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Gedächtnis: Cannabinoide löschen
böse Erinnerungen
Körpereigene Cannabinoide
sind am Vergessen unangenehmer oder furchteinflößender
Erinnerungen beteiligt, berichten Wissenschaftler. Die Entdeckung
könnte zu neuen Therapien für Phobien und andere Erkrankungen
führen, hoffen die Forscher.
(jkm) - Seit Jahrtausenden nutzt
der Mensch die Inhaltsstoffe der Hanfpflanze (Cannabis sativa)
als Medikamente und Drogen. Die psychoaktive Substanz in Haschisch
oder Marihuana, das delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC), bindet
im Gehirn an bestimmte Rezeptormoleküle auf der Oberfläche
von Nervenzellen und entfaltet so ihre Wirkung. Eigentlich sind
diese Cannabinoid-Rezeptoren jedoch für körpereigene
Signalmoleküle gedacht. Beat Lutz vom Münchner Max-Planck-Institut
für Psychiatrie und seine Kollegen glauben nun, eine bislang
unbekannte Funktion dieses endogene Cannabinoid-Systems gefunden
zu haben.
Die Forscher konditionierten Mäuse
darauf, einen Ton mit einem leichten Elektroschock in Verbindung
zu bringen. Bekamen die Tiere daraufhin nur den Ton zu hören,
erstarrten sie regelrecht in Erwartung des Schocks. Blieb dieser
jedoch wiederholt aus, verblasste die Erinnerung an die Verbindung
zwischen den zwei Reizen mit der Zeit wieder.
Bei Mäusen, denen der Cannabinoid-Rezeptor
CB1 fehlte oder die zuvor einen Hemmstoff dieses Rezeptors gespritzt
bekommen hatten, war die Erinnerung jedoch dauerhaft. Trotz intensiver
Dekonditionierungs-Versuche erstarrten die Tiere regelmäßig,
wenn sie den Ton hörten. Anscheinend sind endogene Cannabinoide
am Löschen von furchteinflößenden Erinnerungen
beteiligt, folgern Lutz und sein Team im Magazin "Nature".
In Übereinstimmung mit dieser
Annahme fanden die Forscher stark erhöhte Spiegel zweier
körpereigener Cannabinoide bei konditionierten Tieren, die
gerade den Ton gehört, jedoch keinen Elektroschock erhalten
hatten. Der Anstieg von Anandamid und 2-Arachadinoylglycerin schien
jedoch auf die Amygdala beschränkt zu sein, einer auch als
Mandelkern bezeichneten und an der Verarbeitung von Emotionen
und Erinnerungen beteiligten Gehirnregion. Erste elektrophysiologische
Untersuchungen lassen vermuten, dass die endogenen Cannabinoide
hier auf einen Regelkreis einwirken, der das aktive Auslöschen
von Erinnerungen steuert.
Lutz und seine Kollegen mahnen
jedoch, dass weitere Studien zur Wirkung der Cannabinoide nötig
seien. "Insgesamt lassen unsere Ergebnisse vermuten, dass
das endogene Cannabinoid-System ein Angriffspunkt für die
Behandlung von Krankheiten sein könnte, bei denen abschreckende
Erinnerungen über Gebühr gespeichert werden oder eine
überschießende Reaktion auf ängstigende Situationen
erfolgt." Zu diesen Krankheiten gehörten beispielsweise
posttraumatische Stress-Störungen, Phobien und gewisse Formen
des chronischen Schmerzes.
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