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- 25.07.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

USA: Treibjagd schon vor 11.000 Jahren

Die ersten Amerikaner sind möglicherweise doch für die Ausrottung der nordamerikanischen Großtierfauna verantwortlich. Archäologen entdeckten einen mehr als 10.000 Jahre alten Jagdplatz, an dem eine Bisonherde in die Enge getrieben und geschlachtet wurde. Bisher hatte man angenommen, dass die Ureinwohner nur Einzeltiere erjagten.

(jkm) - Vor etwa 13.000 Jahren wanderten asiatische Großwildjäger über die Beringstraße nach Nordamerika ein. Nach ihren charakteristischen Speerspitzen, die 1932 erstmals in der Nähe des Ortes Clovis in Neumexiko gefunden wurden, werden die ersten Siedler der Clovis-Kultur zugerechnet. Die herzförmigen Klingen besitzen zwei Schneiden und konnten sowohl zum Erjagen wie zum Zerteilen der Beute benutzt werden. Sie sind nur etwa halb so groß wie die gleichzeitigen Solutréen-Klingen in Mitteleuropa.

Ungefähr zur selben Zeit starben auf dem nordamerikanischen Kontinent 35 Großtierarten mit einem Körpergewicht von mehr als 45 Kilogramm aus: das Mastodon, das Wollhaar-Mammut, das Riesenfaultier, Pferde und Kamele sowie Biber von der Größe eines ausgewachsenen Bären. Jagwaffen der Clovis-Kultur wurden bisher in der Nähe von getöteten Mammuts, Bisons, Rotwild, Alligatoren und Flussfischen gefunden. Die Jagdgruppen mit einer Stärke von 25 bis 40 Menschen erlegten jedoch immer nur ein oder zwei Tiere, die sie verfolgten und mit ihren Waffen erlegten. Offensichtlich war die Technik der Fleischkonservierung noch nicht sehr weit fortgeschritten.

Die Einzeljagd mit Wurfgeschossen passte nicht recht in das Bild der massenmordenden Ureinwohner. Kritiker der Overkill-Theorie wendeten deshalb ein, dass ein Klimawandel Auslöser des Artentods gewesen sein muss, weil die Großtiere in der heutigen Umwelt in Nordamerika nicht überlebensfähig wären. Etwa zwanzig der Großtierarten seien bereits ausgestorben, bevor die Clovis-Kultur aufblühte.

Andererseits fehlten bislang Beweise für Treibjagden großen Stils während der Clovis-Zeit. Erst aus der Folsom-Zeit vor 10.800 bis 10.200 Jahren sind mehrere Fundplätze bekannt, an denen die Ureinwohner ganze Tierherden über Steilklippen trieben. Die Speerspitzen der Folsom-Kultur sind nur etwa halb so groß wie die Clovis-Klingen, worin sich bereits ein Wandel in der Größe der vorhandenen Jagdtiere abzeichnet. Die Mehrzahl der nordamerikanischen Megafauna war zu diesem Zeitpunkt bereits ausgestorben.

Der Archäologe Leland Bemant von der Universität von Oklahoma hat jetzt an einem Abhang im Nordwesten des Staates eine Reihe von Bisonskeletten ausgegraben. Zwischen den Fossilien lagen zwei Speerspitzen, die eindeutig der Clovis-Kultur zugerechnet werden können. Sie werden vorläufig auf ein Alter von 10.750 Jahren datiert, stammen also aus der Übergangszeit zwischen der Clovis- und der Folsom-Kultur. Das Feuersteinmaterial wurde aus einer Entfernung von einigen Hundert Kilometern aus der texanischen Prärie herbeigetragen, was auf ein weites Siedlungsgebiet schließen lässt.

Die Paläoindianer hatten eine Herde von zehn bis zwölf Bisonkühen mit ihren Kälbern in einen drei Meter tiefen Hohlweg am Jake Bluff getrieben. Dort wurden sie von anderen Jägern erwartet, die von den Flanken der Talenge herab Speere auf die verängstigten Tiere schleuderten.

Wie die Grabungen zeigten, wurden zuerst die Beine der Kadaver abgetrennt und auf den Berghängen zerlegt. Anschließend wurde der Rumpf der Tiere am Talgrund ausgeweidet. Die Fleischmenge der Herde dürfte etwa der von ein oder zwei Mammuts entsprochen haben.

"Unser Fund zeigt, dass die Clovis-Menschen eine größere Vielzahl von Tieren erlegten, als bisher angenommen wurde, und bereits über eine fortgeschrittenere Jagdtechnik verfügten, die erst einer späteren Zeit zugerechnet wurde," erklärte Bemant gegenüber der Zeitschrift "National Geographic".

An der gemeinschaftlichen Jagd nahm vermutlich die ganze Gruppe einschließlich der Frauen und Kinder teil, was einen höheren Grad der Sozialorganisation voraussetzt. Außerdem dürften die Clovis-Menschen die Lebensweise ihrer Jagdtiere sehr genau beobachtet haben.

Im Vergleich zur Einzeljagd kam es bei Treibjagden zu weniger Jagdunfällen, andererseits mussten Techniken der Fleischkonservierung entwickelt werden. Rätselhaft bleibt, warum die Bisons trotz dieser Massentötungen nicht ausstarben. Auch fehlen noch Beweise, dass die Clovis-Menschen auch Kamele, Pferde und viele andere Großtiere erjagten.

 Mehr Informationen:

National Geographic: Hillary Mayell: Bison Kill Site Sheds Light on Ice Age Culture

University of Oklahoma, Department of Anthropology

Indianer-Web: Wo kamen die Indianer her?

GEO Explorer: Wer war zuerst in Amerika?

Denver Museum of Nature and Science: Ice Age Fauna

E-Museum: Big Game Hunters

 

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