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Vietnam: Betelgebrauch schon vor 2.500
Jahren
Schon während der Bronzezeit
vor 2.500 Jahren war im Norden Vietnams die anregende Wirkung
der Betelnuss und des Betelpfeffers bekannt. Eine internationale
Forschergruppe fand jetzt Spuren des Rauschmittels bei Grabungen
südlich von Hanoi.
(jkm) - Wie der amerikanische
Anthropologe Marc Oxenham in der September-Ausgabe des "Journal
of Archaeological Science" berichtet, waren den Forschern
bei Grabungen in Nui Nap rotbraune Verfärbungen an den Zähnen
der menschliche Skelette aufgefallen. Der Fundort liegt am Hang
eines hohen Kalksteinbergs etwa zehn Kilometer von der Dongson-Grabungsstätte
entfernt, nach der 1924 die bronzezeitliche Dongson-Kultur benannt
wurde.
Gemeinsam mit Kollegen von der
australischen Northern Territory University und des Archäologischen
Instituts von Hanoi unterzog Oxenham den außergewöhnlichen
Zahnbefund einer eingehenden Analyse. Mit Hilfe der Gas-Chromatographie
und der Massen-Spektrometrie konnten die bis zu 2.400 Jahre alten
Farbspuren eindeutig auf die Gerbstoffe der Betelnuss (Areca catechu)
und des Betelpfeffers (Piper betel) zurückgeführt werden.
Die Untersuchung eines Schneidezahns unter dem Elektronenmikroskop
erbrachte außerdem Hinweise auf eine Verätzung der
Zahnoberfläche, die möglicherweise absichtlich vor dem
Auftragen des Betelsaftes ausgeführt wurde.
Der Gebrauch der Betelnuss war
bei den frühen Vietnamesen offenbar weit verbreitet. Drei
Viertel der Skelette zeigten Spuren von Verfärbungen, und
zwar häufiger bei Frauen als bei Männern. Weil vor allem
die Vorderseiten der vorderen Zähne eingefärbt waren,
vermuten die Forscher, dass die Betelpflanzen nicht gekaut wurden,
wie es heute üblich ist. Vielmehr wurde ein Extrakt aus den
Früchten der Arekapalme aus kosmetischen Gründen aufgetragen,
vielleicht um Standesunterschiede in der geschichteten Dongson-Gesellschaft
zu kennzeichnen.
Die Wissenschaftler konnten auch
das weit verbreitete Vorurteil widerlegen, wonach die Inhaltsstoffe
der Betelnuss vor Karies schützen. Bei einem Viertel der
31 Skelette wurde Zahnfäule festgestellt. Die Einfärbung
der Zähne hatte die Krankheit nicht verhindern können.
Oxenham vermutet, dass die zahnschützenden Eigenschaften
des Betelkauens daher rühren, dass die Faserballen die Zähne
wie ein Kaugummi reinigen. Das bloße Auftragen des Saftes
bleibt dagegen folgenlos. Für das Färben der Zähne
können also keine medizinischen Gründe angenommen werden.
Etwa ein Viertel der Weltbevölkerung
genießt regelmäßig die Inhaltsstoffe der Betelnuss.
Das Betelkauen ist heute von Pakistan bis zu den Philippinen,
von Ozeanien bis nach Ostafrika verbreitet. Neben Alkohol, Koffein
und Nikotin gehört die Betelnuss zu den vier am häufigsten
gebrauchten Rausch- und Genussmitteln der Welt. Ihre anregende
und leicht betäubende Wirkung auf den menschlichen Körper
wird mit der des Nikotins verglichen.
Eine Betelnuss neben einem ausgetrockneten
Kalkfleck gehört zu den 7.600 Jahre alten Funden aus der
Spirit Cave in Thailand. Zu diesem frühen Zeitpunkt konnte
ein Konsum des Rauschmittels jedoch nicht nachgewiesen werden.
Die Funde von Nui Nap in Nordvietnam und Giong Co Vo im äußersten
Süden des Landes sind zur Zeit die ältesten sicheren
Belege für die Verwendung des Betels.
Die Dongson-Kultur wurde um 500
v. Chr. von Einwanderern aus Südchina begründet. Die
Ornamente auf ihren Bronzegeräten erinnern viele Forscher
an Muster der bronzezeitlichen Hallstatt-Kultur Mitteleuropas.
Durch Händler und Handwerker der Dongson wurden sie im gesamten
ostasiatischen und pazifischen Raum verbreitet.
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