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Nerven: Wie das Streicheln ins Gehirn
kommt
Mediziner haben herausgefunden,
dass Nervenbahnen, deren Funktion bisher unbekannt war, für
das angenehme Gefühl beim Austausch von Streicheleinheiten
verantwortlich sind.
(jkm) - Im Gegensatz zu normalen
Berührungen löst sanftes Streicheln angenehme Gefühle
aus. Welche Nerven für diese unterschiedlichen Empfindungen
verantwortlich sind, glauben schwedische und kanadische Neurowissenschaftler
jetzt herausgefunden zu haben. Bestimmte Nervenfasern der Haut
leiten ihre Signale demnach ausschließlich in Gehirnbereiche,
die auch bei sexueller Erregung aktiviert werden.
Das Team um Håkan Olausson
von der Universität Göteborg untersuchte eine Patientin,
die an einer ungewöhnlichen Krankheit litt. Der Frau fehlten
von der Nase abwärts die für den Tastsinn verantwortlichen
Nervenfasern der Haut. Lediglich ein Typ von Fasern war erhalten
geblieben, die so genannten taktilen C-Fasern. Diese Fasern reagieren
sehr träge und leiten ihre Signale mit vergleichsweise niedrigen
Geschwindigkeiten von etwa einem Meter pro Sekunde ins Gehirn.
Ihre Funktion war bislang unklar.
Strichen die Forscher mit einem
weichen Pinsel über den Unterarm der Frau, nahm sie einen
leichten, angenehmen Berührungsreiz wahr. Die Richtung des
Pinselstriches konnte sie jedoch nicht angeben. Eine Untersuchung
per funktioneller Magnetresonanz-Tomographie (fMRT) zeigte, dass
die Berührung im Gehirn normaler Probanden sowohl die normalen
Wahrnehmungsfelder im Gehirn als auch Teile des so genannten Inselkortex
aktivierte. Dagegen sprach bei der Patientin ausschließlich
der Inselkortex an.
Diese Region der Großhirnrinde
wird "durch Wärmereize und - interessanterweise - auch
bei optisch hervorgerufenen romantischen Gefühlen und sexueller
Erregung aktiviert", so Olausson und Kollegen in einem online
veröffentlichten Artikel des Fachblatts "Nature Neuroscience".
Ihrer Ansicht nach ging diese
Reaktion auf die verbliebenen C-Fasern in der Haut ihrer Patientin
zurück. Die Funktion der Fasern sei es demnach nicht, lebenswichtige
Details einer Berührung wie beispielsweise ihre Stärke
oder Richtung zu unterscheiden. Vielmehr spielten sie eine wichtige
Rolle, wenn es um die "affektiven Aspekte" einer Berührung
gehe, und seien vermutlich an der emotionalen, hormonellen und
Verhaltensreaktionen auf bestimmte Berührungen beteiligt.
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