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- 08.08.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Forscher: Riffe aus Methan fressenden Bakterien entdeckt

Bis zu vier Meter hohe Riffe aus Mikroorganismen haben deutsche Forscher in Küstengewässern des Schwarzen Meers entdeckt.

(jkm) - Die Riffe bestehen hauptsächlich aus extrem dichtgepackt lebenden Symbiosen von Archaea und Sulfat-reduzierenden Bakterien. Die Organismen produzieren zusammen Stütz-Strukturen aus Kalziumkarbonat sowie beträchtliche Mengen organischer Masse.

Die Wissenschaftler vom Bremer Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie und von der Universität Hamburg stellten ihre Entdeckung jetzt im Magazin "Science" vor. Ihrer Ansicht nach können die Bakterien helfen, die frühen Perioden der Erdgeschichte und die Entstehung der Biosphäre zu erklären.

Die gerade einmal einen Tausendstel Millimeter großen Einzeller sind in der Lage, enorme Mengen von Methan ohne Sauerstoff zu Kohlendioxid zu veratmen. Nach derartigen Bakterien haben Forscher seit mehr als 30 Jahren weltweit gesucht. Erst vor zwei Jahren ist es Max-Planck-Forschern gelungen, eine solche Lebensform oberhalb von Gashydratlagern im Meer aufzuspüren. Auch damals handelte es sich um eine Symbiose aus Archaea und Bakterien, die zusammen als winzige Zellklumpen zu Tausenden in methanreichen Meeresböden vorkommen und inzwischen weltweit an gasreichen Standorten gefunden wurden.

Die jetzt entdeckten Riff-bildenden Mikroorganismen sind Verwandte der vor zwei Jahren aufgespürten Zellklumpen. Die Riffe fanden die Forscher im Westen der Halbinsel Krim mit Hilfe des Forschungs-U-Bootes JAGO in einer Wassertiefe von 230 Metern. Gasblasen durchströmen kontinuierlich die teilweise bis zu vier Meter hohen und einen Meter breiten Riffstrukturen. Diese bestehen aus dichten Matten von Mikroorganismen, die im Inneren durch kalkartige Ausfällungen von Karbonaten gestützt werden. Das Karbonat entsteht wie Schwefelwasserstoff als Abfallprodukt aus der Oxidation von Methan mit dem im Meerwasser reichlich vorhandenem Sulfat.

Die Bakterienriffe sind der erste lebende Beweis dafür, dass organische Materie im Geosystem der Erde auch ohne Sauerstoff und pflanzliche Biomasse - auf chemosynthetischem Wege - entstanden ist und sich abgelagert hat. Bereits seit langem diskutieren Wissenschaftler, ob Methan in der frühen Geschichte des Lebens auf der Erde vor einigen Milliarden Jahren eine Rolle als Nährstoff und Energieträger gespielt haben könnte.

Die bisherige Theorie besagt noch immer, dass nur Sauerstoff atmende Mikroorganismen in der Lage sind, Methan effizient zu nutzen. Doch Sauerstoff entstand erst nach der Entwicklung und Ausbreitung von pflanzlichem Leben, wie wir es heute kennen. "Vielleicht waren die Ureinwohner der Erde während einer langen Periode der Erdgeschichte solche Mikroorganismen, wie wir sie im Schwarzen Meer gefunden haben: eine Symbiose von Zellen, die ohne Sauerstoff mit Methan als Nährstoff wachsen können", vermutet Antje Boetius, Mitautorin der Science-Studie. Diese Mikroorganismen wären dann das fehlende Glied in der Kette eines erdgeschichtlich sehr frühen Methankreislaufs.


Foto: GHOSTDABS, Universität Hamburg

Ein Blick aus dem Tauchboot JAGO auf das von Gasblasen umströmte Bakterienriff. Einige der Riffstrukturen sind 4 m hoch und 1 m breit. Sie bestehen fast ausschließlich aus Methan-fressenden Mikroorganismen, sowie aus durch den Methanumsatz ausgefälltem Kalk.

 

 Mehr Informationen:

Mitteilung der Max-Planck- Gesellschaft

 

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