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USA: Treibjagd schon vor 11.000 Jahren
Die ersten Amerikaner sind
möglicherweise doch für die Ausrottung der nordamerikanischen
Großtierfauna verantwortlich. Archäologen entdeckten
einen mehr als 10.000 Jahre alten Jagdplatz, an dem eine Bisonherde
in die Enge getrieben und geschlachtet wurde. Bisher hatte man
angenommen, dass die Ureinwohner nur Einzeltiere erjagten.
(jkm) - Vor etwa 13.000 Jahren
wanderten asiatische Großwildjäger über die Beringstraße
nach Nordamerika ein. Nach ihren charakteristischen Speerspitzen,
die 1932 erstmals in der Nähe des Ortes Clovis in Neumexiko
gefunden wurden, werden die ersten Siedler der Clovis-Kultur zugerechnet.
Die herzförmigen Klingen besitzen zwei Schneiden und konnten
sowohl zum Erjagen wie zum Zerteilen der Beute benutzt werden.
Sie sind nur etwa halb so groß wie die gleichzeitigen Solutréen-Klingen
in Mitteleuropa.
Ungefähr zur selben Zeit
starben auf dem nordamerikanischen Kontinent 35 Großtierarten
mit einem Körpergewicht von mehr als 45 Kilogramm aus: das
Mastodon, das Wollhaar-Mammut, das Riesenfaultier, Pferde und
Kamele sowie Biber von der Größe eines ausgewachsenen
Bären. Jagwaffen der Clovis-Kultur wurden bisher in der Nähe
von getöteten Mammuts, Bisons, Rotwild, Alligatoren und Flussfischen
gefunden. Die Jagdgruppen mit einer Stärke von 25 bis 40
Menschen erlegten jedoch immer nur ein oder zwei Tiere, die sie
verfolgten und mit ihren Waffen erlegten. Offensichtlich war die
Technik der Fleischkonservierung noch nicht sehr weit fortgeschritten.
Die Einzeljagd mit Wurfgeschossen
passte nicht recht in das Bild der massenmordenden Ureinwohner.
Kritiker der Overkill-Theorie wendeten deshalb ein, dass ein Klimawandel
Auslöser des Artentods gewesen sein muss, weil die Großtiere
in der heutigen Umwelt in Nordamerika nicht überlebensfähig
wären. Etwa zwanzig der Großtierarten seien bereits
ausgestorben, bevor die Clovis-Kultur aufblühte.
Andererseits fehlten bislang Beweise
für Treibjagden großen Stils während der Clovis-Zeit.
Erst aus der Folsom-Zeit vor 10.800 bis 10.200 Jahren sind mehrere
Fundplätze bekannt, an denen die Ureinwohner ganze Tierherden
über Steilklippen trieben. Die Speerspitzen der Folsom-Kultur
sind nur etwa halb so groß wie die Clovis-Klingen, worin
sich bereits ein Wandel in der Größe der vorhandenen
Jagdtiere abzeichnet. Die Mehrzahl der nordamerikanischen Megafauna
war zu diesem Zeitpunkt bereits ausgestorben.
Der Archäologe Leland Bemant
von der Universität von Oklahoma hat jetzt an einem Abhang
im Nordwesten des Staates eine Reihe von Bisonskeletten ausgegraben.
Zwischen den Fossilien lagen zwei Speerspitzen, die eindeutig
der Clovis-Kultur zugerechnet werden können. Sie werden vorläufig
auf ein Alter von 10.750 Jahren datiert, stammen also aus der
Übergangszeit zwischen der Clovis- und der Folsom-Kultur.
Das Feuersteinmaterial wurde aus einer Entfernung von einigen
Hundert Kilometern aus der texanischen Prärie herbeigetragen,
was auf ein weites Siedlungsgebiet schließen lässt.
Die Paläoindianer hatten
eine Herde von zehn bis zwölf Bisonkühen mit ihren Kälbern
in einen drei Meter tiefen Hohlweg am Jake Bluff getrieben. Dort
wurden sie von anderen Jägern erwartet, die von den Flanken
der Talenge herab Speere auf die verängstigten Tiere schleuderten.
Wie die Grabungen zeigten, wurden
zuerst die Beine der Kadaver abgetrennt und auf den Berghängen
zerlegt. Anschließend wurde der Rumpf der Tiere am Talgrund
ausgeweidet. Die Fleischmenge der Herde dürfte etwa der von
ein oder zwei Mammuts entsprochen haben.
"Unser Fund zeigt, dass die
Clovis-Menschen eine größere Vielzahl von Tieren erlegten,
als bisher angenommen wurde, und bereits über eine fortgeschrittenere
Jagdtechnik verfügten, die erst einer späteren Zeit
zugerechnet wurde," erklärte Bemant gegenüber der
Zeitschrift "National Geographic".
An der gemeinschaftlichen Jagd
nahm vermutlich die ganze Gruppe einschließlich der Frauen
und Kinder teil, was einen höheren Grad der Sozialorganisation
voraussetzt. Außerdem dürften die Clovis-Menschen die
Lebensweise ihrer Jagdtiere sehr genau beobachtet haben.
Im Vergleich zur Einzeljagd kam
es bei Treibjagden zu weniger Jagdunfällen, andererseits
mussten Techniken der Fleischkonservierung entwickelt werden.
Rätselhaft bleibt, warum die Bisons trotz dieser Massentötungen
nicht ausstarben. Auch fehlen noch Beweise, dass die Clovis-Menschen
auch Kamele, Pferde und viele andere Großtiere erjagten.
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