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- 17.07.2002 -

 

 

 

 

 

 


 

Rund um die Uhr: Ruhelose Städte erhöhen gesellschaftliche Kosten

Die Rastlosigkeit heutiger Gesellschaften bringt nicht nur Vorteile, sie fordert auch einen hohen gesellschaftlichen Preis.

(jkm) - Besonders in Großstädten haben sich Zonen kontinuierlicher Aktivität entwickelt, die vor allem durch den Dienstleistungssektor geprägt werden. Hier herrschen sehr ausgedehnte individuelle Arbeitszeiten und ausgedehnte Betriebszeiten. Doch lange Arbeitszeiten und Nachtarbeit führen zu Übermüdung und mehr Unfällen. Dies könne enorme gesellschaftliche Kosten verursachen, meinen Berliner Wissenschaftler.

Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) in Berlin untersuchte am Beispiel der Städte Berlin, Frankfurt/Main und Wien mögliche Folgen der Nonstop-Aktivität. Die drei Städte seien zwar auf dem Weg in die zeitliche Ausdehnung, so die Forscher, aber bis auf wenige Zonen, die sich vor allem in Berlin befänden, von einer Rund-um-die-Uhr Aktivität noch entfernt.

Durch den Verlust von Arbeitsplätzen in der Industrie seien eigentlich viele Gründe für Schicht- und Nachtarbeit entfallen. Trotzdem hätten alle Arbeitsformen, die auf Ausdehnung gerichtet seien, europaweit leicht zugenommen.

Diese Tendenzen fanden die Forscher in allen drei Städten in unterschiedlichem Maße: Frankfurt wird besonders von der Finanzwirtschaft angetrieben, Berlin durch die Freizeit- und Konsumansprüche der Bewohner und Besucher sowie teilweise auch durch die New Economy, Wien folgt dem Trend widerwillig und mit einem zeitlichen Entwicklungsabstand.

Die Ausdehnung der Arbeitszeiten trifft bisher nur eine Minderheit, die jedoch stetig wächst. Wohin die Reise geht, lässt sich nach Meinung der Forscher an hoch vernetzten Städten wie New York, Las Vegas, Tokio und Shanghai mit ihren Nonstop-Gesellschaften erkennen. Dort lasse sich die Aufgabe bisheriger "sozialer Rhythmen" beobachten, die soziale, ökonomische und ökologische Folgen nach sich zögen.

Die Ausdehnung von Arbeitszeiten in ehemalige Ruhephasen halten die Forscher für gefährlich, speziell die Nachtarbeit stehe im Widerspruch zum menschlichen Biorhythmus. Nicht ohne Grund hätten sich zahlreiche Großkatastrophen der letzten Jahrzehnte nachts ereignet.

Eine wichtige Herausforderung an Politik und Gesetzgeber bestehe darin, diese Schäden nicht nur zu reduzieren - vielmehr komme es darauf an, die Kosten auch dem jeweiligen Verursacher anzulasten.


© ArtToday

In Nonstop-Gesellschaften läßt sich die Aufgabe bisheriger "sozialer Rhythmen" beobachten, die soziale, ökonomische und ökologische Folgen nach sich ziehen.

 

 Mehr Informationen:

Deutsches Institut für Urbanistik

vista verde: Urbanisierung

 

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