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Mittelamerika
Die Mayas scheiterten an der Umweltzerstörung
Wissenschaftler machen den
exzessiven Brandrodungsbau der Maya mitverantwortlich für
Umweltschäden von denen sich der tropische Regenwald selbst
nach 2000 Jahren noch nicht erholt hat.
(jkm) - Die Maya der zentralamerikanischen
Regenwälder bauten schon immer am Wasser. Doch warum suchten
sie die Nähe sumpfiger Niederungen, die nur wenige Monate
im Jahr Wasser führen? Ein Team aus Geographen und Anthropologen
untersuchte dieses Problem und stieß auf die Spuren der
"folgenreichsten Umweltveränderung im vorkolumbischen
Amerika."
Seit 2.000 v. Chr. errichteten
indianische Brandrodungsbauern ihre ersten Siedlungen im Tiefland
von Guatemala und Belize, bevorzugt in der Nähe von flachen
Bodensenken (spanisch: Bajo). Die sumpfigen Karstmulden im Kalksteinboden
werden heute nur noch zwischen Juli und November bewässert.
Seit langem fragen sich Forscher und Reisende, warum die Maya
der vorklassischen Zeit ein solch ungünstiges Terrain für
ihre Niederlassungen wählten.
Der Geograph Nicholas Dunning
und der Anthropologe Vernon Scarborough von der Universität
von Cincinnati führten seit 1997 42 Testgrabungen an fünf
Bajos im Nordwesten von Belize und im Nordosten von Guatemala
durch. Einige Meter unter der Erdoberfläche stießen
sie auf die Torfschicht eines ausgedehnten Feuchtgebietes, in
der sie Pollen von Bäumen, Wasserpflanzen und Mais fanden.
Offensichtlich waren die Bajos vor viertausend Jahren ganzjährig
von Wasser bedeckt.
"Diese hydrologisch stabilen
Ökosysteme stellten vermutlich ein attraktiveres Siedlungsgebiet
dar als die Sümpfe, die sich heute einige Monate lang bilden,"
berichten sie in der aktuellen Ausgabe der "Annalen"
der Vereinigung amerikanischer Geographen.
Zwischen 400 v. Chr. und 250 n.
Chr. begann die Versumpfung der Bajos. Um 100 n. Chr. war das
Oberflächenwasser während des größten Teils
des Jahres verschwunden, eine Tonschicht verschloss die tiefer
gelegenen Torflagen. Die Wissenschaftler machen für diese
Umweltschäden den exzessiven Brandrodungsbau der Maya in
Verbindung mit einem Klimawandel verantwortlich. Immer größere
Waldflächen wurden zur Anlage von Feldern für die wachsende
Bevölkerung gerodet, Steinbrüche für die Häuser
der Städte zerfurchten das Land. Die Erosion nahm zu. Regenfälle
füllten die flachen Seen mit Ablagerungen.
Die Versumpfung der Bajos fällt
in das Ende der Präklassischen Zeit der Maya-Kultur (400
v. Chr. bis 150 n. Chr.), als viele Städte von ihren Bewohnern
verlassen wurden. An anderen Orten gingen die Indianer zur Regulierung
der Wasserversorgung über, indem sie Wasserbecken innerhalb
ihrer Städte anlegten oder neue Quellen erschlossen: "Die
Maya waren vermutlich die Hauptschuldigen an dieser Entwicklung
durch die weitreichende Abholzung der Landschaft und den Abbau
von Steinen für ihre Städte. Es ist aber ebenso bemerkenswert,
dass sich die Maya in anderen Gebieten nicht nur erfolgreich an
die veränderte Umwelt anpassten, sondern während der
gesamten Klassischen Periode zu neuer Blüte gelangten."
Die Wissenschaftler sehen im Schicksal
der frühen Maya-Städte eine Warnung vor den Folgen der
Zerstörung des tropischen Regenwaldes. Selbst nach zweitausend
Jahren hat sich dort die Umwelt nicht wieder regenerieren können:
"Unsere Ergebnisse beweisen die verheerenden und nachhaltigen
Konsequenzen der Entwaldung in den Tropen."
Allzu leicht wird übersehen,
dass in den Feuchttropen etwa die achtfache Menge an Bodenmaterial
durch Wasser erodiert wird als in Mitteleuropa. Grobe Schätzungen
gehen davon aus, dass der Mensch im Lauf der letzten 10.000 Jahre
mehr als zwei Drittel des natürlichen Waldbestandes der Erde
vernichtet hat.
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