potenzial sollte genutzt werden. Wenn sich die Regenmengen als
Folge der Klimaeinflüsse künftig erhöhen, wäre
das ein zusätzlicher Ansporn», sagte Projektleiter
Friedhelm Sieker von der Universität Hannover am Montag in
Dresden.
Zugleich räumte er ein, dass
gegen die derzeit in Deutschland und anderen Ländern niedergehenden
Regenmengen praktisch «kein Kraut gewachsen» ist.
Auch das aus den Alpen abfließende Wasser könne nicht
im Boden gehalten werden. Dennoch könne Prävention die
Schäden begrenzen.
Am Beispiel der Lausitzer Neiße
hatten Experten im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt
(DBU) die Eignung des Bodens als «Rückhaltebecken»
untersucht. Demnach kann mit einer speziellen Bodenbearbeitung
ein natürlicher Hochwasserspeicher mit einer Million Kubikmeter
Fassungsvermögen entstehen. Vorbeugender Hochwasserschutz
statt Schadensbegrenzung und Katastrophenmanagement, lautet das
Fazit der Experten.
Der Studie zufolge kann in Siedlungen
Niederschlagswasser von Dach- und Verkehrsflächen durch spezielle
Systeme (Mulden-Rigolen- Systeme) wie zum Beispiel Kunststoffgitter
in den Boden einsickern, von wo es allenfalls stark verzögert
in Bäche und Flüsse gelangt.
Bei einer konventionellen Regenentwässerung
durch Kanäle hingegen gehe der Boden unter den Städten
als Wasserspeicher verloren. 60 bis 70 Prozent der jährlichen
Regenmengen könnten mit Hilfe dieser Systeme im Boden gehalten
werden.
Ackerflächen können
laut DBU-Studie durch spezifische Bearbeitung (konservierendes
Bearbeiten) mehr Wasser halten. Bei der so genannten Mulchsaat-Technik
verbleiben Ernterückstände auf dem Feld und kommen -
statt untergepflügt zu werden - nur oberflächlich in
den Boden. Das Resultat seien mehr Bodenorganismen, eine stabilere
Bodenstruktur und eine größere Fähigkeit zur Wasseraufnahme
selbst bei extremen Niederschlagsmengen.
Während bei konservierend
bearbeiteten Böden bis zu 90 Prozent der Niederschläge
eindringen, sind es beim gepflügten Boden lediglich 50 Prozent.
Momentan werden in Deutschland schätzungsweise aber nur etwa
5 Prozent der Ackerfläche konservierend bearbeitet.
Am Beispiel des Rheins stellte
Sieker die These auf, dass sich bei intensiver Nutzung des Bodens
als Wasserspeicher der Pegelstand bei Hochwasser um etwa einen
halben Meter verringert. Diese Reduzierung würde zumindest
die Altstadt von Köln vor Überflutung bewahren.
Für die Präsentation
der Studie hatte die Auftraggeber ungewollt einen günstigen
Zeitpunkt und Ort gewählt. Nur wenige Meter vom Schauplatz
entfernt, machte das Elbehochwasser die Notwendigkeit zum Handeln
deutlich.
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