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- 01.08.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Gedächtnis: Cannabinoide löschen böse Erinnerungen

Körpereigene Cannabinoide sind am Vergessen unangenehmer oder furchteinflößender Erinnerungen beteiligt, berichten Wissenschaftler. Die Entdeckung könnte zu neuen Therapien für Phobien und andere Erkrankungen führen, hoffen die Forscher.

(jkm) - Seit Jahrtausenden nutzt der Mensch die Inhaltsstoffe der Hanfpflanze (Cannabis sativa) als Medikamente und Drogen. Die psychoaktive Substanz in Haschisch oder Marihuana, das delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC), bindet im Gehirn an bestimmte Rezeptormoleküle auf der Oberfläche von Nervenzellen und entfaltet so ihre Wirkung. Eigentlich sind diese Cannabinoid-Rezeptoren jedoch für körpereigene Signalmoleküle gedacht. Beat Lutz vom Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie und seine Kollegen glauben nun, eine bislang unbekannte Funktion dieses endogene Cannabinoid-Systems gefunden zu haben.

Die Forscher konditionierten Mäuse darauf, einen Ton mit einem leichten Elektroschock in Verbindung zu bringen. Bekamen die Tiere daraufhin nur den Ton zu hören, erstarrten sie regelrecht in Erwartung des Schocks. Blieb dieser jedoch wiederholt aus, verblasste die Erinnerung an die Verbindung zwischen den zwei Reizen mit der Zeit wieder.

Bei Mäusen, denen der Cannabinoid-Rezeptor CB1 fehlte oder die zuvor einen Hemmstoff dieses Rezeptors gespritzt bekommen hatten, war die Erinnerung jedoch dauerhaft. Trotz intensiver Dekonditionierungs-Versuche erstarrten die Tiere regelmäßig, wenn sie den Ton hörten. Anscheinend sind endogene Cannabinoide am Löschen von furchteinflößenden Erinnerungen beteiligt, folgern Lutz und sein Team im Magazin "Nature".

In Übereinstimmung mit dieser Annahme fanden die Forscher stark erhöhte Spiegel zweier körpereigener Cannabinoide bei konditionierten Tieren, die gerade den Ton gehört, jedoch keinen Elektroschock erhalten hatten. Der Anstieg von Anandamid und 2-Arachadinoylglycerin schien jedoch auf die Amygdala beschränkt zu sein, einer auch als Mandelkern bezeichneten und an der Verarbeitung von Emotionen und Erinnerungen beteiligten Gehirnregion. Erste elektrophysiologische Untersuchungen lassen vermuten, dass die endogenen Cannabinoide hier auf einen Regelkreis einwirken, der das aktive Auslöschen von Erinnerungen steuert.

Lutz und seine Kollegen mahnen jedoch, dass weitere Studien zur Wirkung der Cannabinoide nötig seien. "Insgesamt lassen unsere Ergebnisse vermuten, dass das endogene Cannabinoid-System ein Angriffspunkt für die Behandlung von Krankheiten sein könnte, bei denen abschreckende Erinnerungen über Gebühr gespeichert werden oder eine überschießende Reaktion auf ängstigende Situationen erfolgt." Zu diesen Krankheiten gehörten beispielsweise posttraumatische Stress-Störungen, Phobien und gewisse Formen des chronischen Schmerzes.


© ArtToday

Seit Jahrtausenden nutzt der Mensch die Inhaltsstoffe der Hanfpflanze (Cannabis sativa) als Medikamente und Drogen.

 

 Mehr Informationen:

Max Planck Gesellschaft

WDR: Cannabis als Medizin

NZZ Folio: Erinnern und Vergessen

 

 Lesen Sie auch:

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